Das Geheimnis der Rishikesh-Reihe

Heute erfährtst du etwas über meine ganz persönliche Erfahrung mit dieser Reihe. Es hat mit der Dimension zu tun, die trotz aller Unterschiedlichkeit von Erfahrung immer gleich bleibt. Aber dazu später mehr.

Die Rishikesh-Reihe ist das „Basis-Gerüst“ mit dem in der Sivananda-Tradition Asanas praktiziert werden.

Nach dem Ankommen (des Bewusstseins im Körper und damit HIER in diesem Moment) und dem „Aufwärmen“, ist die erste richtige Haltung der Rishikesh-Reihe: Der Kopfstand.

Für alle, die den Kopfstand körperlich nicht ausführen können, schreibe ich später etwas zu Alternativen.

Der Kopfstand aktiviert die „Verbindungstelle“ zwischen menschlichem Bewusstsein und dem „göttlichen Funken“ in uns, denn er spricht das Sahasrara Chakra an. Das Sahasrara Chakra ist das „Tor“ zu der Dimension, in der all die scheinbaren Trennungen, die wir als menschliche Wesen erleben, all die Einteilungen in „ich“ und „du“, „richtig“ und „falsch“, „voll“ und „leer“, „Mann“ und „Frau“,… …in ihrer Scheinbarkeit offensichtlich werden.

Eigentlich beginnt dieses „Sehen“ bereits im Herzraum (Anahata-Chakra) und ist eine ganz natürliche Entwicklung menschlicher Evolution. Eine Evolution des Bewusstseins, die natürlich in all unseren Handlungen Form annimmt.

Diese Entwicklung nimmt u.a. Form an durch das Erwachen der sogenannten „Kundalini-Kraft“. Dieses Wort und die damit verbundenen Erklärungen sind jedoch nur EINE bestimmte Weise, diese natürliche Entwicklung zu beschreiben und zu erklären. Letztlich gibt es unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten. Und natürlich einige, die überhaupt keiner yogischen Begriffe bedürfen. In diesem Sinne sind natürlich auch keine Asanas (Yogahaltungen) von Nöten, um hier irgendwie vorwärts zu kommen. So wie in einem Garten die verschiedensten Sträucher, Bäume, Gräser, Blumen und „Nutzpflanzen“ wachsen, ist auch Yoga lediglich eine Form von unendlich vielen Ausdrucksmöglichkeiten des Lebens selbst.

Wenn du dich jedoch aus irgendeinem Grund von Yoga und der Arbeit mit dem Körper angezogen fühlst, dann ist jede einzelne Yogahaltung wie eine Tür.

Der Kopfstand ist nun die Tür, die dich mit deinem „höheren Selbst“ verbindet. Also mit dem, was „Oberhalb“ der Kleinlichkeit des menschlichen Geistes existiert. Mit all dem, was hinausgeht über die Ideen von „richtig“ und „falsch“. Mit all dem, was jenseits von diesem oder jenem so wunderbar und detailliert dargelegten (emanzipierten, menschlichen, politischen, wirtschaftlichen, religiösen, spirituellen,…) Konzept IST. Insofern ist es sogar ein Hinausgehen über jede Form von Erfahrung, die du als „Ich“ machen kannst.

Es ist die Tür, die menschliches und „göttliches“ miteinander verbindet.

Während deine Wurzel (das Muladhara Chakra) dich verbindet mit der „Tiefe“ von Menschlichkeit. Diese hebt sich deutlich ab von der Qualität des Tieres oder der Pflanzenwelt. Gleichzeitig verbindet dich dieses Chakra (diese Qualität) mit der gesamten Qualität von Erde. Die Erde hat eine gewisse Schwingung und „Energiequalität“ – die sich natürlich auch entwickelt. Du bist über das Wurzelchakra mit der Energie der Erde verbunden. Die Energie der Erde ist u.a. die Qualität des Form-Annehmens.

Das Wurzelchakra ist am unteren Ende der Wirbelsäule. Wenn wir aufgerichtet sind, fließt Energie durch uns hindurch. Die Energie der Erde UND die Energie des „Himmels“. Deswegen ist das Thema der Aufrichtung nicht unbedeutend.

Das Wurzelchakra wird insbesondere durch den Muskel- (und Energie-) Verschluss der Beckenbodenmuskulatur aktiviert. Letztlich aber geht es natürlich nicht um irgendeine Muskel- oder Körperbewegung, sondern um diese besondere Qualität von Bewusstsein, die jedoch zugänglich wird, durch den Körper (die Form).

Die Rishikesh-Reihe legt also den Fokus auf die Ebene, die die Form belebt – nicht auf die Form selbst. Deswegen fangen wir mit dem Kopfstand an.

Im Alltag sind wir so vielen Eindrücken und Einflüssen ausgeliefert: Persönliche Sichtweisen, Recht-haben-wollen, die Idee, sich verteidigen oder schützen zu müssen,… all das ist ebenso an der Tagesordnung, wie das blinde Ausgeliefert-Sein an diese Haltegriffe und psychischen Muster.

Aus diesem Grund beginnt die Rishikesh-Reihe als erstes mit der Öffnung der Dimension, in der alles bereits voll ist: Reines, lebendiges Potential!

Die Dimension, die „über“ der Menschlichkeit Form annimmt, ist ebenfalls bewegt und hat durchaus unterschiedliche Formen. Jedoch gibt es Getrenntheit nicht auf die selbe Weise wie wir es menschlich erfahren. Demenstsprechend gibt es auch kein „gegen“ und keinen Grund das „Eigene“ darzustellen und vom anderen abzuheben. Es gibt keine Form von „Krieg“.

Menschliches Sein jedoch bewegt sich in der Dualität. Wir lernen den Unterschied zwischen „Krieg“ und „nicht Krieg“, also haben wir beides. Und deshalb sind wir verbunden mit dem „Himmel“ und der Erde.

Das Kronenchakra wird nun nicht alleine im Kopfstand aktiviert, sondern beispielsweise auch in der Meditation, bzw. ganz natürlich, wenn die „Zeit“ reif dafür ist. So gesehen ist keine einzige Asana nötig. Oftmals ist der Weg über den Körper jedoch ein hilfreicher, angenehmer oder irgendwie anziehender, um sich überhaupt bewusst wahrzunehmen und ein Gefühl für die unterschiedlichen Qualitäten von Bewusstsein zu entdecken.

Weiterhin kann die Energie des Kopfstandes sogar aktiviert werden, indem wir uns vorstellen, wie es sich (körperlich) anfühlt, in den Kopfstand hineinzugehen und in ihm zu SEIN. Wir arbeiten dann tatsächlich mit unserem Energiekörper, der dem physischen Körper wie einem Abbild gleicht.

Nach dem Kopfstand, folgt der Schulterstand, der die Kehle aktiviert. Die Kehle steht für den RAUM, so dass Form-Annehmen überhaupt möglich wird. Mit der Kehle entstehen also alle Richtungen. Diese beinhalten alle möglichen Formen. In diesem Sinne ist alles erlaubt! Alles dient der lebendigen Erforschung von Menschlichkeit!!! Egal wie angenehm oder unangenehm es auch erscheinen mag.

Sarvangasana (Schulterstand) heißt übersetzt: Die Stellung aller Teile! Die Stellung hilft dir ganz natürlich, all deine Teile anzuerkennen.

Der Pflug verstärkt diese Energie. Du ziehst dich wie eine Schnecke in dein Innerstes zurück.

Das Annehmen aller Teil ist der Ausdruck von reiner Liebe. Liebe urteilt nicht. Sie sieht völlig klar. Jede Form.

Das ist die Qualität, die im Herzraum Form annimmt. Die Asana, die diesen Bereich körperlich und energetisch anspricht, ist der Fisch – Matsyendrasana.

Es folgt die Vorbeuge, die (nach dem öffnen des Herzens) alle menschlichen Aspekte (alle Chakren) miteinander verbindet und bis zur Wurzel arbeitet. Die Vorbeuge ist wie eine Art „Kreis“ (Atemkreislauf).

Die Vorbeuge ist außerdem Ausdruck der Hingabe angesichts dieser unbeschreiblichen Ganzheit.

Nach der Vorbeuge kommt die Kobra, die bereits in der Dualität arbeitet. Einerseits verstärkt sie die Wurzel (Beckenboden-Mulabhanda), andererseits öffnet sie Herz und Geist.

Die Heuschrecke legt den Fokus auf die Wurzel. Jetzt sind wir auf der Erde angekommen.

Der Bogen verbindet – nachdem wir auf der Erde angekommen sind – erneut alle Chakren miteinander.

Im Drehsitz fließt die Energie schließlich von der Erde aus wieder nach oben. Gleichzeitg werden hier beide (körperlichen) Seiten (beide Pole – Dualität) miteinander verbunden…

Energetisch kann die Reihe hier aufhören.

Es gibt eine lustige Geschichte, die besagt, dass der Kopfstand ursprünglich am Ende der Übungsreihe – bzw. nach dem Drehsitz (Ardha Matsyendrasana ) – stand. Da aber einige Schüler, dieser doch etwas „herausfordernden Stellung“ entgehen wollten und den Unterricht gerne etwas früher verließen, wurde sie kurzerhand an den Anfang der Reihe gesetzt ;- )

Ich schreibe dies extra dazu, weil ich nicht glaube, dass es irgendeinen Sinn macht, auf irgendeine Erklärung zu bestehen!!! Letztlich geht es um NICHTS! In jedem Fall geht es nicht darum, dass du in einer bestimmten Reihenfolge übst, die Haltungen „richtig“ machst oder irgendeine bestimmte Erfahrung machst! Alle Erfahrungen dienen dir gleichermaßen. Auch die, dass egal welche tolle Erklärung du hörst, du trotzdem nur mit deinem Körper (und damit mit deinen Möglichkeiten und Grenzen) arbeiten kannst. Möglicherweise machst du also sehr lange einfach irgendwelche Basis-Haltungen, um Stabilität zu erlangen. Und möglicherweise kommen deine „tiefsten“ Erkenntnisse auch ganz unbahängig von irgendwelchen Yogahaltungen in deinem Alltag mit (oder ohne) Mann und Kind…

Verstehst du was ich meine?

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig inspirieren <3

Von Herzen

Verena

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