Folge deiner Wunde…

…und finde dein Leuchten!

Ich sitze gerade an den Vorbereitungen zu meinem 4-Tages-Retreat im Juni und bin dabei u.a. auf einen ganz wunderbaren Podcast von Ilan Stephani mit dem gleichnahmigen Titel (Folge deiner Wunde) gestoßen, den ich dir sehr gerne unter den Blog-Artikel verlinke.

Wunden, sind in der Regel Erfahrungen, die wir als derart schmerzhaft empfinden, dass wir uns nicht zutrauen, sie in ihrer ganzen Tiefe und Tragweite anzuschauen. Würden wir uns das nämlich getrauen, wären sie lediglich eine sehr (vielleicht sehr, sehr, sehr) schmerzhafte Erfahrung, die jedoch mit dem vollständigen lebendigen Erleben sozusagen „rund“ werden würde. Gemäß der Lebendigkeit würde sich auch diese (schmerzhafte) Erfahrung von Moment zu Moment weiter und weiter und weiter ent-wickeln. Das heißt, es würde nichts zurückbleiben. Es wäre Ganzheit. Vorher. In diesem Moment. Und nach diesem Augenblick. Ganzheit, die sich in diesem Moment so ausdrückt und in einem anderen Augenblick so.

Nun ist es so, dass wir als Menschen dieses Ganzheit in der Regel als etwas sehr persönliches erleben – und damit nicht mehr als Ganzheit 😉

Wir haben unser Leben unzählbar eingeteilt in dieses und jenes und vor allem in „richtig“ und „falsch“. Alles, was wir als „falsch“ verstehen, ist etwas, dass wir loswerden wollen. Daher können wir uns diesem auch nicht wirklich annähern (außer eventuell theoretisch), geschweige denn erfahrungsrelevant damit verschmelzen.

Nun ist es jedoch so, dass auch das künstliche Abtrennen von diesem Teil der Lebendigkeit eine enorme Kraftanstrengung bedeutet. Dies ist uns jedoch insofern nicht bewusst, als dass es uns augenscheinlich hilft, unser Leben gut zu organisieren und vermeintlich unter Kontrolle zu bekommen. Und genau das ist es, was wir als Minimum für uns wollen: Gut durchs Leben kommen!

Der Kontakt mit unserer Wunde (bzw. unseren Wunden, die möglicherweise alle am Ende in einer ganz bestimmten „Urwunde“ münden) schleudert uns im ersten Augenblick jedoch erst einmal aus diesem Funktionieren heraus. Wir müssen die Haltegriffe zwangsläufig loslassen und uns hineinbegeben in etwas, das uns einerseits sehr nah ist, das uns andererseits jedoch höllische Angst bereitet. Dieser andere abgetrennte Teil von uns enthält nämlich einerseits die fehlende Energie in sich, nach der wir so lange so verzweifelt im außen gesucht haben und andererseits erscheint dieser Teil jedoch als genau DAS, was wir auf gar, gar keinen Fall als zu uns zugehörig verstehen wollen.

Ich plädiere keineswegs dafür, sich auf die Suche nach irgendeiner Wunde zu begeben, wenn du das Gefühl hast, alles scheint am richtigen Ort zu sein und du fließt frei und neugierig mit dem Strom des Lebens. Aber wenn dem wirklich so wäre, würdest du vermutlich auch nicht einen solchen Artikel hier lesen.

Weiterhin geht es hier auch nicht um irgendeine Einteilung von Geschichten, die „groß“ genug sind, um „Wunde“ genannt zu werden oder eher klein genug, um getrost überschaut werden zu können. Vielmehr geht es darum, dass deine wunden Punkte, dich tagtäglich deine Leben organisieren lassen. Sie machen, dass du dich hier schützt und dort nicht hin schaust, dass du dort suchst und das versuchst zu vermeiden,…

…wäre es da nicht sinnvoll, allen Mut zusammen zu nehmen und sich ganz in DEINEM Tempo und ganz und gar auf DEINE ureigene Weise von deinen Wunden führen zu lassen?

Ich glaube, dass das Leben sich so oder so immer und ganz natürlich als eine „Heilungsreise“ gestaltet und das jede Wunde im Grunde eine Einladung ist, Lebendigkeit in seiner Ganzheit lebendig zu schauen. Nicht nur mit dem Kopf und nicht ausschließlich mit dem Körper und auch nicht ausschließlich durch das Fühlen, sondern in jedem dieser Bereiche. Deshalb erscheint menschliches Leben zeitlich. So erscheint es zuerst als dieses, dann als jenes. Und gerade durch diesen Wechsel bekommen wir einen spürbaren Geschmack von Lebendigkeit. Wir erleben gerade im Unterschied, im Hin- und Her zwischen diesem und jenem Erleben, was Liebe ist und was sie nicht ist. Bis dahin ist auch der Begriff von „Lebendigkeit“ nicht mehr als nur eine esoterisch Vorstellung.

Auf welche Weise du dich also von deiner Wunde führen lässt, ist äußerst individuell, so wie deine Wunde individuell ist.

Solange du jedoch im Lichtkegel deiner Bewusstheit suchst, drehst du dich im Kreis des bereits bekannten. Hier kann nur das erscheinen, was du bereits zu kennen glaubst.

Wenn du Zugang bekommen möchtest zu den Aspekten, die du so so sehr ablehnst, dass du deinen Blick bisher äußerst geschickt immer in die anderen Richtungen gelenkt hast, dann musst du dort hin schauen, wo du bisher nicht hingeschaut hast. Dort, wo du nicht weißt. Dort, wo du den Weg nicht kennst. Dort, wo nicht klar ist, was richtig ist und was nicht richtig ist. Dort, wo du bereits bist, „Fehler“ zu machen, durch diese zu lernen, jedoch ohne diesen Aspekt von Lebendigkeit einzuteilen in „fehlerhaft“ und ohne ihn von dir abzuspalten…

In welchen Aspekt von Lebendigkeit würdest du dich hineinbewegen – auch im Alltag, in deiner Sprache, in deinen Handlungen, in deinem ganzen Sein – wenn diese gigantische Wildheit in dir und um dich herum tatsächlich SEIN dürfte? Wenn du kämpfen dürftest, wenn dir danach ist? Wenn du NEIN sagen würdest, wenn du nein meinst. Wenn du ganz offen und ohne Schutz- und Anstandsschild zeigen würdest, was du fühlst? Wenn du tatsächlich da hingehen würdest, wozu du dich hingezogen fühlst? Wenn du tatsächlich tun würdest, was du am liebsten tun würdest? Und damit aufhören würdest, Dinge zu tun, die du so gar nicht tun willst?

Was würde passieren, wenn du sehen würdest, dass sich ein anderer Mensch (in seinem Tempo) traut, genaus das (in seinem Tempo) zu leben?

Ein sehr, sehr interessantes Untersuchungsfeld wie ich finde 🙂

Wer ein bisschen gemeinsam mit mir forschen möchte, hat u.a. im Juni-Retreat (Stiersbach, 74420 Oberrot) vom 20.-23. Juni 2019 eine wunderbare Gelegenheit dazu! Mehr Infos findest du unter:

http://www.teck-yoga.de/yoga_STILLE_RETREAT.html

Link zum Podcast von Ilan: https://www.youtube.com/watch?v=6vz2yJgReok

Von Herzen,

Verena

Vom Umgang mit physischen und emotionalen Schmerzen

Wenn wir (körperliche oder emotionale) Schmerzen fühlen, gehen wir in der Regel davon aus, dass wir irgendetwas „falsch“ gemacht haben – denn sonst würden wir uns ja „gut“ fühlen.

Was wäre, wenn der Schmerz tatsächlich eine „Tür“ für uns ist?

Eine „Tür“, die uns in eine „Dimension“ von uns selbst hineinführt: Raus aus der Ebene des Verstandes, hinein in die Ebene des Spürens.

Im Fühlen des Schmerzes gibt es keinen „Fehler“, auf den uns der Schmerz hinweist, so dass wir es in Zukunft „besser“ machen können oder sollen. Im Fühlen des Schmerzes ist einfach nur DAS, was gerade ist. Und dafür ist nicht einmal ein Wort nötig. Keine Geschichte von „ich habe dies und jenes gemacht (oder nicht gemacht) und deswegen habe ich jetzt diesen Schmerz“, sondern einfach nur DAS HIER – sogar die Idee von „Schmerz“ löst sich auf gewisse Weise auf, wenn wir uns einlassen auf DAS HIER.

Kannst du hören, dass das eine ganz andere Qualität ist?

Eine Qualität, die immer schon auch IN uns wohnt?

Hast du Lust, diese Qualität in dir zu ent-decken?

Dann höre auf, den (emotionalen und physischen) Schmerz als deinen Feind zu betrachten. Höre auf, dir selbst eine Geschichte über den Schmerz zu erzählen und lass dich statt dessen von ihm führen – hinein in die Lebendigkeit DIESES Augenblicks, die natürlich AUCH im Schmerz liegt. Und da der Schmerz ganz natürlich all deine Aufmerksamkeit anzieht, ist er ein perfekter „Wegweiser“ hinein ins JETZT.

Hast du schon Erfahrungen gemacht mit den kleinen „Knubbeln“, die sich manchmal im Bereich des Schultergürtels bilden? In der Regel fühlen wir sie gar nicht. Wir haben gelernt mit ihnen zu leben. Aber wenn wir jetzt auf einmal eine wohltuende Massage bekommen oder aber ein paar ungewohnte Körperübungen machen, dann spüren wir unseren Körper plötzlich am nächsten Tag auf eine ganz neue – und manchmal schmerzhafte – Weise.

Warum?

Haben wir uns nicht eigentlich etwas „Gutes“ getan?

Sollten wir also lieber in den alten Mustern bleiben? So viel Sport, Yoga, gesunde Ernährung, Massagen und Sauna können wir ja gar nicht machen, dass sich alles einfach nur kraftvoll und entspannt im Gleichgewicht anfühlt – oder?

Stimmt! Und zusätzlich besteht gerade das menschliche Dasein aus dem Spiel der Dualität (wie uns schon der Atem anzeigt). Das heißt, es gibt dieses überirdische Ziel überhaupt gar nicht!!! Wir SOLLEN menschlich sein. Und zum menschlich-Sein gehört Bewegung! Die Bewegung zwischen angenehm und unangenehm… In der Regel ist es sogar so, dass wir einen „gesunden“ Körper erst dann bewusst wahrnehmen und zu schätzen wissen, wenn wir kurz zuvor mit seiner Zerbrechlichkeit konfrontiert wurden!

Wir dürfen also durchaus die Zerbrechlichkeit des Körpers spüren. Ebenso emotionale Schmerzen. Im Spüren dessen kommen wir nämlich erst zu unserer GANZHEIT!

Weiterhin ist es ganz normal, dass wenn wir anfangen, alte Muster zu verändern (seien das nun Gewohnheiten der Ernährung, Gewohnheiten des Denkens, Gewohnheiten der Bewegung oder nicht-Bewegung), sich alles neu ordnen muss. In diesem Prozess der Neuordnung gibt es eine natürliche Phase des „Durcheinanders“. So als würdest du einen vollgestopften Dachboden oder Keller ausräumen. Wenn du damit anfängst, vergrößert sich das Chaos in der Regel zuerst scheinbar und es dauert eine ganze Weile bis alles, was du behalten möchtest einen neuen Platz gefunden hat und alles, was du loswerden willst, dort angekommen ist, wo du es auch wirklich abgeben kannst (an Freunde und Verwandte, in die Kleiderkiste, Geschenkeläden, Flohmarkt, Sondermüll,…)

Verstehst du?

Erlaubst du dir die Phase des Neu-Sortierens?

Oder muss deiner Meinung nach alles viel schneller gehen?

Wohin willst du denn ankommen?

Musst du dahin wirklich rennen? Oder ist das nicht vielleicht das alte Muster?

Ist diese neue Richtung insgesamt zwar gut, aber dieses eine Mal war es nun wirklich „falsch“ und viel zu viel – deshalb auch diesmal dieser Schmerz!

Stimmt das wirklich?

Ist dieser Schmerz hier also wirklich, wirklich FALSCH???

Welcher Schmerz schadet, dir wirklich?

Welche Stimmer sagt dir ganz klar, was wahr ist?

Ist das nicht eine lohnenswerte Reise, die du da gerade beschreitest?

Von Herzen

Verena

Was bleibt absolut „heil“, wenn…

…unser „Ich-Gedanke“ (unsere Egostruktur) sich tief verletzt fühlt,

angegriffen,

unsicher,

missverstanden,

überfordert,

gestresst,

wutentbrand,

hilflos,

… ?

Das, was in all diesen Situationen, in all diesen lebendigen Formen, völlig heil und rein bleibt, ist nicht nur eine Idee oder ein Konzept, an dem wir uns festhalten können. Es ist etwas, dass wir alle in uns selbst lebendig ent-decken können.

Vermutlich kennt ihr es bereits!

Es war schon da, als ihr ein kleiner Säugling wart. Damals hatte ihr noch keinen Abschluss, keinen Beruf, nichts geleistet, keinen Besitz, um den ihr hättet kämpfen oder streiten können. Ihr hattet noch nicht einmal Worte oder irgendein gedankliches Verstehen. Ihr wart einfach da. Unschuldig. Dieser Körper war da und bestimmte „Eigenheiten“ und Leben entfaltete sich…

In jenen Momenten war dieses „Heilsein“ (dein „Strahlen“) bereits absolut vollkommen  –  denn es ist nichts, was du erst erreichen oder TUN musst. Du musst es nicht mal erkennen! Es ist einfach deine natürliche Natur 🙂

In unserem Alltag, in dem es SCHEINBAR oft darum geht, etwas „gut“ hinzubekommen, gut zu organisieren oder zu verstehen, wird diese „heile“ Qualität oft übersehen.

Das ist kein Problem. Es ist einfach so, weil unser Fokus woanders liegt.

Wenn wir möchten (also wenn wir uns davon angezogen fühlen), können wir unseren Fokus jedoch auch immer mal wieder auf diese Qualität legen.

Tun wir das lediglich gedanklich, haben wir meist das Gefühl, uns fehle etwas. Da ist dann oft so ein (subtiles) Unbefriedigtsein. So als könnten wir da nicht wirklich ankommen. Es scheint immer so, als wäre die Idee der Vollkommenheit zu groß. Gedanklich und theoretisch und auch wenn wir versuchen, UNS zu vergleichen, mit unserer Vorstellung von „reinem Bewusstsein“, bekommen wir das nie wirklich zusammen…

Das, was wir SIND, ist eine Qualität des SEINS, nicht (in erster Linie) des Wissens.

Wenn wir jedoch ganz spielerisch, erforschend unsere eigene Weise ent-decken, wie wir dies lebendig geschehen lassen: Uns dieser Qualität in uns zuzuwenden –  dann passiert meistens etwas wunderschönes:

Das gesamte Nervensystem fängt an zu entspannen!

…wir beginnen uns lebendig zu fühlen. Und verspüren LUST, genau das zu machen, was uns Freude macht.

…wir kommen in Kontakt mit unserer „Seele“.

…Die Bereiche in uns, die bis eben noch ängstlich, verschlossen waren, beginnen sich zu „öffnen“

…und die eine oder andere (Egostruktur-) Wunde (die Idee, dass wir nicht gut genug sein könnten, nicht schnell genug lernen, nicht stark genug sind oder nicht zart genug), beginnt in ihrem eigenen Tempo langsam zu heilen.

Es gibt Orte, Situationen, Worte, Bücher oder Menschen, die uns hier und da erinnern, unseren Blick auf dieses „innere Licht“ fallen zu lassen. Ich für meinen Teil liebe es, diese Orte aufzusuchen, diesen Worten zu lauschen oder mir Zeit und Raum zu nehmen, diese innere Qualität zu genießen!

Yoga ist (für mich) einer dieser „Räume“.

Am Samstag, den 29.09. (Retreat-Samstag in Kirchheim/Teck) werden wir uns gemeinsam auf die Spur nach dieser „heilen Qualität“ in uns machen. Ich möchte euch dazu die Geschichte vom Krieger Arjuna erzählen, der sich unglücklicherweise mitten auf dem Schlachtfeld gegen seine eigene Verwandschaft stellen soll. In diesem Konflikt (Soll ich kämpfen? Soll ich nicht kämpfen? Soll ich wirklich meine Brüder töten? Wofür soll ich kämpfen? Ist Kämpfen etwas schlechtes? Was soll ich tun? Was ist richtig? Gibt es ein „richtig“? Kann ich auch „nichts“ tun? Wer tut hier überhaupt irgendetwas?) wendet er sich an Gott (Krishna) und es ergibt sich ein Zwiegespräch.

Natürlich werden wir nicht die gesamte Bhagavad-Gita lesen, sondern nur einen kleinen Ausschnitt, der euch inspirieren soll. Ich werde diese Zeilen direkt auf unseren Alltag beziehen. Es wird Zeit für Fragen und Austausch geben und natürlich Zeit für stille Meditation und Asanas.

Nach den letzten (vorbereitenden) Retreat-Samstagen, wird es nun zum Jahresende hin intensiver werden, denn der Herbst läd ganz natürlich zur Innenkehr ein:  Was berührt mich wirklich?

Das, was ich mit „Intensivität“ meine, ist jedoch durchaus für alle Körper geeignet und eher eine „innere“ Qualität.  Es gibt genug Flexibilität für alle Bedürfnisse.

Ich würde mich sehr freuen, wenn noch einige von euch dazustoßen und sich – wenn möglich – bis zum 15.09. fest anmelden.

Von Herzen

Verena

Was will das Leben – und was wollen „wir“?

Manchmal kann man ganz deutlich spüren, dass es da einen Unterschied zu geben scheint, zwischen dem, was ich meine zu brauchen oder zu wollen und dem, was das Leben in diesem Moment gerade gestalten möchte.

Manchmal scheint es so, als würde einem das Leben einen Strich durch die Rechnung machen, weil man selbst oder die Kinder unerwartet krank werden, weil wie aus dem Nichts auf einmal irgend ein Brief ins Haus flattert oder eine Nachricht eintrifft, die uns vor Herausforderungen stellt, die bis eben noch undenkbar und nicht mal ansatzweise auf unserem Schirm waren. Oder wir befinden uns in einer Art Zwick-Mühle zwischen zwei Richtungen, die wir einschlagen könnten. Wir sind hin- und hergerissen zwischen eigenen Bedürfnissen und denen eines anderen,…

Oft sind es aber gar nicht diese „äußeren“ zwei Seiten, sondern das bewusste Denken, Streben und Erkennen auf der einen Seite und auf der anderen, die natürliche Bewegung des Lebens, die einfach passiert. Und zwar völlig egal, ob wir damit gerade einverstanden sind oder innerlich rebellieren und alles fürchterlich gemein oder gar lebensbedrohlich schrecklich finden.

Als ich heute morgen aufwachte und der Tag noch im Dunkeln lag, war da wie so oft ein langsames hinübergleiten aus der Energie des Schlafes ins Tagesbewusstsein. Alle möglichen Gedanken und Gefühle schossen auf mich ein und ich konnte sehen, wie ich mit diesen mehr oder weniger mitgehen konnte.

Manchmal lassen wir uns völlig hineinziehen in die eine oder andere Geschichte und manchmal betrachten wir sie eher mit Abstand. Und manchmal ist es uns sogar möglich, wo ganz anders „hinzugehen“:

Eigentlich ist dieses ANDERE jedoch das genaue Gegenteil von „Gehen“, denn ich spreche von der Qualität, die lebendig pulsiert, aber nicht unbedingt Form annehmen muss in irgend einem Gedanken oder einer Emotion. Also noch „bevor“ die Qualität, die wir „Ich“ nennen, sich irgendwo verorten muss, Stellung beziehen muss, Strategien entwickeln muss, um zu bestehen 😉

Ich spreche von dem SEIN selbst, was natürlich auch IN all den Geschichten aktiv ist. Bloß dass wir – wenn wir in der Geschichte, dem Problem, der Frage, etc. – verstrickt sind, eben Dualität erleben. Hier erleben wir Trennung: Gut und Schlecht, Richtig und Falsch, Gesund und Krank, Ja oder Nein,…

„Unten drunter“ aber ist pulsierende Lebendigkeit, die diese Gegensätze nicht kennt und daher immer ganz und vollkommen ist. Hier wird nichts benötigt. Keine Antwort, keine Strategie, kein Ankommen irgendwo.

Und trotzdem passiert das normale Leben. Wir stehen auf, fühlen uns vielleicht matt und erschlagen oder hellwach. Wir gehen auf die Toilette, machen Frühstück, tun, was zu tun ist. Wir hören zu oder nicht, antworten oder sind still. Wir nehmen dieses oder jenes wahr. Leben passiert. Und „lernen“ passiert.

Und dabei können wir uns eben mehr oder weniger im Erleben von Trennung befinden 😉

 

Also ganz ehrlich: Ich liebe auch Gedanken!

Und ich finde sie immer wieder wunderbar interessant, manchmal sogar echt erstaunlich. Und ab und zu eröffnen sie mir tatsächlich einen ganz neuen Blick auf etwas und das erfüllt mich oft auch mit tiefer Dankbarkeit oder einfach mit Freude. Gedanken sind weder gut noch schlecht. Und dennoch gibt es diese Qualität, die uns ganz furchtbar eng macht und uns manchmal mitreist wie ein wilder Strudel… …und wenn uns die Qualität der „Weite“ nicht so vertraut ist und sie daher als „Option“ gar nicht auf den Tisch kommt, müssen wir so lange mit dem Strudel mitgehen, bis er sich von alleine ausgespielt hat.

Wenn wir die Qualität der „Weite“, „Stille“ ein bisschen kennen, dann kommt diese uns oft vor, wie ein Sprung ins Unbekannte. Ich meine, wir lassen all diese altbekannten, sicheren und auch liebgewonnen (wenn auch schmerzhaften) Gedanken und Konzepte los und springen in diese GANZ ANDERE Qualität. Eine Qualität in der sich das „Ich“ nicht halten kann. Hier hat es nichts, was es erzählen könnte. Keine Gründe, keine Wünsche, keine Rechtfertigungen, keine Ziele. Und dennoch bewegt sich das Leben. Es bewegt sich natürlich…

Wenn wir mit dieser Natürlichkeit in Kontakt kommen wollen, müssen wir weich werden. Es erfordert den Mut, verwundbar zu sein und hilflos. Interessanterweise entpuppt sich jene Hilflosigkeit dann als sehr, sehr sanftmütig. Sie fängt uns auf, wenn wir erkennen, dass es keinen Boden gibt, auf dem wir aufgefangen werden könnten <3

 

Liebe schadet der Liebe nicht – oder der Umgang mit „Arsch-Engeln“

Den Ausdruck „Arschengel“ hab ich zum ersten Mal im letzten Sommer während eines Familien-Urlaubs von einer Freundin gehört. Er stammt wohl vom Robert Betz und bezeichnet genau die Menschen, die unsere „Knöpfe“ drücken. Menschen, die uns besonders herausfordern, nerven, verletzten, belügen, betrügen,… was auch immer. Menschen, die etwas in uns auslösen und zwar unsere verletzliche Seite. Und genau darin liegt ihr Fluch – aber auch ihr Segen. Denn durch ihr SEIN, bringen sie uns mit etwas in Kontakt: Mit unserer eigenen Lebendigkeit.

Oft sind sie wie eine Art Schlüssel. Sie öffnen eine Tür, die es uns ermöglicht uns selbst näher zu kommen.

Oder aber:  Zuerst einmal (scheinbar) gegen den anderen (und gleichzeitig aber immer auch GEGEN uns selbst) zu kämpfen.

Soweit ich mich erinnere, schlägt Robert Betz vor, genau nachzuschauen: Welche Wunde berührt dieser Mensch (diese Situation) in mir? Und dann (statt mit dem anderen Menschen ins Gericht zu gehen), sich genau dieser Wunde zu widmen.

Wie können „Wunden“ heilen?

Sie heilen nicht, indem wir erkennen, wie sehr jemand anders vermeintlich daran beteiligt war, dass es diese Wunder überhaupt gibt. Also nicht indem wir den „Schuldigen“ suchen. Auch nicht, indem wir uns selbst die „Schuld“ für etwas geben, das wir getan oder eben nicht getan haben.

Oft ist ein erster „Schritt“ durchaus ein klares Erkennen verschiedener Zusammenhänge und (schmerzhaften) Realitäten. Aber um „Frieden“ zu schließen und neue Kraft, folgt immer ein „warmes“, „wohlwollendes“, „anerkennendes“ JA! dass durchaus „tiefer“ und „feiner“ ist als logische Gedankenformen.

Ein JA! dass nichts will, muss oder sollte. Ein JA! dass nichts bereut, dass nicht alles verstehen muss und dass auch keine Meinung fordert.

Es ist vielmehr eine JA! des unendlichen Raumes, der Weite und der Tiefe. Ein JA! zum Leben selbst.

In einer der „Weihnachtsferien-Yogastunden“ (in Kirchheim/Teck) habe ich über den Umgang mit Feinden gesprochen. Also eigentlich habe ich vorgelesen aus einem Buch, in dem es u.a. um den Umgang mit diesen schwierigen Situationen/Menschen geht, die wir als „feindlich“ empfinden.

Warum empfinden wir manches als feindlich?

Weil es das, was wir als ICH begreifen, anzugreifen scheint: Meine Meinung, meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Geheimnisse, meine Wunden.

Das alles wollen wir schützen, denn wir meinen, dass dies nötig ist, denn manchmal fehlt es uns an Vertrauen.

Die Zeilen, die ich gelesen habe, schlagen einen anderen Umgang mit diesen Situationen vor und diesen möchte ich gerne mit euch teilen:

Wenn du selbst entdecken möchtest (also lebendig ent-decken – nicht nur theoretisch begreifen), dass du selbst LIEBE BIST (und Liebe kein äußeres Gut, dass du tun/machen könntest), dann gibt es ein ganz einfaches Experiment: Liebe deine Feinde!

„Angesichts deiner Feinde kannst du dir sicher sein, dass alle Liebe, derer du fähig bist, nicht durch äußere Faktoren ausgelöst wird. Du liebst deinen Gegener nicht wegen seiner Freundlichkeit, seiner zugewandten Art oder weil du dir davon einen Gewinn versprichst. Angesichts deiner Feinde erkennst du, dass du Liebe bist – und auch die Quelle deiner Liebe. Das ist der wesentliche Grund, weshalb ich dich auffordere deine Feinde zu lieben. Nicht damit du schwach oder passiv dich ausnutzen lässt, nicht um deinem Gegener den Vorteil zu überlassen, sondern um zu begreifen, dass du Liebe bist. Mit dieser Erkenntnis übernimmst du das Kommando.

Keine äußeren Dinge können dich lehren, wer du wirklich bist. Doch so lange du glaubst, dass sie das könnten, wirst du immer die äußere Welt um Erlaubnis für deine Existenz bitten. Diese Zwangsvorstellung ist dein wahrer Feind.“

Liebe ist die Essenz deines wahren Seins. Sie ist nichts, was du tust oder lässt, gibst oder nicht gibst, empfängst oder nicht empfängst. Sie ist keine Ware oder Substanz, die gewonnen werden kann. Liebe unterliegt nicht den Gesetzen von Fülle und Mangel. Sie ist das, was du BIST.

Aus diesem Grund ist Liebe bedingungslos.

Sie ist bedingungslos, weil sie dein Ursprung ist, dein SEIN, nicht etwas, das bedingunglos getan wird! Jedes Tun ist gewissermaßen bedingt, denn die Existenz hat Bedingungen und Beziehungen daher auch. Wenn Liebe tatsächlich nur aus Tun bestünde, könnte wir dem nicht entgehen.

Die Liebe steht oben. Sie versetzt den Geist in Schwingung und „gebietet“ den Urteilchen. Daraus ist die gesamte Schöpfung entstanden.

Der Geist schwingt entsprechend „unserer“ Liebe. Wie ein See voller Fische: Jeder Fisch versetzt das Wasser auf unterschiedliche Weise in Schwingung. Genauso versetzt deine Liebe den Geist auf einzigartige Weise in Schwingung. Keine Liebe fühlt sich genauso an wie die deiner Mutter. Die Liebe jedes Menschen fühlt sich einzigartig an. So reagiert der Geist und würdigt jedermanns einzigartigen Ausdruck. In jedem Augenblick.

Die „Urteilchen“ sind die „Bausteine“ der komplexen Existenz. Es gibt viele dieser  Teilchen zwischen dir und deinem Gegenüber. Wer setzt sie in Schwingung? Und in welche?

Wenn du mitten in einem Sturm stehst – und dabei ist es egal, ob der Sturm ein Gefühlssturm, eine Streitsituation oder eine Naturgewalt ist – wenn du mitten in einem Sturm stehst, und du glaubst, dich schützen und verteidigen zu müssen, vor diesem gewaltigen „Gegner“, könntest du die Schönheit des Sturms entdecken. Erkenne die Kräfte, die ihn ausmachen. Liebe ihn bis in seinen tiefsten Kern hinein. Finde das, was ihn bedingt, bis du eins mit ihm bist. Je nachdem wie sicher du dir bist, können verschiedenen Dinge geschehen. Der Sturm könnte sich einfach in Luft auflösen oder in einen sanften Regen verwandeln. Vielleicht würde er auch einfach den Kurs ändern. Zumindest würde er dir nicht schaden, denn Liebe schadet der Liebe nicht!

(Wenn du aber vergessen hast, dass du Liebe bist und für einen Moment fälschlicherweise glaubst, du seist geringeres als das, was wird dann passieren? Du wirst das Bedürfnis haben, dich zu schützen. Du wirst dich verteidigen und so handeln, als wäre das wirklich nötig. Und genau das wirst du erfahren: Denn die Liebe ist unendlich und lässt dich JEDE Erfahrung machen. Also auch die von Krieg, Macht und Kontrolle.)

Was fühlt sich besser an? Was wählst du?

Atmen – Bewegung zwischen zwei Extremen

Der Atem steht für die sich ständig in Bewegung befindende Lebendigkeit „in“ uns. Er zeigt uns die beiden Qualitäten an zwischen denen unser Leben sich bewegt und Form annimmt:

Das Geben und das Nehmen.

Aktives Tun und passives Geschehen lassen.

Diese Qualitäten werden im Yoga deutlich, durch aktives Auf- und Ausrichten (wobei uns der Einatem unterstützt) – und durch ein „Sich-Einlassen“ auf die Haltung (wobei uns der Ausatem unterstützt).

Der Ausatem länd uns ein, „weich“ zu werden und da loszulassen wo gerade keine Spannung oder Kontrolle benötigt wird. Auch die Entspannung nach einer aktiven Haltung oder Sequenz ist Teil dieser Qualität.

Wenn wir eine Haltung länger halten und der Atem weiterfließt, bemerken wir wie immer beide Qualitäten zusammenarbeiten, denn oft wird beides benötigt.

Wir bemerken auch wie uns die eine Qualität möglicherweise etwas leichter fällt als die andere – in dieser bestimmten Haltung – oder heute, gerade jetzt.

Haltungen nehmen wir nicht nur im Yoga ein. Wir ver-halten uns im Alltag ständig: Wir nehmen eine bestimmte Haltung ein wenn es turbulent, ungeplant und hektisch zu geht, wenn wir mit etwas Unangenehmen konfrontiert werden, wenn uns etwas berührt, wenn wir uns zu etwas hingezogen fühlen,…

Wir nehmen körperlich eine bestimmte Haltung ein.

Und wir nehmen geistig-emotional eine bestimmte Haltung ein.

So wie der Tag auf die Nacht folgt, folgt der Ausatmen auf das Einatmen. Das bedeutet Leben. Um ausatmen zu können, müssen wir zuvor eingeatmet haben. Und es muss Platz, Leere, Raum da sein, um überhaupt einatmen zu können. Auf gewisse Weise fordert also das Verstärken des Einen auch eine Verstärkung des Anderen. Denn natürlicherweise lassen wir nach einer kraftvollen Yoga-Haltung oder Übungssequenz los. Unser Körper und unser Geist fällt von alleine so weit in Enstpannung, wie es in diesem System „Sinn“ macht. Das ist EIN Grund, warum uns Yoga so gut tut. Aber auch im Alltag wollen wir nach einem arbeitsreichen Tag automatisch abschalten und loslassen. Oder wir werden krank, wenn wir uns zu lange ÜBER-anstrengt haben.

Dabei ist das Eine dann nicht wirklich „besser“ oder „schlechter“ als das Andere – auch wenn die Extreme ab und zu sehr stark hin- und herschwanken. Es sind einfach zwei Qualitäten zwischen denen Leben passiert. Es ist eine natürliche Bewegung INNERHALB der wir lernen – und Lebendigkeit lebendig begreifen (nicht nur mental).

Leben passiert auch zwischen der Qualität der „Enge“ und „Weite“. Manchmal fühlen wir uns steif, unbeweglich und eng. Jeder Gedanke scheint absolut wahr und unbeweglich zu sein. Manchmal sind wir wie gefangen in negativen Ich-Gedanken. Und manchmal fühlen wir uns weit und gelöst, eher „raumhaft“, sehr lebendig und „verbunden“ mit der Bewegung des Lebens selbst.

 

Der Atem berührt aber noch zwei weitere Qualitäten:

Bewusstheit und Unbewusstheit.

Denn er fließt auch ohne dass wir uns seiner bewusst sein müssen. Aber er reagiert auf unsere inneren Bewegungen, d.h. er wird automatisch flacher, feiner, länger oder tiefer oder wir halten ihn sogar an.

Dann können wir den Atem aber auch bewusst anhalten oder verlängern.

Die Arbeit mit dem Atem ist feiner als die körperliche Arbeit. Sie berührt im gewissen Sinne unser BEWUSST-Sein. Also DIE Qualität, in der all diese verschiedenen Formen (Enge und Weite, Kraft und Kraftlosigkeit, Geräusche und Stille,…) auftauchen.

(bewusst-)SEIN ist das, was in allem gleich bleibt!

Wenn wir in der Atem-Arbeit, den Atem anhalten, kann uns das mit einer Art Panik und Todesangst konfrontieren, es kann uns aber auch ganz „still“ und „lauschend“ werden lassen und uns mit unserer Essenz verbinden,…

Das Beobachten und Experimentieren mit dem Atem, lässt uns eine Menge über uns herausfinden 🙂

Hier findest du online ein Video von mir, mit der du spielerisch experimentieren kannst:

 

Was ist eigentlich erfüllend?

Möglicherweise fällt uns dazu direkt eine Antwort ein:

Zeit haben, zum Genießen – zum Beispiel!

Augenblicke mit Menschen, die uns berühren.

Ein nahrhaftes Essen.

Entspannt und ausgeruht aufzustehen,…

Egal, welche Antwort wir uns auch auf diese Frage geben mögen, oft taucht gleichzeitig damit auch diese Frage auf: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich (öfter) erfüllt – oder er-fühlt – bin?

Wie kann ich Fülle fühlen?

Oder: Was kann ICH tun, damit diese Fülle für mich möglichst oft spürbar wird?

 

Ich möchte euch dazu gerne folgende Gedanken mit auf dem Weg geben:

In der Regel ist es unmöglich, alles „unter Kontrolle“ zu haben. Gerade im Zusammenspiel mit Anderen kann immer irgendetwas Unerwartetes passieren, das unsere Pläne über den Haufen wirft. Was wir aber immer dabei haben sind: wir SELBST!

Jedoch können wir auch uns selbst unmöglich komplett „in der Hand haben“. Und das hieße ja auch, dass wir irgendwo in 2 geteilt wären: So als ob irgendein Teil vom anderen abgekoppelt, diesen beobachtet und dann kontrollieren könnte. Zumindest in meiner Wahrnehmung fühlt sich das NICHT voll und komplett an. Also so gar nicht nach er-FÜLL-ung.

Und wenn wir genau hingucken: Sind wir am Ende nicht auch einfach ein „Produkt“ einer endlosen Geschichte: nämlich all unserer Erfahrungen 😉

Handeln wir nicht irgendwie „automatisch“ entsprechend unserer Ideen, die sich im Laufe der Zeit, aufgrund der Kultur und Geschichte, in der wir leben und aufgrund unserer eigenen Erfahrungen gebildet haben? D.h. wir würden anders denken, anders sehen, anders verstehen und anders handeln in dem Maße in dem irgendetwas irgendwie anders passiert wäre…

…je nachdem welche „Form“ wir also haben, haben wir bestimmte „Trigger“. Da muss also irgendeine beliebe Situation für uns in einer für uns bestimmten Weise erscheinen und SCHWUPS wird zum Beispiel in irgendeinem Panik-Programm. Und das läuft dann erstmal einfach so ab.

Das gleiche passiert natürlich auch bei allen anderen um uns herum.

Und das passiert mit unserer Affinität zu Ehrgeiz, Ordnung, Essen, Ehrlichkeit,…   …was auch immer.

Wir können also ganz sicher nicht immer völlig unabhängig und klar sehen! Und wir können ganz sicher nicht triggerlos durch die Welt maschieren. EGAL wie lange wir bereits Yoga machen oder meditieren!

Aber die Erkenntnis, dass das völlig „normal“ ist, lässt Mitgefühl und Offenheit uns selbst gegenüber ganz natürlich wachsen. Das heißt nicht, dass uns das immer bewusst ist. Es ist wie das Laufen-Lernen von kleinen Kindern: Es passiert ganz automatisch und es passiert in einem ganz individuellen Rythmus UND es passiert vor allem auch dann, wenn wir fallen.

Im Grunde ist FÜLLE immer da.

Sie wartet nur darauf, von uns als bereits VOLL wahrgenommen zu werden.

Durch irgendwelche Umstände, sind wir meist auf die sogenannten Fehler fokussiert. Dabei steckt Fülle auch IN all unsere „Fehlern“.

Sie ist in jedem Moment der Müdigkeit und in jedem Moment der Unaufmerksamkeit enthalten.

In jedem Moment der Auseinandersetzung und in jedem Moment der Stille ist Fülle.

Wenn wir in diesem Augenblick aufhören zu suchen und statt dessen einfach „genießen“ (oder einfach LEBEN) was IST, können wir dies vielleicht erahnen.

Viel Spaß beim Experimentieren!

Von Herzen

Verena

 

Die Süße des Lebens…

So sah heute Morgen das Frühstück meiner Tochter aus 🙂

Manchmal können wir uns das Leben „süß“ machen…

…also wenn wir uns erinnern, dass das geht und wir gerade in der richtigen Stimmung dafür sind 😉

Mir ist letztens was zum Thema „Fülle“ eingefallen und ich finde, das passt an dieser Stelle ganz gut:

Wenn wir uns voll(-ständig) fühlen. Also wenn es sich irgendwie „rund“ anfühlt, wenn alles „okay“ ist… Wenn wir menschlich sein dürfen, wenn wir „Fehler“ machen dürfen und wenn wir auch bereit sind, den Schmerz, der oft mit diesen „Fehlern“ einhergeht, zu fühlen. Wenn wir bereit sind, uns zu verzeihen – und dem anderen. Wenn wir bereit sind, unsere ganze Schönheit zu sehen, die nämlich in der ganzen unfassbaren „Tiefe“ von Menschlichkeit offen da liegt, DANN ist da FÜLLE!

Wenn da Fülle ist, zeigt sich die Qualität von Liebe.

Und wenn da Fülle ist, dann passiert ganz natürlich ein müheloses, leichtes, einfaches Verschenken und Teilen dieser Fülle. Es sprudelt einfach so aus uns heraus. In unseren Worten, Gesten und Taten.

Die eine mag beginnen etwas ganz zauberhaftes zu erschaffen. Das kann ein „Kunstwerk“ sein oder vielleicht wird ein Garten angelegt, ein Projekt nimmt Gestalt an oder ein Kuchen wird gebacken.

Jemand anderes beginnt ganz offen zuzuhören. Einfach zu lauschen, ohne etwas vom Erzählenden zu wollen. Ohne zu bewerten oder einzuordnen.

Da ist ein Strahlen in den Augen.

Alles, was wir sehen und hören ist beseelt von dieser Fülle und wir fangen an, mit vollen Händen großzügig zu geben.

Das ist so natürlich wie der Atem.

Ist die Lunge voll, fließt sie „über“ und ergießt sich in die Weite des Lebens hinein.

 

Genauso aber ist es mit der Leere.

Wenn wir uns „leer“ fühlen, dann können wir nicht geben. Wir fühlen uns bedürftig und sehen über all diesen Mangel. Dann fangen wir an zu suchen und zu horten. Wir wollen mehr und mehr. Mehr Bestätigung, mehr Aufmerksamkeit, mehr Zeit, mehr Geld, mehr… …was auch immer. Und es scheint nie genug zu sein.

Kein Wort dieser Welt kann das ändern. Wenn „Mangel“ da zu sein scheint, ist da die Dynamik des Mangels.

Aber manchmal – auf „mystische“ Weise – werden wir uns ganz urplötzlich durch irgendeinen „Zu-Fall“ (wieder) der Fülle bewusst, die eigentlich schon die ganze Zeit auf uns gewartet hat. Die Fülle, die uns die ganze Zeit über gehalten hat – selbst in der Zeit, in der wir uns „leer“ gefühlt haben.

Was wärst du ohne deine Geschichte (Teil 2)

Was wäre, wenn wir den Gedanken über uns nicht glauben würden?

Wenn wir diese Idee, dass es uns auch anders – besser – gehen könnte, wenn nur dies oder jenes bereits erledigt wäre, wenn wir dies oder jenes nicht zu tun hätten oder diese oder jenes nicht erleben müssten,… wenn wir diese Ideen nicht zu 100% glauben würden, um darauf unsere Alltagsstrategien anzuwenden, was bliebe dann übrig?

Tatsache ist, wenn wir morgens aufstehen und nicht gleich beurteilen, wie die Nacht so war, ob ich ausgeschlafen bin oder nicht und ob die Dinge, die heute anstehen, schwierig oder anstrengend werden könnten,…

…wenn wir einfach Einatmen. Das, was da ist, da sein lassen. Ausatmen und das, was möglich ist, weiterziehen und sich verändern, sich entwickeln lassen,…

…wenn wir einfach irgendwann aufstehen und machen, was wir halt so machen, OHNE die Idee, dass wir es ANDERS machen sollten.

…wenn wir anfangen, diesen Augenblick zu GENIEßEN, so wie er ist.

(Meinetwegen mit einem müden Körper, einer Erkältung, einem bevorstehenden Familienfest, das zu organisieren wäre, oder einem Tag, an dem mir langweilig werden könnte, ich mich einsam fühlen könnte…)

Wenn wir uns nicht ständig unsere Geschichte im Kopf erzählen, was bleibt dann übrig?

Dann ist da einfach dieser lebendige Moment!

Und wenn wir ehrlich sind, also wenn wir diesen Moment nicht erdenken, sondern ihn LEBEN, dann ist dieser doch…

… ja unbeschreiblich!

Er ist eben NICHT so, wie in unserer Vorstellung!

Er ist nämlich überhaupt nicht einordbar in „gut“ oder „schlecht“.

Dieser Moment jetzt, ist der beschreibbar? Tatsächlich faßbar?

Oder ist der nicht irgendwie so bewegt… ohne richtigen Anfang, ohne richtiges Ende, keine richtige, feste Form und keine absolute Interpretation…?

Diese Dinge (eine klare Definition) gibt es nur, wenn wir ausschließlich durch die Gedanken begreifen und in diesen „leben“.

Wenn wir aber ALLE menschlichen Aspekte leben: Einfaches Spüren, einfaches Sehen, Hören, Fühlen und die Gedanken nicht der absolute Fokus sind, dann öffnet sich eine Tür im Hamsterrad.

Eine Tür, die genau HIER her führt!

Und da wartet Leben auf dich!

Leben, das weder gut noch schlecht ist – sondern in sich rund und vollständig! Und zwar genau so wie es ist. Genau so wie es sich von Moment zu Moment weiter und weiter bewegt, ganz von alleine.

Was wärst du ohne deine Geschichte?

Was bliebe übrig, wenn du nichts über dich wüsstest?

Wenn du dir (oder einer anderen Person) nicht erzählen würdest in welcher „Situation“ du dich gerade befindest, was alles schon passiert ist und was gerade ansteht. Was bliebe übrig?

Wie würde sich dieser Moment anfühlen ohne die Idee, dass jetzt noch das und das erledigt werden muss und danach dann das…?

Wie würde sich dieser Moment anfühlen, ohne die Idee, dass du dich heute so und so fühlst und dass es auch anders sein könnte oder sogar ander sein sollte?

Wenn wir nicht alles benennen, beschreiben, einordnen und bewerten würden und dafür einfach ein bisschen mehr FÜHLEN und erLEBEN – einfach dieses Körpergefühl jetzt, dieses Geräusch, dieser Geruch, diese Bewegung,…

Welche Teile des Körpers berühren gerade irgendeine Unterlage? Kannst du das fühlen? Jetzt gerade? Wie fühlt sich das an?

Wie riecht es gerade?

Was passiert, wenn du für Momente mit allen Sinnen erlebst und nicht nur mit dem wunderbaren Kopf?

Wer wärst du dann?

Für Augenblicke wärst du nicht mehr die, die heute krank oder gesund ist. Du wärst weder „Single“, noch „glücklich“ oder „unglücklich verheiratet“, weder „suchend“ noch „zufrieden“. Diese ganzen Ideen über dich verschwinden für Augenblicke. Und trotzdem passiert Leben. Trotzdem passiert Handeln und natürlich tauchen auch Gedanken auf.

Wenn du nicht wüsstest, wie alt du bist, wie alt FÜHLST du dich gerade?

Gibt es die Kategorie „Alter“ jetzt überhaupt?

Wenn du dir nicht erzählen würdest, dass du es richtig machen musst, dass du es falsch gemacht hast, dass du dieses unbedingt willst und jenes auf keinen Fall, WIE wäre dieser Moment dann?

Was bleibt übrig?

Deine Geschichte (über dich und jeden anderen) ist EINE Version, EINE Interpretation. Keine Wahrheit. Wenn du diese Geschichten im Kopf sehr ernst nimmst, dann trennen sie dich ab von der unglaublichen Fülle, die gerade hier passiert. Eine Fülle, die das GANZE LEBEN beinhaltet, mit all seinen Facetten, Formen und Farben. All Grautöne, schwarz, weiß, rosa-rot-gestreift, gelb mit lila Punkten. Punkte aus Samt und Seide und hart wie Steine. Braun wie feuchte Erde, Himmelblau ohne Ende,…

Ohne deine Geschichte bist du ALLES und NICHTS zugleich

Wilde Lebendigkeit.