Einander zu berühren ist etwas anderes, als die selbe Meinung zu haben…

Im Alltag überwiegt meist das Beschäftigt-Sein im Außen. Die Dinge überschlagen sich und vieles läuft in Automatismen ab.

Wenn wir dann zur Ruhe kommen und vielleicht auch mal alleine mit uns selbst sind, hören wir unsere Gedanken zum ersten Mal bewusst.

Aber oft bleiben wir dann auch hier: In unseren Gedanken.

Wir fragen uns nicht, sind das wirklich MEINE Gedanken?

Ist das wirklich wahr, dass ich so oder so denke?

Wir glauben unseren Gedanken meist unhinterfragt, obgleich viele dieser Gedanken tatsächlich konditionierte Programme sind, die manchmal sogar gegen uns selbst arbeiten.

Wenn wir dann aber mit einem Gegenüber in Kontakt kommen, dreht sich etwas.

Das Gegenüber wirkt nicht nur wie ein Spiegel, es läd uns auch ein, einander auf eine andere Weise, als nur durch Worte, zu begegnen:

Nämlich körperlich!

Wir fühlen einander.

Wir können uns gegenseitig in der Gegenwärtigkeit dieses Augenblickes berühren.

Nicht nur indem sich unsere Körper berühren, wir können die Präsenz des anderen spüren – auch wenn wir uns körperlich nicht berühren.

Wir spüren die Stimmung des Gegenübers. Denn alle Menschen schwingen auf der gleichen lebendigen Frequenz. Das ist unsere Urfrequenz. Hier sind wir schon, noch bevor wir das erste Wort sprechen können. Das ist auch der Grund, warum Eltern ihre Kinder wortlos verstehen – zumindest wenn sie sich nach den ersten Wochen aufeinander eingeschwungen haben – und wenn sie nicht vollkommen im Denken stecken bleiben.

Genau DANACH fragt das Leben:

Was bist du ursprünglich?

Wenn wir diese „Frequenz“ wieder entdecken, dann bekommen wir ganz neue Antworten auf unsere Fragen. Keine Wort-Gedanken-Antworten. Aber etwas, dass uns sehr, sehr nah ist und dass wir eindeutig und direkt verstehen.

Es ist die Qualität des Mit-Fühlens und der Freude. Wir wissen dann einfach was zu tun ist. Und wir haben auch genug Kraft, um genau das zu tun, was eben nur wir selbst tun können. Niemand kann das für uns tun, was eben nur wir selbst tun können. Ganz einfach, weil du DU bist.

Wenn wir also in Beziehung miteinander treten, haben wir immer diese beiden Möglichkeiten. Entweder wir bleiben im Verstand und checken einfach nur ab, ob wir dieselbe Meinung haben. Möglicherweise diskutieren wir auch und versuchen uns dadurch irgendwo zu finden – dann bleiben wir jedoch weiterhin auf der Ebene des Denkens.

Oder:

Wir beginnen uns SELBST – und damit immer auch das Gegenüber – zu FÜHLEN!

Wir spüren in die Atmosphäre hinein. In unseren Körper. In unseren Atem.

Wir schauen in die Augen des Gegenüber – und wir werden uns bewusst, dass es auch unsere Augen sind.

Wir spüren den Atem des Gegenübers und erlauben uns SELBST – und dem Gegenüber- einfach zu SEIN.

So wie wir gerade sind.

Mit genau diesem Gefühl jetzt.

Mit genau diesem Erleben, jetzt.

Dieses Körpergefühl, jetzt.

Vielleicht halten wir die Hand des anderen: Wir halten diese andere Hand und wir werden gehalten.

Vielleicht umarmen wir uns auch: Wir umarmen das Gegenüber und wir werden umarmt.

Wir fühlen unseren Atem – und den Atem des anderen.

Dafür braucht es keine Worte und es ist doch so, so viel näher, als jedes Wort es jemals sein könnte.

Und plötzlich sind wir ganz HIER.

Genau DIESES Erleben jetzt.

Das ist ursprünglich Menschlich.

Diese Art der Begegnung.

Damit haben wir ganz natürlich auch in der Yoga-Woche im Soami gespielt und geforscht. Ich komme gerade zurück und bin noch immer ganz gerührt. Was für eine nährende Woche. Hier ein paar Eindrücke:

Nächstes Jahr wieder:

Silvia und ich zusammen im Soami in Kärnten am Millstätter See. Eine Woche YOGA Retreat. Vom 24.-31.07.

Vielleicht magst du mit dabei sein?

Melde dich gerne unter: verena@yogalini.de

Oder schau auf meine Website: http://www.teck-yoga.de/1%20Yoga%20Stille%20Retreat.html

Hier findest du ein paar Infos über das Soami: https://www.soami.at/de

Krank-Sein – Gesund-Sein – Was machen wir hier auf der Erde?

rpt

Oha – was für ein gigantisches (abendfüllendes) Thema…

Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Zur kurzen Einführung: Einige von euch wissen, dass ich vor kurzem diese Sommergrippe hatte und mit einem Rest an Räuspern und leichtem Reizhusten in den Urlaub gefahren bin. Zwei, drei Tage meinen Bruder Nähe Hamburg besucht, danach für eine Woche an die Nordsee. In jedem Fall kam ich nach einem wunderschönen Urlaub nach Hause zurück und hatte immer noch leichten Husten, der sich bald darauf wieder verschlimmerte, ohne dabei wirklich produktiv zu sein. Ich spürte, dass da noch irgendetwas zähes in meiner Lunge klebte und mich nicht wirklich, richtig frei und mühelos atmen lies und dennoch löste es sich nicht wirklich beim Husten. Selten fühlte ich Erleichterung wenn ich hustete. Manchmal bei einem wirklich herzhaften Niesen. Alle Unterstützungsmöglichkeiten, die mir einfielen, nutzte ich seit Wochen. Viele davon sind Routine: Vegetarische, oft vegane Ernährung, Ölziehen, mit Salz spühlen, Inhalieren wahlweise mit Thymian, Salz oder Kampfer, Nasenspühlung, Erkältungsbad, Yoga, Atemübungen, Curcuma, Ingwer, Salbei, Thymian, Ausruhen, Stille, nicht Sprechen,…

Okay, irgendwie schien es nicht zu genügen, auch wenn sich der Rest meines Körper durchaus gut fühlte, ging dieses Kitzeln und dieses NICHT freie Gefühl auf der Lunge einfach nicht weg.

Ich bin kein Typ, die immer für alles eine Ursache finden muss! Dennoch habe ich mich gefragt:

Was ist das Thema?

Wo fühle ich nicht genug Raum?

Und ich kam zu dem Schluss: Ich spreche meine Wahrheit aus. Ich nehme mir meinen Raum. Ich fühle mich frei.

Was sehe ich nicht?

Okay. Vielleicht ist es subtiler. Feiner? Irgendwas passt auf jeden Fall nicht, dass ich hier seit über vier Wochen nicht frei sprechen kann, sondern ständig einen Hustenreiz bekomme und mich dann ganz wund fühle. Keine einzige Yogastunde kann ich mehr mühelos unterrichten.

Also wieder eingelassen auf: Ich habe keinen blassen Schimmer. Ich weiß nichts. Es ist egal, was rauskommt. Es geht um nichts…

Ich gehe dahin, wo alle Wahrheit zu finden ist: Ich blicke nach innen.

Vorbei an allem, was ich verstehen kann. Vorbei an all dem, was ich über mich, über meinen Körper, über Gesundheit bereits zu wissen glaube.

Vorbei an all dem, was ich über mich zu wissen glaube, wo ich glaube, zu stehen, wo ich glaube verwundet zu sein, wo ich glaube ein Thema zu haben oder keins zu haben.

Ich sinke tiefer und tiefer und tiefer.

Es ist egal ob ich gesund bin oder krank.

Es ist egal, ob es sich so anfühlt oder so.

Ich fühle einfach.

Ich frage nichts.

Ich bemerke, wie meine Lunge sich entspannt. Ich bemerke, wie es warm wird und weich und wie mein Herz berührt ist. Mein inneres Herz. Ich bemerke wie Lunge und Herz miteinander in Verbindung stehen. Wie es da einen inneren Raum gibt. Einen Raum von Autentizität und Kraft. Unaussprechlich eigentlich. Natürlich. Nichts besonderes. Aber echt. Eine echte Erfahrung. Kein Konzept. Kein neues Wissen. Keine neue Idee. Kein „jetzt habe ichs“. Ich bin gar nicht da und doch bin ich mehr da denn je zuvor. Mehr als in all meinem Wissen. Das ist es. Da bin ich berührt. Von dort aus kann ich gehen. Von hier aus will ich gehen.

Mein Husten ist noch da. Ich habe das Gefühl er löst sich langsam. Gestern vielleicht noch mehr als heute. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Dass wir immer wieder und wieder „in Schlaf versinken“ mit unseren spirituellen Konzepten, mit unseren Ablenkungen, mit unseren Antworten, mit unseren Konstrukten über die Welt, über uns und den anderen.

Manchmal lenken wir uns ab mit der Blase der Verliebtheit (und vergessen wer wir wirklich sind).

Manchmal lenken wir uns ab mit unserer Drama-Blase („Oh mein Gott, was da alles abgeht, all die Verstrickungen, Verblendungen und Dramen, all der Schmerz und all die Probleme: UNLÖSBAR“).

Manchmal lenken wir uns ab mit der Idee, das wir wüssten wie es geht. In diesem Moment hat die begrenzte Person uns voll im Griff und wir verlieren die Offenheit für die Bewegtheit des Lebens: ALLES ist möglich, alles GLEICHZEITIG. Es gibt kein Ankommen, keine Methode, keinen Schlusssatz, keine Erleuchtung.

Und doch ist die Möglichkeit von „Erleuchtung“ HIER!

Sie ist hier in diesem Augenblick, des SEHENS dessen, was ist.

Es geht nicht darum, Wahrheit für alle Zeiten oder Wahrheit für alle Menschen zu finden. Es geht auch nicht darum, deine Wahrheit zu finden. Für wielange würde diese Wahrheit gelten? Nur für diesen einen Augenblick.

Das ist das einzige was IST. Das, was du jetzt siehst. Wirklich siehst.

Solange wir „nur“ im Verstand suchen, ist das, was wir sehen können, sehr begrenzt und wir nutzen nicht mal 1% unseres Vermögens. Und dann diskutieren wir über dieses eine Prozent…

…mit dem einen Prozent eines anderen Körper-Geist-Verstandes….

Vielleicht wissen wir das auch bereits und erzählen uns gegenseitig davon.

Was würde jedoch passieren, wenn wir gemeinsam (jede und jeder für sich selbst), immer wieder neu schauen! Wenn wir – gerade weil wir wissen, wie begrenzt wir wahrnehmen – alles, immer wieder neu untersuchen würden – und dabei wie Kinder OFFEN sprechen.

Ja, da gibt es Dinge, die machen uns Angst.

Ja, da sind Dinge, die sind schlimm. Sehr schlimm.

Wir müssen nicht alles auf einmal anschauen.

Aber wir können lernen, die Augen wieder und wieder zu öffnen. Weiter zu atmen, auch wenn es schokierend ist, was wir sehen.

Weiter zu fühlen und da zu bleiben. Hier. Dieses Körpergefühl. Weiter atmen.

Anstatt wieder und wieder abgelenkt zu werden vom dem, was wir gewohnt sind zu denken oder was quasi schon immer so war oder was (scheinbar) von außen über uns bestimmt oder (scheinbar) wohlwollend angeraten wird, bleiben wir OFFEN und NEUTRAL. Wir nutzen unsere EIGENE Kraft des SEHENS und FÜHLENS. Mehr nicht. Ohne eine Agenda zu haben. Einfach aus dem heraus, was wir sind:

PURE Lebendigkeit!

Kurse und Einzelarbeit mit mir gibt es Kirchheim/Teck! Außerdem kannst du mich auf Youtube finden!

Herzlichst <3 Deine Verena

www.verena-kamphausen.de



Atmen – Bewegung zwischen zwei Extremen

Der Atem steht für die sich ständig in Bewegung befindende Lebendigkeit „in“ uns. Er zeigt uns die beiden Qualitäten an zwischen denen unser Leben sich bewegt und Form annimmt:

Das Geben und das Nehmen.

Aktives Tun und passives Geschehen lassen.

Diese Qualitäten werden im Yoga deutlich, durch aktives Auf- und Ausrichten (wobei uns der Einatem unterstützt) – und durch ein „Sich-Einlassen“ auf die Haltung (wobei uns der Ausatem unterstützt).

Der Ausatem länd uns ein, „weich“ zu werden und da loszulassen wo gerade keine Spannung oder Kontrolle benötigt wird. Auch die Entspannung nach einer aktiven Haltung oder Sequenz ist Teil dieser Qualität.

Wenn wir eine Haltung länger halten und der Atem weiterfließt, bemerken wir wie immer beide Qualitäten zusammenarbeiten, denn oft wird beides benötigt.

Wir bemerken auch wie uns die eine Qualität möglicherweise etwas leichter fällt als die andere – in dieser bestimmten Haltung – oder heute, gerade jetzt.

Haltungen nehmen wir nicht nur im Yoga ein. Wir ver-halten uns im Alltag ständig: Wir nehmen eine bestimmte Haltung ein wenn es turbulent, ungeplant und hektisch zu geht, wenn wir mit etwas Unangenehmen konfrontiert werden, wenn uns etwas berührt, wenn wir uns zu etwas hingezogen fühlen,…

Wir nehmen körperlich eine bestimmte Haltung ein.

Und wir nehmen geistig-emotional eine bestimmte Haltung ein.

So wie der Tag auf die Nacht folgt, folgt der Ausatmen auf das Einatmen. Das bedeutet Leben. Um ausatmen zu können, müssen wir zuvor eingeatmet haben. Und es muss Platz, Leere, Raum da sein, um überhaupt einatmen zu können. Auf gewisse Weise fordert also das Verstärken des Einen auch eine Verstärkung des Anderen. Denn natürlicherweise lassen wir nach einer kraftvollen Yoga-Haltung oder Übungssequenz los. Unser Körper und unser Geist fällt von alleine so weit in Enstpannung, wie es in diesem System „Sinn“ macht. Das ist EIN Grund, warum uns Yoga so gut tut. Aber auch im Alltag wollen wir nach einem arbeitsreichen Tag automatisch abschalten und loslassen. Oder wir werden krank, wenn wir uns zu lange ÜBER-anstrengt haben.

Dabei ist das Eine dann nicht wirklich „besser“ oder „schlechter“ als das Andere – auch wenn die Extreme ab und zu sehr stark hin- und herschwanken. Es sind einfach zwei Qualitäten zwischen denen Leben passiert. Es ist eine natürliche Bewegung INNERHALB der wir lernen – und Lebendigkeit lebendig begreifen (nicht nur mental).

Leben passiert auch zwischen der Qualität der „Enge“ und „Weite“. Manchmal fühlen wir uns steif, unbeweglich und eng. Jeder Gedanke scheint absolut wahr und unbeweglich zu sein. Manchmal sind wir wie gefangen in negativen Ich-Gedanken. Und manchmal fühlen wir uns weit und gelöst, eher „raumhaft“, sehr lebendig und „verbunden“ mit der Bewegung des Lebens selbst.

 

Der Atem berührt aber noch zwei weitere Qualitäten:

Bewusstheit und Unbewusstheit.

Denn er fließt auch ohne dass wir uns seiner bewusst sein müssen. Aber er reagiert auf unsere inneren Bewegungen, d.h. er wird automatisch flacher, feiner, länger oder tiefer oder wir halten ihn sogar an.

Dann können wir den Atem aber auch bewusst anhalten oder verlängern.

Die Arbeit mit dem Atem ist feiner als die körperliche Arbeit. Sie berührt im gewissen Sinne unser BEWUSST-Sein. Also DIE Qualität, in der all diese verschiedenen Formen (Enge und Weite, Kraft und Kraftlosigkeit, Geräusche und Stille,…) auftauchen.

(bewusst-)SEIN ist das, was in allem gleich bleibt!

Wenn wir in der Atem-Arbeit, den Atem anhalten, kann uns das mit einer Art Panik und Todesangst konfrontieren, es kann uns aber auch ganz „still“ und „lauschend“ werden lassen und uns mit unserer Essenz verbinden,…

Das Beobachten und Experimentieren mit dem Atem, lässt uns eine Menge über uns herausfinden 🙂

Hier findest du online ein Video von mir, mit der du spielerisch experimentieren kannst:

 

Herausfordernde Zeiten…

Manchmal im „Alltag“ ist da so ein ganz subtiles Suchen und Fragen: Wie kann ich es SO machen, dass es „gut“ ist?

Dieses „Fragen“ treibt uns an. Es leitet uns durch den Alltag und ist letztlich das Streben nach „Vervollkommnung“ – nach diesem Gefühl, dass alles „rund“ und an der richtigen Stelle ist: Angekommen sein.

Wenn wir uns für Momente – es sind immer nur Momentaufnahmen – so ganz und gar nicht wohlig fühlen, haben wir oft die Idee, irgendetwas MACHEN zu müssen, damit es (wieder) „gut“ wird. Wir versuchen dann die Gedanken, die diesen Moment beschreiben, anders zu deuten. Oder: MIT den Gedanken, „Lösungen“ für das scheinbare „Problem“ zu finden.
Eine Idee könnte dann sein: Besser für sich zu sorgen, öfter „nein“ zu sagen oder „härter“ zu arbeiten, es „besser“ zu machen,…

Wenn wir uns von der Inspiration leiten lassen und diese Ideen nicht all zu ernst nehmen, sind sie meist sogar eine ganz tolle Orientierung: Sie öffnen Türen für neue Erfahrungen.

Wenn wir allerdings zu streng mit uns sind und uns für unser eigenes Verhalten in erster Linie verurteilen, bringen wir als erstes Ablehnung in unser System.

Ablehnung gehört zwar – wie ALLES – auch EINFACH zu der Unendlichkeit möglicher Erfahrungen, durch die wir Lebendigkeit erfahren. Aber es ist eben eine Form, die in ihrer Wurzel zu noch mehr Trennung führt: Wir spalten uns geistig und energetisch von uns selbst ab, indem wir Momente ablehnen und als wenig wertvoll beWERTEN.

Wenn wir alles, was auftaucht, in erster Linie jedoch wertSCHÄTZEN können, dann ist die Basis jedes Momentes ein erhabener.
Aus dieser Perspektive kann Fülle offensichtlich werden.

Das heißt nicht, dass alles automatisch als angenehm erlebt wird.

Trauer bleibt Trauer, körperliches Unwohlsein bleibt körperliches Unwohlsein, Phasen von Kraftlosigkeit sind Phasen von Kraftlosigkeit.
Jedoch wird diese Kraftlosigkeit in ihrer „Vollkommenheit“ erLEBT und nicht hauptsächlich durch die Brille des Mangels BETRACHTET.
Diese Brille nämlich verbraucht die letzte Energie dann dafür, den aktuellen Ausdruck der Lebendigkeit zu bekämpfen. Das Ergebnis: Die Kraft schwindet mehr und mehr und das Gefühl von Mangel wird größer und größer.

Dass auch das lediglich EIN Ausdruck von Lebendigkeit ist, ist völlig vergessen. Und doch ist es nichts anderes als DAS!

Jeder Atemzug begleitet uns durch all diese unterschiedlichen Erfahrungen.
Das Tolle: Er ist Ausdruck der Vollkommenheit jedes Momentes!
Und deshalb ist es der Atem, der immer wieder als Hilfsmittel benutzt wird, um wieder mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Der Atem ist ein beständiger Fluss. Die Idee, dass man einen Augenblick herauspicken könnte, um ihn dann als „ich bin in dieser oder dieser Situation“ zu beschreiben und festzusetzen, wird angesichts des beständigen Flusses in seiner Absurdität offensichtlich. In Wahrheit ist diese scheibare „Situation“ eine Erfindung des Verstandes. Und sie ist abhängig vom Verstand. Er kann sie in alle MÖGLICHEN Richtungen deuten: positiv, negativ, erklärend, fragend,…

Wenn ich diese Geschichte jetzt mal für einen Augenblick verlasse und statt dessen lediglich HIER bin, einfach mit diesem Moment „fließe“, atme, fühle, sitze, schaue,… dann ist da eigentlich kein „Problem“. Dann ist da einfach DAS…

Und das verändert sich von Augenblick zu Augenblick.

Auf einmal sagt irgendjemand irgendetwas, es taucht ein Gedanke auf oder der Blick fällt auf irgendeine Sache. Auf einmal passiert Aufstehen, irgendetwas wird weggeräumt oder aufgeschrieben oder was auch immer…

Jede Erfahrung ist in sich absolut stimmig und DAS kann und muss von keinem Verstand begriffen werden. Allein im ERLEBEN passiert eine Vollkommenheit, die jenseits von „gut“ oder „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“ liegt.

Rishikesh-Reihe (zu Hause üben)

Und noch ein bisschen mehr zum Thema: Zu HAUSE YOGA üben…

Manchmal ist die Frage einfach: Wie fang ich an?
Da sind Asana-Reihenfolgen natürlich sehr praktisch!

Ein weiterer Vorteil:
Wenn du immer die gleiche Reihe übst, wirst du mit der Zeit immer mehr und vorallem tiefer ent-decken, was die Qualität dieser Asana eigentlich ist. Jede einzelne Asana erzählt im Grunde eine ganze Geschichte…

…und ich spreche hier noch nicht einmal von der Energie-Qualität der Haltung, sondern alleine schon von den körperlichen Aspekten.

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie viele Jahres es letzendlich gendauert hat, bis ich tatsächlich körperlich, gefühlt begriffen habe, wir sehr der Beckenboden mit der inneren Aufrichtung zusammenhängt und wie sehr diese Aufrichtung an dem Zusammenspiel jedes einzelnen Körpergewebes hängt und wie sich diese Aufrichtung zum Beispiel in den Umkehrhaltungen auswirkt.

Ich kann mich auch noch sehr, sehr gut daran erinnern, als ich in irgendeiner Stunde meiner damaligen Yogalehrerin (Herzensdank an Prema) auf einmal ein sehr tiefes „Aha-Erlebnis“ mit der Haltung des Fisches (Matsyendrasana) erlebt habe.

Ich hatte diese Stellung bereits hundertmal gemacht und sicher sah sie äußerlich ähnlich aus. Dieses Mal aber floss mein Atem so tief, so weich, dass er wirklich einen inneren Raum berührte, so dass die Haltung nicht aus dem Kopf, sondern aus dem gesamten Moment heraus Form annahm. Ich war tief berührt von diesem Erleben, was nicht nur meinen Körper bertraf, sondern mein gesamtes Bewusstsein.

Wenn wir mit Asana Reihen üben, dann haben wir die Chance nicht ständig auf der Suche zu sein, was wohl als nächstes „dran“ sein könnte, was wohl am effektivsten wäre oder wie ich mich am besten ablenken könnte oder wie ich meine Schmerzen loswerde oder oder oder…

Wir machen einfach.

Natürlich achtsam und im besten Fall abgestimmt auf unsere körperlichen Möglichkeiten und Bedürfnisse.

Dennoch: Wir machen es einfach!

Und zwar mit unserem gesamten Sein. Nicht nur mit unserem Körper. Das ist Yoga!

Anstatt also in der äußeren Erscheinung immer wieder eine Abwechslung, einen „Kick“ oder auch Perfektion zu suchen, lernst du „tiefer“ zu schauen. Möglicherweise wird es völlig egal, wie die Yogastellung von außen aussieht und du beginnst statt dessen zu entdecken, wie sie sich von innen anfühlt.
In diesem Entdecken fängst du an, dein eigener Lehrer zu sein. Du ent-deckst (du deckst durch dein eigenes Erforschen und Erleben auf) wie du die Stellung mit deinem Körper und mit der heutigen Verfassung am besten ausführen kannst. Dabei mögen „Kleinigkeiten“ auftauchen: Der Umgang mit einer Verhärtung unter den Schulterblättern vielleicht. Vielleicht entdeckst du, dass du den Fisch (Matsyendrasana) lieber passiv als aktiv übst, weil es so auf gewisse Weise für dich viel tiefer wirkt und deinem Gewebe genau den „richtigen“ Impuls gibt. Oder u machst die Entdeckung wie der Atem dich beim Aufrichten oder Loslassen unterstützt und wie sich dadurch die Haltung minimal verändert.

Es ist nicht so, dass das Üben von Hatha-Yoga ein ganz spezielles Ziel verfolgen würde. Und dennoch kann es vielerlei bewirken: Es kann dein Muskelgerüst ganz neu ausrichten und damit deine Haltung – und diese ist wiederum verwoben mit deiner inneren Haltung…
Selbst wenn wir augenscheinlich mit dem Körper arbeiten, so berühren wir durch diesen oft unser ganzes Wesen. Und eigentlich ist es genau DAS, was uns am Yoga so gefällt: Das berührt werden!

Da ist eine tiefe Sehnsucht ECHT zu sein, uns zu zeigen und zu spüren, denn das bedeutet es lebendig zu sein.

Wir können das in jedem Moment des Alltags. Aber oft schneiden wir uns hier vom Empfinden ab, in der Hoffnung, so „effektiver“ und „geschützt“ zu sein.

Herauszufinden, ob es nicht auch möglich ist, BERÜHrBAR zu leben, bedeutet, dieser Qualität Raum zu geben. Es bedeutet, sich Momente zuzugestehen, in denen ich BIN – und nicht erst TUN muss, um DANN zu sein.

Diese Momente sind letztendlich völlig unabhängig von irgendeiner Asana (Körperhaltung) oder sonstigen Technik! Jedoch kann uns die Körperarbeit durchaus helfen, uns wieder einen Geschmack davon zu geben, was es heißen könnte, all unsere verschiedenen Facetten (einfach) SEIN zu lassen. Dabei geht es sicher nicht darum, das Denken zu verteufeln oder jedes zielgerichtete Handeln. Es geht vielmehr darum, vorgefertigte Muster verlassen zu können und neu und auch ganz individuell und lebendig zu entdecken.

Hier wird offensichtlich, dass es dann egal ist, ob ich den ganzen, kompletten „Schulterstand“ (Sarvangasana) übe oder mir vielleicht einfach ein Kissen unter das Gesäß lege, um dem venösen Blut die Möglichkeit zu geben, zurückzufließen…

Es ist dann egal, ob die Gelenkigkeit meines Beckens und der Hüfte, sowie die Dehnung der rückwärtigen Beinmuskeln, so beschaffen sind, dass ich meinen Oberkörper in der Vorwärtsbeuge (Paschimottanasana) fast mühelos mit Hilfe des Atems nach vorne ablegen kann oder ob ich mit angewinkelten Knien und mit vielleicht einem Band mit geradem Rücken an der inneren Stabilität und am Loslassen „arbeite“…

Egal wie die Stellung aussehen mag, das was innerlich passiert, womit ich mich konfrontiert sehe (körperlich, emotional, geistig und energetisch) das ist HIER. Das passiert hier ganz allein, einmalig und höchst intim für MICH! Äußerlich unsichtbar.

JA! Körperlich macht jede kleine Veränderung durchaus einen Unterschied. Aber die Körper sind ja auch alle völlig unterschiedlich!

Die Idee, dass eine Asana den selben Effekt für alle Körper hätte, ist eine Illusion! Im Extremfall kann ein und die selbe Position für eine Person wie eine Erlösung sein, ein hilfreicher Impuls… während es für einen anderen Körper tatsächlich gesundheitsgefährdend ist. Einfach, weil dieser Körper anders ist: Er hat ein anderes Gewicht, die Knochen und Gelenke eine andere Qualität und Form, ebenso die Ausprägung und das Spiel der Muskeln. Hinzu kommt unser Charakter: Da gibt es Menschen, die gehen ständig über ihre Grenzen ohne es zu merken. Andere bleiben immer unter ihrem eigentlichen Kraft- und Kreativitätspotential. Sie haben sich eine imaginäre Grenze gesetzt, die sie ständig zurückhält. Dazwischen gibt es unendliche Facetten verschiedenster Ausprägungen und Kombinationen. ALL DAS begegnet uns (nebenbei), wenn wir Hatha-Yoga üben! Was für ein WUNDER 🙂

Nochmal KURZ zur Rishikesh-Reihe: Sie ist eine ganzheitliche, ausgewogenen Reihe in der jede Haltung auf die vorherige aufbaut, diese intensiviert oder einen Gegenpol darstellt. Körperlich aber auch geistig und energetisch wirken und schwingen die Asanas miteinander. Dennoch ist diese Reihe „nur“ ein Gerüst. Das heißt: Sie muss angepasst werden, an die körperliche Verfassung und die Möglichkeiten des Übenden. Die Haltungen sind im Grunde „Meditationshaltungen“ und ein Vorbereiten und Aufwärmen (z.B. in der Form des Sonnengrußes) ist u.U. sinnvoll.
Wenn mit Yoga begonnen wird, sollte dies am besten zusammen mit einem Lehrer geschehen, dem du vertraust. Nach und nach wird dein Vertrauen in deinen eigenen Körper wachsen. Wenn der Wunsch entsteht, alleine, Zuhause zu üben, hast du vermutlich schon genug „Material“ aus den geführten Yoga-Stunden mitgenommen, um deine Reise auch alleine aufzunehmen – in den Asanas, aber auch im ganz gewöhnlichen Alltag, mitten im oder kurz nach einem Streitgespräch mit deinem Nachbarn oder was auch immer dir gerade deine „Knöpfe“ drückt!

Wer mehr von mir hören will findet mich auf youtube oder in Kirchheim/Teck Yoga

Yoga und ATEM

Autobahn-Meditation

Zu atmen ist offensichtlich eines der grundlegendsten Elemente des menschlichen Lebens – und es hört zumindest physisch in dem Moment auf, wenn der Körper seine Lebenskraft verliert. Atmen symbolisiert die beständige Veränderung in jedem Augenblick und es symbolisiert die scheinbare Dualität von Fülle und Leere, dessen Zusammenhang und Abhängigkeit voneinander.

Im Hatha Yoga gibt es verschiedene Atemtechniken, die unterschiedliches bewirken. Dabei geht es zum Beispiel um die Reinigung der Lungen (u.a. Kapalabhati), Harmonisierung und Ausgleich der Emotionen (u.a.Wechselatmung (Anuloma Viloma)), um Sammlung und Konzentration (u.a. das einfach Beobachten des Atems) und Energieerweckung (u.a. Bhastrika). Aber natürlich fließt der Atem immer. Er fließt wenn wir schlafen und wenn wir wach sind. Er fließt wenn wir wütend sind und wenn wir fröhlich sind. Er fließt wenn Gedanken da sind und wenn keine Gedanken da sind. Er fließt wenn wir auf der Toilette sitzen, wenn wir Sex haben, wenn wir lesen,… Egal ob wir positiv oder negativ über das denken, was gerade passiert – insofern ist der Atem das perfekte Sinnbild für „Tantra“

(Tantra ist in erster Linie tatsächlich keine Sexpraktik, sondern ein Philosophiesystem, das ebenso wie Vedanta, mit Yoga in enger Vebindung steht. Tantra nutzt im Kern den Alltag, um Spiritualität zu leben. Aber dazu ein anderes Mal mehr…)

Der Atem begleitet uns auch in den Asanas (Yoga-Haltungen). Und während wir Asanas üben, passiert alles mögliche:
Wir fühlen unsere Körperlichkeit, unsere Kraft, unsere Energie,…
wir werden vielleicht aber auch mit (körperlichen) Grenzen konfrontiert und natürlich damit, wie unser Geist darauf reagiert. Wir nehmen wahr, wie Entspannung geschieht und wie Entspannung nicht geschieht…

…Yoga – im Grunde jedoch Lebendigkeit selbst – läd uns immer wieder ein, HIER zu sein!

Yoga ist eine Möglichkeit, dass so etwas wie „Intimität“ mit uns selbst entsteht. Eine Nähe, die näher ist als Gedanken über etwas oder über uns.

… und der Atem begleitet uns dabei.

Das Einatmen schafft immer Raum. Die Lunge dehnt sich aus, der Brustkorb öffnet sich.
Einatmen ist immer eine Einladung sich (körperlich) aufzurichten, innerlich in seine Aufrichtugkeit zu kommen, sich zu öffnen und präsent zu sein.

In der Öffnung des Einatems ist zunächst einmal alles willkommen: Jede Empfindung, jeder Gedanke, jedes Geräusch,…

Das Ausatmen ist immer ein Loslassen. Ein Loslassen von dem, was gerade noch da war. Ein Loslassen von jetzt verbrauchter Luft, ein Loslassen dieser Erkenntnis, dieser Erfahrung, dieses Gefühls,… und das geschieht natürlich automatisch. Niemand muss sich daran erinnern zu atmen.

Gerade nach körperlich sehr herausfordernden Asanas ist es wunderbar, wie der Körper automatisch entspannt. Und das kann man „genießen“, denn Entspannung ist nichts, was man tut. Es ist etwas, das passiert. Und mit dem automatischen Loslassen der Muskelspannung, entspannt auch dieses Greifen im Kopf. Nicht dass keine Gedanken mehr auftauchen würden. Sie stören einfach nicht…

Hatha-Yoga ist einfach eine Gelegenheit über „Körperlichkeit“ in den Fluss des Augenblicks zu kommen!

Ich selbst beginne den Tag meistens mit ein paar YIN Yoga Haltungen (passives Yoga). Ich genieße dieses erste „MICH spüren“, wenn der Körper von der Nacht noch „steif“ ist und der Geist noch still. Es kommt vor, dass die ersten Augenblicke in der Haltung dann ganz schön intensiv sind – insbesondere, wenn die Kinder alle in meinem Bett waren 😉 Dann ist es der Atem, der mich begleitet, diesem Gefühl Raum zu geben. Und es ist der Atem, der mich begleitet, in dieses Erleben hinein zu entspannen. Das ist wundervoll und „funktioniert“ auch bei Emotionen, die uns im Alltag ganz unerwartet und manchmal wie ein Sturm besuchen. Da ist dann zum Beispiel ein unangenehmesGefühl im Bauch…    anstatt nun in irgendeine Handlung zu verfallen, um diesen Gefühl zu entkommen, es zu verändern und im besten Falle loszuwerden, kann ich (vielleicht ;- ) einfach einen Moment mit diesem Körpergefühl sein… und bemerke, dass es gar nicht so „schlimm“ ist. Ich kann also fühlend BEI mir sein (auch wenn es sich gerade nicht so gut anfühlt). Ich tue einfach, was die Situation gerade erfordert. Aber ich bin DA! Ich spüre die Lebendigkeit in meinem Körper, die sich gerade als unangenehmes Bauchgefühl, Enge, Hitze, Hibbeligkeit oder was auch immer zeigt – und sich eventuell auch wieder verändert… Und plötzlich ist da nicht mehr „richtig“ oder „falsch“. Da ist dann einfach das, was passiert. Lebendig. Voll.

Und es ist im Fluss.

Es gibt nicht einfach Ein- und Ausatmen. Das sind nicht zwei Dinge! Das Ausatmen geschieht langsam und kontinuierlich. Es bewegt sich unentwegt. Der Moment der Leere ist tatsächlich nur ein sehr, sehr kurzer Augenblick, der nicht wirklich aus dem Fluss des Atems herausgenommen werden kann. Und er geht direkt ins Einatmen über…

Es sind also sicher nicht zwei Dinge, sondern vielmehr ein Kreis.

Ebenso ist es mit „richtig“ und „falsch“.

Sie berühren sich. Sie bedingen einander. Das eine gibt es nur durch das andere.

 

Der Atem fließt.

Du kannst ihn kurz anhalten. Aber für wie lange?

Es ist ein Fluss. So wie das Leben.

Er verdeutlicht das Leben.

Jeder Gedanke, der etwas aus diesem Fluss herauspickt, um es zu benennen, ist nur ein Augenblick des selben Flusses. Und das, was er benennt, ist bereits weiter geflossen…

Es ist nicht nötig, das intellektuell zu begreifen. Der Genuss des Atems ist genug 🙂