weibliche Kraft

In unserem Alltag handtieren wir mit Personen, die von uns getrennt erscheinen. Da ist unser Partner, der natürlich eine eigene Persönlichkeit hat. Da sind unsere Kinder, unser Chef, unsere Kollegen, unsere Nachbarin, unsere Freunde,…

Manchmal spielt unser körperliches Geschlecht da scheinbar eine Rolle, manchmal (scheinbar) eher nicht.

Es gibt viele Vorstellungen, was „Weiblichkeit“ bedeuten könnte. Und in manchen Zeiten scheint dieses Qualität auch keine besondere Aufmerksamkeit zu benötigen.

Fakt ist, dass sich unser gesamtes Leben zwischen zwei Polen abspielt. Es bewegt sich mit der Bewegung des Atems zwischen der „Fülle“ und der „Leere“. Es bewegt sich aufgrund der Anziehung zwischen den Geschlechtern, die letztlich nicht nur dem Fortbestand der Menschheit dient, sondern auch für die meisten unserer Dramen und Hoffnungen verantwortlich ist. Immer geht es um das Spiel der Suche nach Ganzheit. Komplett-Werden. Sich im anderen finden. Sich in sich selbst finden.

Um in sich selbst mehr und mehr anzukommen (während sich natürlich alles im Fluss des Lebens weiter bewegt), ist es notwendig, die Spaltungen, die wir irgendwann (manche haben eine sehr lange Tradition), in uns vorgenommen haben, zu heilen. Das heißt: Alles, was wir bisher als „falsch“ verleugnet haben, darf nach und nach wieder-ent-deckt und integriert werden.

Das heißt nicht, dass wir alles „gut“ finden müssen, was wir da so entdecken. Aber die Tasache, dass wir in der Lage sind zu SEHEN und zu FÜHLEN, was da ist, ist auf jeden Fall ein Schritt Richtung Ganz-Sein.

Einer der Teile, die im Laufe der Zeit irgendwie vergessen oder oft vernachlässigt wurden, ist der Körper. Denn in den letzten Jahrzehnten wurde das Geistige und der Verstand sehr hoch gehalten (was ja nicht unbendigt schlecht ist – nur geht ein so gelegter Fokus meistens auf Kosten eines anderen: in diesem Fall u.a. auf Kosten des Körpergefühls und des Spürens überhaupt).

Hinzukommt, dass insbesondere das weibliche Körpergefühl stark beinflusst wird durch Wirtschaftlichkeit und Werbung. Dadurch ist es natürlich sehr, sehr herausfordernd, das eigene Gespür von den „sozialen Werten“ zu unterscheiden und dann auch noch einen eigenen (individuell stimmigen) Umgang IN dieser Welt und im Alltag damit zu finden.

Aber natürlich ist Weiblichkeit viel, viel mehr als Körperlichkeit.

Wie zum Beispiel würde eine Wohnung aussehen, die keine Frau bewohnt? Wären da Blumen auf dem Tisch?

Wie würde eine Familie aussehen, in der keine Frau präsent ist? Was würde fehlen?

Wie sähe Mode aus, wenn es keine Frauen gäbe?

Ich weiß, ich bewege mich hier gerade auf sehr heißem Boden, wenn ich gerade die Bereiche anspreche, auf die wir als Frau oft nicht reduziert werden wollen. Natürlich sind wir unbeschreiblich und jede für sich einzigartig!!! Aber ich finde es so schade, wenn die weiblichen Qualitäten der liebevollen Führsorge, der Schönheit, der Wärme oder der Zartheit nicht gewürdigt werden!

Natürlich sieht keine Wohnung aus wie die andere. Es gibt Frauen, die mögen es, die Wohnung kreativ einzurichten und anderen ist dies eher nebensächlich. Es gibt Frauen, die genießen es, mit ihren Kindern zu basteln und andere mögen basteln einfach nicht. Nicht für jede Frau ist es der Traum, eine Familie zu gründen. Und obendrauf haben alle Frauen, „männliche Anteile“ und alle Männer „weibliche Anteile“. Und genau das ist der Punkt, warum wir uns gegenseitig anziehen, uns ergänzen und herausfordern – gleichzeitig.

In der Energiearbeit des Yogas geht es gerade darum, die beiden Pole in uns selbst (Ida und Pingala bzw. die männliche und weibliche Kraft in uns) miteinander zu verbinden und schließlich über alle menschlichen Ebenen (die verschiedenen Chakren) hindurch nach „oben“ zu lenken…

In einer Zeit, in der das Weibliche aber kaum Wertschetzung erfährt – außer dadurch, dass es den Frauen mehr und mehr ermöglicht werden soll, auch männliche Qualitäten zu leben, ist es sehr herausfordernd ein inneres und äußeres Gleichgewicht beider Kräfte zu leben.

Bevor das möglich sein kann, muss das Weibliche zunächst wiederentdeckt und dann wertgeschätzt werden!

Dieser Prozess beginnt bei DIR!

In welchem Kontakt bist du mit deiner eigenen Weiblichkeit?

Wie geht es dir in deinem Körper?

Wie geht es dir mit deiner Blutung?

Mit deiner Fruchtbarkeit?

Mit deinem Zyklus?

Mit deinen Gefühlsschwankungen?

Mit deiner Zartheit?

Mit deiner Kraft?

Wenn wir von Weiblichkeit sprechen, sprechen wir natürlich auch von Sexualität und von den verschiedenen Phasen einer Frau. Wir sprechen von Zyklen, wir sprechen von den Qualitäten des jungen Mädchens, der Mutter, der Zauberin, der Kriegerin, der Amazone und der weisen Frau.

Weiblichkeit ist im Gegensatz zum Männlichen (das von der Sonne symbolisiert wird und für Aktivität steht, für strukturiertes und zielgerichtetes Denken (Logik)), die Qualität des „Dunklen“, des nicht-Sichtbaren, des Mystischen, der Mondin in uns. Das Weibliche ist nicht zielgerichtet, es verläuft zyklisch, gleichzeitig und intuitiv.

Hier geht es nicht um ein entweder oder. Es geht nicht um ein besser oder schlechter, sondern darum, das eine vom anderen zu unterscheiden und beides zu ehren.

Der weibliche Körper symbolisiert das „Aufnehmende Prinzip“. Die Frau hat die Qualität das Leben (und den Mann) in sich aufzunehmen und damit zu bejahen!

Wow! Was für eine Kraft!

Das ist eine heilige Qualität, die durchaus verweigert werden darf!

Sie sollte in jedem Fall geehrt werden, indem wir uns dieses Schatzes bewusst werden!

Es ist eine enorme Stärke, sich seiner eigenen Zartheit bewusst zu sein. Es ist genauso eine Stärke, sich seiner eigenen Stärke bewusst zu sein.

Wenn ich beide Kräft in mir absolut anerkenne, fühle ich mich ganz! Aus dieser Ganzheit heraus passiert Liebe natürlich!

Am 12. Mai gibt es einen Tages-Retreat-Workshop zum Thema „weibliche Kraft“ mit mir (Verena Kamphausen) in Kirchheim unter Teck.

Du bist herzlich eingeladen 🙂