Auflösung und Wandlung alter, überlebter Strukturen

Lieber Mensch,

egal, in welcher Situation du aktuell GENAU steckst,…

…die aktuelle Corona-Situation stellt jede und natürlich jeden von uns vor Fragen, die vor zwei, drei Wochen noch null präsent waren.

Da gibt es plötzlich Dinge neu zu organisieren, zu hinterfragen, zu bedenken und einzuordenen, mit denen wir so vermutlich nicht gerechnet hätten:

Was ist wahr? Was ist sinnvoll? Was ist verantwortungsbewusst? Für wen? Für mich? Für die Gemeinschaft?

Jetzt werden plötzlich Zusammenhänge wirksam, die man bisher zumindest scheinbar „getrennt“ behandeln konnte.

Zusätzlich ändern sich die äußeren Einflüsse (z.B. Informationen) aktuell sehr schnell.

Für das meiste davon haben wir keine lebendige Referenz. Wir wissen nicht wirklich, was genau hier „richtig“ ist. Es fühlt sich ganz neu, überraschend, sehr intensiv, irgendwie lähmend, andererseits auch explosiv und manchmal sogar kraftvoll an.

Ich glaube, dass die aktuelle Situation mit all ihren Herausforderungen auch eine ganz große Chance für jede und jeden von uns sein kann.

So vielen Dinge werden plötzlich sichtbar:

Was taucht auf, wenn das Leben nicht mehr „normal“ funktioniert?

Was ist für mich „normal“?

Was, an meiner „Normalität“, gibt mir Halt, Sicherheit und Freude,…?

Was hat welchen Wert?

Wie gehe ich damit um, wenn die Situation nicht eindeutig und sicher einzuordnen ist?

Wenn ich nicht weiß?

Woran orientiere ich mich?

Wie reagiert mein „inneres“ System?

Welche Ängste, Schutzmechanismen und Programme laufen ab?

Was mache ich damit?

Von wo aus treffe ich meine Entscheidungen?

Von wo aus treffe ich meine Entscheidungen, wenn ich mich nicht einfach so an das halten kann, was „normalerweise“ gilt?



Es gibt Stimmen, die sprechen schon seit einiger Zeit von einer sogenannten „Zeitenwende“. Eigentlich etwas ganz normales. Ein natürlicher rhythmischer Verlauf. Ähnlich der Pubertät oder dem Wechsel vom Sommer in den Herbst.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder besondere Erfindungen oder Entdeckungen (die Atomkraft zum Beispiel oder das World Wide Web), Krankheiten oder Kriege, die größere, vielfältige und intensive Veränderungen, Chancen und Herausforderungen mit sich brachten.

Auch diese Ausnahmesituation jetzt ermöglicht es uns also, verschiedene Bereiche in uns und um uns herum neu zu betrachten. Wir erkennen viele Zusammenhänge und können durch alles, was jetzt kräftig durchgeschüttelt wird, auch nochmal (neu) schauen, wie wir funktionieren, was uns wirklich berührt, was uns am Herzen liegt, was uns Angst macht, was überflüssig ist,…

Dabei geht es einerseits um Zusammenhänge, um Verantwortung, um Gemeinschaft, aber auch um dich ganz intim, alleine und persönlich. Denn letztenendes kommt jede Klarheit, jede Verwirrung, jede Offenheit, jede Angst, die du nach außen trägst, ja aus dir selbst heraus!

Sie kommt aus dem, was aktuell in dir Form annimmt.

Sie kommt aus dem, worauf das Bewusstsein in dir gerade seinen Fokus legt.

Und dennoch nicht wirklich auf die Weise, dass du selbst ganz und gar dafür verantwortlich wärst. Denn vieles von dem was du bist, was dich ausmacht, ist ja auch ein ganz bestimmtes (ein absolut einzigartiges) Zusammenspiel deiner vergangenen Erfahrungen – und damit eben auch der Erfahrungen, der Kultur und Zeitqualität, in der du aufgewachsen bist. Es ist einfach ein Teil der menschlichen Traditionsgeschichte.

Und dennoch ist dieser Augenblick ja bewegt. Er ist lebendig. Das, was JETZT ist, war genauso noch niemals zuvor. Es ist ein stetiges Geboren-Werden. In jedem Augenblick.

Dieser Moment jetzt erwächst zwar aus dem Dünger der „Vergangenheit“ – jedoch in einen neuen Ausdruck hinein. Durch dich. Durch jede von uns. Mit jedem einzelnen von uns ändert sich jedes kleine und große System minimal, aber durchaus real spürbar.

Dabei gibt es die Einteilungen in „gut“ und „schlecht“ lediglich in deinem Verstandesbewusstsein (und dieses Bewusstsein hängt in seiner einzigartigen Form wieder davon ab, wie es – einzigartig – geprägt wurde).

Wo beginnt also alles?

In DIR!

Wirklich interessant für dich ist deshalb eigentlich nur, wo du dich gerade berührt fühlst!

Was auch immer sich also gerade bewegt,

es ist natürlich, dass alles in Bewegung ist!

(Ich bin mir bewusst, dass die folgenden Worte angesichts der Corona-Situation einen ganz anderen Beigeschmack bekommen. Ich hatte sie tatsächlich bereits davor geschrieben: )

Wenn wir beispielsweise KRANK werden, ist das nicht, weil wir irgendetwas „falsch“ gemacht haben. Vielmehr ist die Krankheit die RICHTIGE Antwort, um uns weiter forschen zu lassen: Um einen bestimmten Aspekt, der vorher nicht so gut sichtbar werden konnte, nun lebendig zu spüren. Vielleicht geht es um das Thema Verantwortung. Vielleicht darum, mal nicht alles kontrollieren zu können oder es wird irgend etwas spürbar, was zuvor eher im Hintergrund geblieben ist…

Evolution IST Veränderung!

Keine Beziehung, keine Gefühl, kein Körper,…

…ist fest!

Sterben ist also „richtig“!

(Bzw. ist es weder richtig noch falsch. Und natürlich ist es bedeutsam. Insbesondere für diejenigen, die davon im nahen Umfeld betroffen sind)

(Wie liest du diese Worte heute anders, als du es noch vor einem Monat getan hättest?)

Ent-täuschung ist richtig!

DAS ist Lebendigkeit.

Das ist natürliche Bewusstseinserweiterung.

Genauso sieht Leben aus!

Kannst du das hören?

Wer hört das?

Dein Verstandesbewusstsein?

Dein Wertebewusstsein?

Dein Körperbewusstsein?

Dein Wesen?

Trauer, Wut, Verwirrung,… gehören zur Gesamtheit der Lebendigkeit dazu. Wir erkennen, spüren und leben Lebendigkeit durch diese Qualitäten. So lernen wir. So verstehen wir.

So wie das Ausatmen ein Teil des Einatmens ist. Es ist ein Kreis. Sobald wir den einen Teil ablehnen, sind wir in Trennung und suchen nach der verlorenen Ganzheit. Und diese ist dort, wo wir sie am wenigsten vermuten. Sie ist HIER!

Sie taucht nicht erst auf, wenn alles wieder so läuft wie gewohnt. Sie taucht nicht erst auf, wenn es so ist, wie wir es uns vorgestellt hatten. Sie taucht nicht erst auf, wenn wir alles verstehen und einordnen können. Sie taucht nicht erst auf, wenn wir uns ganz und gar friedlich fühlen.

Sie taucht nicht erst auf wenn wir den richtigen Partner gefunden haben, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, wenn unser Körper wieder fit ist, wenn wir unsere Berufung leben, wenn wir diese Trennung verarbeitet haben oder was auch immer.

Ganzheit ist hier.

In dieser Schwere genauso wie in der Leichtigkeit, in diesem Chaos, in dieser Wut, in dieser Hilflosigkeit,…

Du musst sie nicht suchen.

Sie ist bereits HIER!

Ich vermute:

Du weißt theoretisch, dass Leben Bewegung ist. Praktisch aber hast du dir vielleicht angewöhnt, das Leben (wenn möglich) nach DEINEN Vorstellungen so zu kontrollieren, dass du dich möglichst sicher fühlen kannst. Das heißt am Ende: So, dass du möglichst keinen „negativen“ Gefühlen ausgesetzt bist.

Irgendwie gab es im Laufe der Geschichte viel Verwirrung darüber, was denn nun eigentlich „gut“ und was „schlecht“, was also „positiv“ und was als „negativ“ zu bewerten ist.

Bevor (u.a. die christliche Tradition) mit den Mitteln der Angst – und als Folge der dadurch möglich werdenden Kontrolle – angefangen hat, Macht zu missbrauchen, gehörte Schmerz als Teil der Lebendigkeit zur Ganzheit dazu.

Wir lernen im Schmerz.

Schmerz, Hilflosigkeit und Kraftlosigkeit sind sehr oft Teil einer natürlichen Wandlung.

Im Laufe unserer Geschichte ist da einfach eine konstruierte Trennung passiert, die die Gesamtheit der vibrierenden Lebendigkeit eingeteilt hat in richtiges und falsches Verhalten, bzw. in richtige und falsche Gefühle.

…Und wir wollen es so gerne „richtig“ machen. Wir wollen uns so gerne auf der sicheren Seite fühlen. Weil wir irgendwann angefangen haben zu glauben, dass DORT Frieden zu finden wäre. Das einzige was wir jedoch auf diese Weise finden, sind (mindestens) zwei entgegengesetzte Pole (z.B. zwei entgegengesetzte Meinungen)

Diese Einteilung in (mindestens) zwei gegenteilige Seiten ist überall passiert: Im Fühlen, Denken und Handeln. Im Privaten, wie im Geschäftlichen und natürlich auch in allen spirituellen Traditionen.

Das heißt, selbst wenn wir theoretisch wissen, dass dieser aktuelle Gedanke, diese Einschätzung jetzt, lediglich ein Ausdruck von vielen ist, dann fühlt es sich körperlich und in unserem Nervensystem jedoch so an, als ginge es in diesem Moment um unser Leben. Denn wir fühlen uns mit dieser Meinung verbunden, so als wären wir dieses Wissen, diese Idee, dieses Verständnis. Das ist unser Verstandesbewusstsein. Wir nennen es „Ich-Bewusstsein“.

Oft kämpfen innerhalb dieses „Ich-Bewusstsein“ verschiedene Aspekte miteinander (wieder zwei verschiedenen Pole)

Oft kämpft das „Ich-Bewusstsein“ aber auch mit anderen „Personen“ (andere Ich-Bewusstseine) einfach ums Rechthaben oder ums Verstanden-werden-Wollen.

Also kommen auch wir als Form-Gewordene Lebendigkeit nicht umhin, sowohl in uns selbst, als auch in unseren Beziehungen immer wieder unlösbare Kriege zu führen.

Einzig in dem Augenblick, in dem wir uns diesem aktuellen Moment HIER berührbar zuwenden (wach und klar mit offenen Augen ALLEM zu begegnen) und wir gleichzeitig die Einteilungen, die uns unser trennender Verstand (und unsere Angst) erzählt, nicht in den Vordergrund stellen, haben wir überhaupt eine Chance im Feuer dieser aktuellen, vibrierenden Lebendigkeit „tiefer“ zu erkennen, was uns dieses Feuer eigentlich lehrt.

Was immer auf diese Weise für uns sichtbar wird, DAS können wir in keinem noch so schön geschriebenen Text oder Buch finden. Nicht mal wenn wir es selbst geschrieben haben. Denn es ist etwas völlig anderes, etwas zu lesen, womit wir in Resonanz gehen können oder etwas unmittelbar und lebendig zu erfahren.

Die lebendige Erfahrung von was auch immer ist pur. Sie ist unbeschreiblich. Näher als nah. Einzigartig. Sie passt in kein Konzept. Und sie ist nicht trennend, weil sie keine klare Grenze hat, weil sie kein beschreibbares Etwas ist. Sie schwingt in virbrierender Lebendigkeit.

Am Ende geht es einzig und allein darum, DICH SELBST zu erkennen. Deine heile Lebendigkeit, aber auch deine ganz und gar menschlichen Strukturen und Wunden. Es geht also darum, das anzuerkennen, was JETZT gerade in dir berührt wird. Es geht nicht darum, irgendwo anzukommen. Denn dein innerstes Wesen ist (seinem Wesen nach) vibrierende Lebendigkeit und kein ETWAS (kein Ding – einmal erkannt und fertig).

Selbst wenn du schon darüber gelesen hast, was dein Wesen ist, wenn du es hundert mal gehört hast und es sogar schon selbst innerlich damit getanzt hast, dann ist das in diesem Moment NUR eine Erinnerung. Es bleibt ein abgestandenes Wissen, was jetzt nicht mehr wahr ist, wenn du JETZT nicht bereit bist, wieder dorthin hineinzufallen und dich tanzend zu erleben.

Jeder Augenblick des sinnlichen, energetischen, denkenden und körperlichen Erlebens ist so einmalig, so intim und so perfekt in diesem gigantischen Netz deines einzigartigen Lebens eingewoben, dass es unmöglich ist, das jemals in irgendein Konzept zu packen oder gar mit den Meinungen oder Erkenntnissen deiner Nachbarin, deiner besten Freundin oder irgendeines Lehrers zu vergleichen.

Du kannst nur von HIER aus gehen!

Du kannst nur mit deiner Kraft (oder mit deiner Kraftlosigkeit), mit deinen einzigartigen Talenten, mit deinen jetzt berührten Wunden, loslegen!

Und zwar genau HIER!

In diesem Moment, in diesem Kontakt mit dir selbst (oder im Kontakt mit jemand anderem) der JETZT hier wirklich stattfindet.

Was gibt es JETZT hier wirklich zu tun (oder nicht zu tun)?

Wohin kannst du von HIER aus gehen?

Stelle deine Wahrhaftigkeit an erste Stelle und gibt dem Energie, was durch dich geboren werden will.

Wenn du Lust hast noch ein wenig tiefer und intimer (angeregt durch meine Worte) zu forschen, dann interessiert dich vielleicht mein Online-Kurs zum Thema: Auflösung und Wandlung alter, überlebter Strukturen.

Ab dem 22. März 2020 findest du den Kurs auf meiner Website www.yogalini.de

Gerne kannst du Kontakt mit mir aufnehmen:

verena@yogalini.de

Ich freue mich über alle MIT-Reisenden!

Inhalt des Kurses:

  • Impulse zum Einlassen (Text pdf)
  • Begrüßung und Einführung (Video)
  • Schütteln & Meditation (Video)
  • neue Räume öffnen: Atem, Tönen, Meditation
  • Impulse (Gesprochenes) im Anschluss an „Atem, Tönen, Meditation“ (Video)
  • Asanas zum Thema Wandlung – inklusive Atemarbeit und Endentspannung (Video)
  • Was ist wirklich wesentlich? Für wen? (Anregung zur eigenen Erforschungsarbeit – Text und Frage-Materialien pdf)
  • Vom Suchen und Finden (Audio)
  • Wie finde ich MEINE Antwort (Audio)
  • Stabilität und Körper – wo die Kundalini Zuhause ist (Impuls-Video)
  • Asana-Einheit zum Thema Stabilität (Video)
  • Meditationsimpuls: Im Feuer stehen (Video)

Außerdem in Planung:
Von meinem Zuhause direkt in dein Wohnzimmer:  Live-Online-Übertragung „Yoga und Meditation“

Bald erfahrt ihr mehr!

HerzLICHT

Verena


Wurzelarbeit die Zweite

Vor ein paar Wochen war ich nach ca. vierzehn Jahren zum ersten Mal wieder an dem Ort, an dem ich vor über 20 Jahren meine erste Yogalehrerausbildung besucht habe, zwei Jahre später meinen Ex-Mann kennenlernte und ein Jahr lang arbeitete.

Zwei Wochen später besuchte ich zusammen mit meinen Kindern ein Yoga-Retreat an der Nordsee (Haus am Watt) und wurde von einem indisch stämmigen Yogalehrer (Herzensdank an Ashwani Bhanot) in meiner Wurzeltradition (Sivananda Yoga) unterrichtet.

Es war so eine wunderschöne Erfahrung für eine ganze Woche, zwei Mal am Tag, für zwei Stunden ganz und gar Schülerin zu sein und die stille, authentische Präsenz eines Lehrers zu genießen, der ganz fein und subtil unterrichtet, „meine“ Mantren zu hören und mich er-Innern zu lassen.

Was für ein Geschenk.

Dies ist also der zweite Blog-Artikel zum Thema: Wurzeln.

Was sind unsere Wurzeln?

Die tiefste Wurzel ist unsere tiefe Verbindung mit unserem innersten Wesen. Darüber habe ich vor allem im ersten Artikel geschrieben. Wenn dieses Wesen beginnt Form anzunehmen, – was das Wesen des Mensch-Seins ist (Körperlichkeit, Aktivität, Sensitivität, Denken, Fühlen, Energie-Erleben,…) -, dann ergeben sich aus diesem endlosen Werden auch noch andere Wurzeln:

Unsere Ahnenlinie.

Nichts, was wir aktuell tun, denken oder spüren, ist unabhängig von alle dem, was vor uns war. Das Haus, in dem wir wohnen, die Straße, auf der wir fahren, das Buch, was wir lesen, die Vorstellungen, die wir haben, selbst die Verbindungen, die wir aktuell im WorldWideWeb knüpfen, hängen an unzähligen Handlungen und Forschungen derer, die vor uns waren.

Mein Körper wäre nicht, ohne dass meine Mutter sich eingelassen hätte, auf das unüberschaubare Wagnis, Mutter zu werden. Ebenso die Mutter vor meiner Mutter und die Mutter vor meiner Mutter und…

Sie alle waren mutig genug, dieses Leben zu leben. Sie alle wurden ent-täuscht, überrascht, herausgefordert, haben aufgegeben, haben gekämpft, sind gereift, haben erkannt, haben geliebt, sind geliebt worden, sind übersehen worden, sind unerkannt geblieben,…

Und du bist hier, um diesen Weg weiter zu gehen.

DEINEN Weg.

Du bist hier, um deine Erfahrungen zu machen. Deine Schleier zu lüften. Dich des-illusionieren zu lassen, weich zu werden, stark zu werden, dich zu zeigen.

Mit alle dem, was durch dich Form annimmt.

In allem, was jetzt durch dich Form annimmt, schwingt das Erbe von unzähligen – und dennoch ist dieser Augenblick, diese Verkörperung hier, neu. Das jetzt ist einmalig, lebendig und unbeschreiblich. Es ist seinem Wesen nach VOLL. Egal wie eckig es sich zeigt.

Es gibt kein Ankommen in dieser unendlichen Lebendigkeit. Aber es gibt ein lustvolles Genießen. Selbst von Müdigkeit.

Ich bin unendlich dankbar über all die Nahrung, die ich durch meine Familie erfahren durfte. Diese ist an Wert nicht zu messen. Es ist so viel mehr, als unser Verstand jemals begreifen könnte. Selbst in den Augenblicken, in denen wir schlicht „vorbereitet“ werden, über uns selbst hinauszuwachsen.

Ich bin unendlich dankbar über all das, was sich immer spontan und ungeplant zeigt.

Als ich vor ein paar Wochen im Westerwald in diesem wunderschönen Wald spazieren ging – meine dort geplante Fortbildung fand leider zu einem anderen Zeitpunkt statt, als ich mich angemeldet hatte und damit änderte sich in null Komma nichts meine gesamte Vorstellung, Planung und die Organisation meiner Kindern – da wurde mir wie aus dem NICHTS plötzlich lebendig bewusst, dass ich TEIL dieses Waldes bin, dass der Wind nicht nur mein Haar durchweht, sondern auch meinen Geist und meine Seele. Der Waldboden gab nicht nur den Bäumen halt, sondern tatsächlich auch mir. Das unterschiedliche Grün der unterschiedlichsten Bäume und Pflanzen nährte mich und pulsierte mit meinem Herzschlag, so dass alles in mir zu vibrieren begann. Was für ein Segen.

Ich traf eine andere Yogalehrerin, die schon einige Jahre lang das weiter gab, weswegen ich zur Fortbildung gekommen war und sie nahm sich Zeit, sich mit mir auszutauschen. In den Tagen, in den ich nun „zu früh“ dort war, unterrichtete ich schließlich selbst, anstatt mich fortzubilden. Ich unterrichtete in meiner Wurzeltradition, in dem Haus, in dem ich selbst einst ausgebildet wurde.

Obwohl der Sivananda-Yoga im Herzen und als ganzheitliches Gerüst definitiv MEINE Tradition ist, so hat sich mein Hatha Yoga Unterricht mit der Zeit doch individualisiert – durch meine eigenen Erforschungen und Erfahrungen.

Es gab eine Zeit, da musste ich mich wie ein reifender Teenager distanzieren von der Form und Umsetzung dessen, was ich einst gelernt hatte. Ich musste das finden, was „ich“ zu geben hatte.

Aber jetzt kann ich mich dehmütig einreihen in eine lange, lange Tradition so vieler wunderbarer Lehrer, die oft auch „nur“ wie ganz „normale“ Menschen aussehen.

Ich bin froh, Teil dieses lebendig schwingenden Ganzen zu sein, in dem jedes Tier, jede Pflanze, jede Seele, jede Verkörperung, mit all ihren Ängsten, ihren Hemmungen, ihrer ganzen Kraft und ihrem Mut, ihren ganz eigenen Platz in dieser unendlichen Bewegung einnimmt.

P.S.: Am Freitag, den 20.09. gibt es im Yogaloft (Kirchheim/Teck) einen 2-stündigen Yoga-Workshop zum Thema Wurzelarbeit mit mir.

Anmeldung unter: verena@yogalini.de


Folge deiner Wunde…

…und finde dein Leuchten!

Ich sitze gerade an den Vorbereitungen zu meinem 4-Tages-Retreat im Juni und bin dabei u.a. auf einen ganz wunderbaren Podcast von Ilan Stephani mit dem gleichnahmigen Titel (Folge deiner Wunde) gestoßen, den ich dir sehr gerne unter den Blog-Artikel verlinke.

Wunden, sind in der Regel Erfahrungen, die wir als derart schmerzhaft empfinden, dass wir uns nicht zutrauen, sie in ihrer ganzen Tiefe und Tragweite anzuschauen. Würden wir uns das nämlich getrauen, wären sie lediglich eine sehr (vielleicht sehr, sehr, sehr) schmerzhafte Erfahrung, die jedoch mit dem vollständigen lebendigen Erleben sozusagen „rund“ werden würde. Gemäß der Lebendigkeit würde sich auch diese (schmerzhafte) Erfahrung von Moment zu Moment weiter und weiter und weiter ent-wickeln. Das heißt, es würde nichts zurückbleiben. Es wäre Ganzheit. Vorher. In diesem Moment. Und nach diesem Augenblick. Ganzheit, die sich in diesem Moment so ausdrückt und in einem anderen Augenblick so.

Nun ist es so, dass wir als Menschen dieses Ganzheit in der Regel als etwas sehr persönliches erleben – und damit nicht mehr als Ganzheit 😉

Wir haben unser Leben unzählbar eingeteilt in dieses und jenes und vor allem in „richtig“ und „falsch“. Alles, was wir als „falsch“ verstehen, ist etwas, dass wir loswerden wollen. Daher können wir uns diesem auch nicht wirklich annähern (außer eventuell theoretisch), geschweige denn erfahrungsrelevant damit verschmelzen.

Nun ist es jedoch so, dass auch das künstliche Abtrennen von diesem Teil der Lebendigkeit eine enorme Kraftanstrengung bedeutet. Dies ist uns jedoch insofern nicht bewusst, als dass es uns augenscheinlich hilft, unser Leben gut zu organisieren und vermeintlich unter Kontrolle zu bekommen. Und genau das ist es, was wir als Minimum für uns wollen: Gut durchs Leben kommen!

Der Kontakt mit unserer Wunde (bzw. unseren Wunden, die möglicherweise alle am Ende in einer ganz bestimmten „Urwunde“ münden) schleudert uns im ersten Augenblick jedoch erst einmal aus diesem Funktionieren heraus. Wir müssen die Haltegriffe zwangsläufig loslassen und uns hineinbegeben in etwas, das uns einerseits sehr nah ist, das uns andererseits jedoch höllische Angst bereitet. Dieser andere abgetrennte Teil von uns enthält nämlich einerseits die fehlende Energie in sich, nach der wir so lange so verzweifelt im außen gesucht haben und andererseits erscheint dieser Teil jedoch als genau DAS, was wir auf gar, gar keinen Fall als zu uns zugehörig verstehen wollen.

Ich plädiere keineswegs dafür, sich auf die Suche nach irgendeiner Wunde zu begeben, wenn du das Gefühl hast, alles scheint am richtigen Ort zu sein und du fließt frei und neugierig mit dem Strom des Lebens. Aber wenn dem wirklich so wäre, würdest du vermutlich auch nicht einen solchen Artikel hier lesen.

Weiterhin geht es hier auch nicht um irgendeine Einteilung von Geschichten, die „groß“ genug sind, um „Wunde“ genannt zu werden oder eher klein genug, um getrost überschaut werden zu können. Vielmehr geht es darum, dass deine wunden Punkte, dich tagtäglich deine Leben organisieren lassen. Sie machen, dass du dich hier schützt und dort nicht hin schaust, dass du dort suchst und das versuchst zu vermeiden,…

…wäre es da nicht sinnvoll, allen Mut zusammen zu nehmen und sich ganz in DEINEM Tempo und ganz und gar auf DEINE ureigene Weise von deinen Wunden führen zu lassen?

Ich glaube, dass das Leben sich so oder so immer und ganz natürlich als eine „Heilungsreise“ gestaltet und das jede Wunde im Grunde eine Einladung ist, Lebendigkeit in seiner Ganzheit lebendig zu schauen. Nicht nur mit dem Kopf und nicht ausschließlich mit dem Körper und auch nicht ausschließlich durch das Fühlen, sondern in jedem dieser Bereiche. Deshalb erscheint menschliches Leben zeitlich. So erscheint es zuerst als dieses, dann als jenes. Und gerade durch diesen Wechsel bekommen wir einen spürbaren Geschmack von Lebendigkeit. Wir erleben gerade im Unterschied, im Hin- und Her zwischen diesem und jenem Erleben, was Liebe ist und was sie nicht ist. Bis dahin ist auch der Begriff von „Lebendigkeit“ nicht mehr als nur eine esoterisch Vorstellung.

Auf welche Weise du dich also von deiner Wunde führen lässt, ist äußerst individuell, so wie deine Wunde individuell ist.

Solange du jedoch im Lichtkegel deiner Bewusstheit suchst, drehst du dich im Kreis des bereits bekannten. Hier kann nur das erscheinen, was du bereits zu kennen glaubst.

Wenn du Zugang bekommen möchtest zu den Aspekten, die du so so sehr ablehnst, dass du deinen Blick bisher äußerst geschickt immer in die anderen Richtungen gelenkt hast, dann musst du dort hin schauen, wo du bisher nicht hingeschaut hast. Dort, wo du nicht weißt. Dort, wo du den Weg nicht kennst. Dort, wo nicht klar ist, was richtig ist und was nicht richtig ist. Dort, wo du bereits bist, „Fehler“ zu machen, durch diese zu lernen, jedoch ohne diesen Aspekt von Lebendigkeit einzuteilen in „fehlerhaft“ und ohne ihn von dir abzuspalten…

In welchen Aspekt von Lebendigkeit würdest du dich hineinbewegen – auch im Alltag, in deiner Sprache, in deinen Handlungen, in deinem ganzen Sein – wenn diese gigantische Wildheit in dir und um dich herum tatsächlich SEIN dürfte? Wenn du kämpfen dürftest, wenn dir danach ist? Wenn du NEIN sagen würdest, wenn du nein meinst. Wenn du ganz offen und ohne Schutz- und Anstandsschild zeigen würdest, was du fühlst? Wenn du tatsächlich da hingehen würdest, wozu du dich hingezogen fühlst? Wenn du tatsächlich tun würdest, was du am liebsten tun würdest? Und damit aufhören würdest, Dinge zu tun, die du so gar nicht tun willst?

Was würde passieren, wenn du sehen würdest, dass sich ein anderer Mensch (in seinem Tempo) traut, genaus das (in seinem Tempo) zu leben?

Ein sehr, sehr interessantes Untersuchungsfeld wie ich finde 🙂

Wer ein bisschen gemeinsam mit mir forschen möchte, hat u.a. im Juni-Retreat (Stiersbach, 74420 Oberrot) vom 20.-23. Juni 2019 eine wunderbare Gelegenheit dazu! Mehr Infos findest du unter:

http://www.teck-yoga.de/yoga_STILLE_RETREAT.html

Link zum Podcast von Ilan: https://www.youtube.com/watch?v=6vz2yJgReok

Von Herzen,

Verena

Das Geheimnis der Rishikesh-Reihe

Heute erfährtst du etwas über meine ganz persönliche Erfahrung mit dieser Reihe. Es hat mit der Dimension zu tun, die trotz aller Unterschiedlichkeit von Erfahrung immer gleich bleibt. Aber dazu später mehr.

Die Rishikesh-Reihe ist das „Basis-Gerüst“ mit dem in der Sivananda-Tradition Asanas praktiziert werden.

Die Sivananda Tradition ist eine ganzheitliche Yogatradition. Das heißt, das die Asanas (der Hatha Yoga Teil) tatsächlich nur ein Teil von dem darstellt, was YOGA seinem Wesen nach ist. Selbst wenn in den angebotenen Hatha Yoga Stunden, es augenscheinlich so wirken kann, als ginge es hier lediglich um den Körper, so wird im Vergleich zu manch anderer Tradition (oder zumindest nach einiger Zeit) bald klar, hier geht es eigentlich um dein Bewusst-SEIN.

Wenn die Rishikes-Reihe ein Basis-Gerüst darstellt, dann heißt das, dass in den Anfänger-Stunden auch viele andere, vorbereitende Übungen gelehrt werden, die auf diese Grund-Haltungen vorbereiten und dass es in Stunden für geübte Schüler mehr und mehr um die energetischen Ebene der Haltungen, das Pranayama und die Meditation geht.

Yoga-Stunden nach der Sivananda Tradition laufen nicht immer komplett gleich ab, aber haben im besten Falle eine bestimmte Atmosphäre, eine bestimmte Qualität, die spürbar ist.

Das jedoch hängt natürlich immer auch vom Lehrer oder der Lehrerin ab und davon was er oder sie selbst in sich lebendig erfahren hat. Etwas weiterzugeben, weil man es theoretisch begriffen hat oder etwas weiterzugeben, weil es das eigene „Herz“ berührt, ist natürlich immer ein großer Unterschied. Andererseits sind wir als Menschen so so viele, mit so so unterschiedlichen Bedürfnissen und (inneren) Orten, an denen wir stehen, da braucht es sicher eine Vielzahl an unterschiedlichen Lehrern. Nicht nur, damit jeder Schüler und jede Schülerin, jeder Körper und jede Körperin den Platz finden, von dem aus sie weitergehen möchte, sondern auch damit jeder Lehrer und jede Lehererin das weitergeben kann, was speziell er oder sie zu geben hat.

Nun zum traditionellen Aufbau der Stunde:

Nach einer bewussten Zeit des Ankommens (des Bewusstseins im Körper und damit HIER in diesem Moment) und dem „Aufwärmen“ (im Sonnengruß), ist die erste richtige Haltung der Rishikesh-Reihe: Der Kopfstand.

Und direkt HIER fängt es auch schon an, dass die Tradition fragwürdig wird…

Einer Geschichte nach IST der Kopfstand nämlich gar nicht die erste Haltung der Rishkesh-Reihe, sondern eigentlich die LETZTE! Weil sie aber etwas herausfordernd ist und einige Schüler im damaligen Ashram gerne zum Ende der Stunde hin, auf die Toilette verschwunden sind, um diese Herausforderung zu umgehen, wurde diese wunderschöne Asana kurzerhand an den Anfang der Reihe gesetzt 😉

Wie auch immer es tatsächlich waHr, es zeigt wunderbar die Lebendigkeit und Bewegtheit des Lebens!!!

Egal welcher Tradition wir folgen, also egal welche Wurzeln wir haben, die uns energetisch, aber auch mit Wissen und Erfahrung so so wunderbar nähren (sei dies nun die Liebe und die Talente unserer Eltern, die Herausforderungen, an denen wir im Laufe unseres Lebens wachsen durften oder die wahnsinnig interessanten Errungenschaften, Erforschungen und Gedanken unserer Vor- Vorfahren), wir DÜRFEN mit diesen Geschenken WEITER gehen!!!

JETZT sind wir an der Reihe und jetzt ist es an uns mit diesem Wissen und diesen Gaben in der jetzigen Zeit, in diesem aktuellen lebendigen Moment, belebt umzugehen!

Was braucht es jetzt?

Was ist JETZT umsetzbar?

Was ist jetzt authentisch?

Wie dem auch sei….

Der Kopfstand wird in real gelebten Sivananda-Yoga-Klassen geübt oder weggelassen, an den Anfang oder an das Ende der Yogastunde gesetzt, sehr technisch, korrekt und gut vorbereitet geübt oder energetisch begleitet. Das hängt von der jeweiligen Klasse ab.

Wenn du nun in irgendeiner dieser Klassen bist, sind da vielleicht 6 oder 10 oder 20 oder 50 andere Teilnehmer mit dir. Für jede einzelne wird diese eine Moment des Kopfstandes besonders sein. Und zwar ganz egal ob sie ihn mitmacht oder einfach auslässt.

Warum?

Weil du in jedem Fall eine Erfahrung machst, die dir im Rahmen der Yogastunde vermutlich sehr bewusst wird.

Du wirst mit deinen Ansprüchen konfrontiert, mit deinen Grenzen, mit deinem Ehrgeiz und mit deiner heutigen (immer aktuellen) körperlichen Verfassung (die sicherlich anders ist als gestern, letzte Woche oder morgen). DU wirst konfrontiert mit dem Maß, dich einzulassen, auf das, was IST, was dir JETZT zur Verfügung steht.

Und genau das IST Yoga.

Weil es dich mit dir in Kontakt bringt. Es bringt dich in Kontakt mit dem, was du deinem Wesen nach bist und mit dem, was durch dein Wesen Form annimmt: All die Vorstellungen, all dein Wissen, all die Prägungen,…

Von daher ist es fast egal, welche Yoga-Asana du wie ausübst…

Und dennoch wirkt tatsächlich jede noch so kleine Kleinigkeit auf dein gesamtes System. Wenn du in dieser Asana plötzlich den Beckenboden mit aktivierst oder nicht, wenn du minimal die Mundwinkel hochziehst und deinen Blick entspannst,…

…das verändert ALLES!

Probiere es aus 🙂

Zurück zum Kopfstand:
Der Kopfstand aktiviert energetisch die „Verbindungstelle“ zwischen menschlichem Bewusstsein und dem „göttlichen Funken“ in uns, denn er spricht das Sahasrara Chakra an. Das Sahasrara Chakra ist das „Tor“ zu der Dimension, in der all die scheinbaren Trennungen, die wir als menschliche Wesen erleben, all die Einteilungen in „ich“ und „du“, „richtig“ und „falsch“, „voll“ und „leer“, „Mann“ und „Frau“,… …in ihrer Scheinbarkeit offensichtlich werden.

Eigentlich beginnt dieses „Sehen“ bereits im Herzraum (Anahata-Chakra) und ist eine ganz natürliche Entwicklung menschlicher Evolution. Eine Evolution des Bewusstseins, die in ihrem eigenen Rhythmus auf natürliche Weise irgendwann Form annimmt.

In einigen Traditionen wird diese natürliche Entwicklung und menschliche Evolution beschrieben als „Kundalini-Erwachen“. Dieses Wort (Kundalini-Energie) und die damit verbundenen Erklärungen sind jedoch nur eineWeise, diese natürliche Entwicklung zu beschreiben und zu erklären. Letztlich gibt es unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten. Und natürlich einige, die überhaupt keiner yogischen Begriffe bedürfen. In diesem Sinne sind natürlich auch keine Asanas (Yogahaltungen) von Nöten, um hier irgendwie vorwärts zu kommen. So wie in einem Garten die verschiedensten Sträucher, Bäume, Gräser, Blumen und „Nutzpflanzen“ wachsen, ist auch Yoga lediglich eine Form von unendlich vielen Ausdrucksmöglichkeiten des Lebens selbst.

Wenn du dich jedoch aus irgendeinem Grund von Yoga und der Arbeit mit dem Körper angezogen fühlst, dann ist jede einzelne Yogahaltung wie eine Tür.

Der Kopfstand ist nun die Tür, die dich mit deinem „höheren Selbst“ verbindet. Also mit dem, was „Oberhalb“ der Kleinlichkeit des menschlichen Geistes existiert. Mit all dem, was hinausgeht über die Ideen von „richtig“ und „falsch“. Mit all dem, was jenseits von diesem oder jenem so wunderbar und detailliert dargelegten (emanzipierten, menschlichen, politischen, wirtschaftlichen, religiösen, spirituellen,…) Konzept IST. Insofern ist es sogar ein Hinausgehen über jede Form von Erfahrung, die du als „Ich“ machen kannst.

Während deine Wurzel (das Muladhara Chakra) dich verbindet mit der „Tiefe“ von Menschlichkeit. Diese hebt sich deutlich ab von der Qualität des Tieres oder der Pflanzenwelt. Gleichzeitig verbindet dich dieses Chakra (diese Qualität) mit der gesamten Qualität von Erde.

Die Erde hat eine gewisse Schwingung und „Energiequalität“ – die sich natürlich auch entwickelt. Du bist über das Wurzelchakra mit der Energie der Erde verbunden. Die Energie der Erde ist u.a. die Qualität des Form-Annehmens.

Das Wurzelchakra ist am unteren Ende der Wirbelsäule. Wenn wir aufgerichtet sind, fließt Energie durch uns hindurch. Die Energie der Erde und die Energie des „Himmels“. Deswegen ist das Thema der Aufrichtung nicht unbedeutend.

Gerade im Yoga geht es immer auch um deine Aufrichtung. Um deine innere Aufrichtigkeit und damit Authentizität.

Wer bist du deinem Wesen nach?

Was will aus dir herausfließen und Form annehmen?

Die Rishikesh-Reihe legt mit ihren Haltungen den Fokus auf die Bewegung des Formlosen in der Form.

Jede einzelne Körper-Haltung entspricht einer inneren Haltung. Dabei ist die Reihenfolge deswegen nicht völlig egal, weil ja beispielsweise auch zuerst der Same kommt, dann der Keimling und dann die Pflanze und wachsen und öffnen eben nicht kunterbund durcheinander geschieht – während es gleichzeitig höchst individuell Form annimmt.

Es ist einerseits völlig egal ob wir nun wirklich mit dem Kopfstand anfangen oder ihn an das Ende setzten oder gar nicht machen. Es ist insofern nicht egal, weil wir schauen sollten WO wir stehen.

Bevor ich in einen Kopfstand gehe, ist es interessant, ob mein Körper (und mein Geist) darauf vorbereitet sind:

Habe ich genug Kraft? Habe ich genug Stabilität druch Beckenboden, Bauch- und Armmuskulatur? Was ist mit meinem Augen- und Blutdruck und wie viel Angst ist vorhanden? Vertraue ich dem Lehrer, der Lehrerin?

Manchmal dürfen wir aber auch spielen wie Kinder und einfach unsere Erfahrungen machen 😉

Am Ende gibt es unendlich viele Möglichkeiten mit der Rishikesh-Reihe zu spielen und dennoch ihren Wert zu ehren und als Geschenk weiterzugeben.

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig inspirieren <3

Von Herzen

Verena

Wer mehr von mir hören oder lesen magst findest du mich in Kirchheim Teck und auf youtube

Was ist eigentlich Sivananda-Yoga?


Seit 2001 unterrichte ich Yoga – und die Sivananda-Tradition ist sozusagen meine Wurzel!

Es ist die Basis von der aus ich mich körperlich sozusagen ent-deckt habe: Ich habe wirklich innerlich erspürt, wie alles im Körper miteinander in Verbindung steht.

Aber nicht nur das, sondern auch wie sich meine Anspannung, meine Angst oder meine Vertrauen körperlich ausdrückt.

Ich habe gelernt (innerlich erfahren, in meinem ganz gewöhnlichen Alltag, wieder und wieder und immer wieder neu) wie der Geist funktioniert und wie all das Ausrücke von Energie sind…

Sivananda Yoga ist in erster Linie also sicher keine bestimmte Art, Asanas auszuführen, sondern steht für Ganzheitlichkeit. Aus all den Aspekten, die menschliches Dasein ausmachen besteht letztlich auch der Yoga. Bevor ich das jedoch weiter ausführe, möchte ich noch einen kurzen Exkurs in die Welt der Asanas machen, denn das ist ja das, was wir am häufigsten mit Yoga verbinden:

Und um das einmal klarzustellen: Asanas – die Körperhaltungen im Yoga – sind keine ausgedachten Haltungen, die auf irgendeine „besondere“ Person oder gar Tradition zurückgeführt werden könnten. Sie sind quasi menschliches „Allgemeingut“, so wie all die Pflanzen uns da draußen frei zur Verfügung stehen und wir ihre Wirkung ganz frei und lebendig selbst erforschen können – wenn wir wollen.

Wenn ihr euch Babys anschaut (völlig egal in welcher Kultur), dann werdet ihr beobachten können, wie sie alle – von ganz alleine, ohne jegliche Unterstützung – die gleichen Bewegungen machen, um von der „hilflosen“, liegenden Position aus in die Bewegung, ins Rollen, in den Vier-Füßler-Stand und schließlich in die aufrechte Position zu gelangen, um sich (aufrichtig) selbstständig fortzubewegen. Diese körperliche Entwicklung ist gleichzeitig eine Entwicklung in das „Ich“ hinein. Mit der wachsenden Fähigkeit, die eigene Körperhaltung zu verändern, wächst auch die Perspektive, aus der das kleine Kind die Welt betrachten kann. Während es am Anfang nur daliegt und alles lediglich von oben auf es zukommt, kann es irgendwann seinen Kopf heben und die Dinge aus der Bauchlage betrachten. Später fängt es an sich so zu „drehen“, dass es sich um sich selbst drehen kann. Irgendwann kann es sich selbstständig auf Dinge zu bewegen oder von ihnen weg. Dies geschieht langsam. Gemeinsam mit dem Körper wächst die Fähigkeit, die Einflüsse der Umgebung zu verarbeiten.

Im Yoga machen wir im Grunde nichts anderes 😉

Die „Kobra“ (Bhujangasana) und die „Heuschrecke“ (Shalabhasana), sind zentrale Yogapsoitionen der Rishikesh-Reihe (Sivananda-Tradition) – aber auch einiger anderer Yoga-Traditionen. Beide Haltungen sind klassische Bewegungen, die jedes Kind macht, um genug Kraft zu entwickeln, um in den 4-Füßler-Stand zu kommen, und sich so langsam aufzurichten.

Die Aufrichtung des Menschen – im Gegensatz zum völlig anders bewegten SEIN in der Pflanzen- und Tierwelt – steht auch für eine ganz bestimmte Qualität des Bewusstseins. Dies weist nämlich im Menschen völlig andere Qualitäten auf, als eben im Bereich der Tiere, Pflanzen, Mineralien,…

Diese Qualität des Bewusstseins ist natürlich nichts statisches! Es ist (seit Beginn der Menschheit) eine sich immer weiter und weiter entwickelnde Qualität – mit jedem Augenblick des Formannehmens!

Jede Haltung, die wir im Yoga einnehmen, verändert etwas in unserem Energiesystem und in unserem Bewusstsein.

Das gleiche passiert in jeder menschlichen Begegnung: Durch alles, was wir sehen und nicht sehen, durch alles, was wir hören und nicht hören. Es ist ein ganz natürliches Wachsen und Reifen. Und ein ganz natürliches weiteres Form annehmen.

Yoga ist also EINE Form. Es ist eine mögliche Form. Und damit eine „Tür“, durch die wir gehen können.

Sivananda Yoga ist ein Integraler Yoga, bei dem die Körperhaltungen nicht an erster Stelle stehen. So wie menschliches Sein – auch wenn wir das oft vergessen – nicht nur aus Gedanken, Ideen und Interpretationen besteht, sondern AUCH aus einem Körper, Emotionen und einer „Seele“, so berührt der Integrale Yoga all diese Facetten menschlichen Seins:

Raja Yoga (Teil des integralen Yogas) bezieht sich auf die Qualität des Verstandes: Was ist der Verstand? Wie beinflusst er menschliches Sein? Bhakti Yoga (ein weiterer Teil des integralen Yogas) bezieht sich auf die Gefühlsebene und die Möglichkeit von Hingabe. Karma Yoga (ja, gehört auch zum integralen Yoga) greift die Tatsache auf, dass wir handeln. Wir können als Menschen nicht nicht handeln. Selbst wenn wir den ganzen Tag im Bett liegen würden, wäre das ein Art Handlung, die eine Wirkung nach sich zieht. Natürlich ist auch jeder Gedanke eine Handlung (völlig egal ob du daran glaubst, dass es „dein“ Gedanke ist und auch völlig egal ob du daran glaubst oder selbst erforscht hast, dass die Gedanken lediglich „durch“ dich Form annehmen und gleichzeitig dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegen).

Karma steht für das Gesetz von Ursache und Wirkung.

Achtung: Beim KARMA geht es nicht um Wertung! Es geht einfach nur darum, Zusammenhänge zu erkennen. Wertfrei!

Der Teil in uns, der wertet, ist lediglich der – eigentlich austauschbare Teil – der konditionierten Gedanken. Andere Prägung = andere Vorstellung von „richtig“ und „falsch“.

Selbst wenn wir behaupten, dass wir wissen, dass es EIGENTLICH kein „richtig“ und „falsch“ gibt, – was ist mit unserem realen (unbewussten) Erleben von „richtig“ und „falsch“?

Wenn ich „zu viel“ esse, muss dieses Essen verdaut werden. Wenn ich etwas sage oder nicht sage, gibt es diese oder jene Reaktion von außen und daraufhin wieder eine Reaktion von mir. Vielleicht habe ich die Idee, diese Reaktion steuern zu können, vielleicht meine ich, dass ich das nicht kann (je nachdem woran das Ich gerade glaubt oder was es kürzlich herausgefunden hat). Das alles ist das System von Ursache und Wirkung, das wir Karma nennen und das völlig unabhängig von unserem Glauben, Verstehen und nicht Verstehen ganz natürlich funktioniert.

Jnana Yoga (ein weiterer Teil des integralen Yogas) befasst sich nun mit dem menschlichen Aspekt, der unberührt ist von der Ich-Struktur. Der Teil, der jedoch selbst die Ich-Struktur belebt.

Man könnte es auch so ausdrücken: Der Teil, der selbst in der Ich-Struktur Form annimmt:

Unser „Wesen“, unser „Selbst“, der „göttliche Funken“, unsere „Seele“,…

…und schwupps sind schon wieder alle Vorstellungen (Raja-Yoga) aktiviert 😉

Wo sind denn nun endlich die Yoga-Haltungen versteckt?

Klassisch gesehen gehören diese in den Bereich von Tantra (NEIN! Hier geht es nicht um Sex, sondern um eine „philosophische Richtung“, die sich jedoch nicht im Geistigen verlieren will, sondern ihren Fokus im Bereich des Erfoschens von Menschlichkeit – IM menschlichen Dasein selbst – hat). Im Druchdringen des Mystischen bejaht Tantra Menschlichkeit und wendet sich nicht von ihr ab, so wie viele andere Richtungen, in denen man alles typisch Menschliche leicht als „illusorisch“ oder „niedrig“ im Gegensatz zum „All-Ganzen“ verstehen könnte.

Ist Menschlichkeit nicht gerade ein Teil dieses „All-Ganzen“?

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich von all dem, was ich bis dahin lediglich mit dem Verstand begriffen hatte, zurückziehen musste, um ich SELBST zu werden.

…um selbst zu erforschen!

Wie eine „Pubertierende“ musste ich mir demnach auch meine Yoga-Wurzeln aus der Distanz anschauen. Vieles in mir war in Bewegung geraten. Sicher auch durch die Yogapraxis. Aber mehr noch durch das Leben selbst. Fragen, die ich schon seit meiner Kindheit kannte, wurden auf andere Weise präsent: Wer oder was bin ICH wirklich? Was ist diese verrückte Lebendigkeit? Gibt es tatsächlich irgendwelche „Regeln“?

Ich hatte Philosophie studiert, war schon eine zeitlang Yogalehrerin und bereits Mutter. Ich hatte schon viele Antworten auf meine Fragen gefunden und dennoch war da wie so ein Drängen hinein in eine noch tiefere Authentizität. Ein Drängen nach einem „inneren“, absoluten Wissen, das keine Zweifel mehr zuließ.

Es durchdrang wirklich ALLE Lebensbereiche, nicht nur meine Tätigkeit als (Yoga-)Lehrerin, die ich immer wieder komplett in Frage stellte. Es durchdrang ebenso meine Ideen von Beziehung, Glück, Familie, Geld, Sicherheit, Spiritualität, Wissen im Allgmeinen.

Am Ende – wobei man hier nicht wirklich von einem „Ende“ sprechen kann – stand dann tatsächlich so etwas wie ein Berühren meiner eigenen Innerlichkeit. Jedoch auf eine Weise, die so ganz anders war/ist, als das „Ich“ es sich vorgestellt hatte.

Denn DAS ist nichts, was die Ich-Energie haben könnte!

Und dennoch ist ES stabiler als alles, woran sich diese „Ich-Struktur“ klammert

– insbesondere wenn sie meint, sich selbst zu durchschauen ;- )

Auf diesem weglosen Weg, auf dem ich wirklich alles mögliche immer und immer wieder in Frage gestellt hatte – und genauso oft (meist unbemerkt) versucht habe, mir ein neues, anderes Konzept zurechtzulegen – stellte ich also auch meine Yoga-Wurzeln in Frage, begann nach und nach in meine eigene, authentische Weise des Unterrichtens hineinzuwachsen… …und kehrte irgendwann zu einem Weiterbildungsseminar zu meinen Wurzeln zurück: neugierig, interessiert, aber durchaus auch skeptisch.

Als ich damals also zu meinen Wurzeln zurückfand (ähnlich als würdest du nach sehr, sehr langer Zeit das Haus oder das Dorf deiner Kindheit besuchen), war es natürlich NICHT irgendein theoretisches Wissen, was mich berührte. Ich war durchaus so klar, dass ich all die vermeintlichen „Fehler“, die ich damals kritisiert hatte, immer noch sehen konnte. Aber sie störten den Schatz nicht, der eben auch sichtbar wurde!!!

Das Gleiche passiert wohl auch, wenn du deine eigene Kindheit mit all ihren Höhen und Tiefen, mit all den Geschenken und Verletzungen – die im gewissen Sinne selbst Geschenke waren – mit den Augen der Klarheit siehst.

All die „Fehler“ sind auf einmal „menschlich“ und akzeptiert. So wie ich selbst jeden Tag mit meiner eigenen „Fehlbarkeit“ konfrontiert bin und gerade DURCH sie, tiefer und tiefer blicke, lerne, vergebe (mir und den anderen), immer weiter aufwache – und natürlich Ganzheit BIN!

Vollkommenheit ist etwas völlig anderes, als Perfektion. Perfektion hat ein Gegenteil. Ganzheit enthält alles.

Menschliches Dasein nimmt Form an durch Dualität. Wir begreifen und erleben gerade durch (die scheinbare Trennung von) Körperlichkeit und auch durch das Wechselspiel zweier Pole: Tun und Geschehen lassen, verstehen und nicht verstehen, Liebe und nicht Liebe,…

In meinem Fall war ich – als ich nach einigen Jahren zum „Schnuppern“ zu meinen Yoga-Wurzeln zurückkehrte – so unendlich dankbar für die Fülle, die ich insbesonders bei Yoga Vidya geschenkt bekommen hatte. Es war wirklich so, als würde eine gereifte Frau, die als Teenager das Elternhaus verlassen hatte, um ihren eigenen Weg zu finden, mit neuen Augen nach vielen Jahren nach Hause kommt. Während sie als Teenager einige Dinge an ihren Eltern auszusetzen hatte, war sie inzwischen selbst Mutter geworden. Neben all den „Fehlern“, die ihre Eltern gemacht hatten, war sie nun in der Lage auch die Liebe zu sehen, die die ganze Zeit über dagewesen war. Sie hatte erfahren, dass sie nicht umhin kam, dieselben (und andere) Fehler mit ihren eigenen Kindern zu machen – und dass einige davon gar keine „Fehler“ waren, auch wenn sie von außen vielleicht so aussahen. Sie hatte gelernt, die größeren Zusammenhänge zu sehen. Gleichzeitig was sie dehmütig geworden angesicht dieses unfassbaren Paradoxes von Komplexität und EInfachheit, Form und Leere.

Als ich also zu meinen Wurzeln zurückkehrte, erkannte ich die Fülle, mit der ich all die Jahre (unbewusst) gearbeitet hatte. Und auch wenn sich mein eigener Unterrichtsstil (augenscheinlich) zumindest von der Rishikesh-Reihe etwas entfernt hatte, so ist der integrale Geist noch immer derselbe.

Unterrichten passiert nun aus dem Sehen heraus, was für die Teilnehmer körperlich möglich ist und was energetisch gebraucht wird. Es passiert aus dem heraus, was ich BIN. Ich kann nur DIES hier sein, das genau auf diese Weise Form annimmt (und sich natürlich weiterhin verändert). Das was ich BIN, ist weder gut noch schlecht, weder richtig noch falsch. Und doch lerne ich und lerne ich und lerne ich… während ich gleichzeitig vollständig bin.

Auch ich lege mit meinem Unterricht lediglich eine Basis, mit der jede Seele, jeder Körper, jedes Leben, in jedem Moment „weiterarbeitet“.

Ein besonders kostbares Geschenk der Sivananda-Tradition bei Yoga Vidya – für mich persönlich – war die Einführung und Begleitung der (fortgeschrittenen) Energiearbeit in Verbindung mit intensivem Pranayama (Kundalini Yoga, als Teil von Tantra-Yoga). Zuerst als Technik genutzt, wurde es mit der Zeit eine ganz natürliche Bewegung, die völlig unbahängig von irgendeiner körperlichen Praxis immer offensichtlicher wurde!

Es gab und gibt so viele Lehrer in meinem Leben: tolle Yogalehrer, Satsang-Lehrer, Menschen, die mich geliebt haben und Menschen, die mich nicht geliebt haben – und natürlich jeder Augenblick dieses unglaublichen Lebens, jedes Form-Annehmen meiner eigenen Innerlichkeit, jede Frage, jede Antwort, jedes Verwerfen irgendeiner Antwort…

Was für eine Reise!

Wer Lust hat, zusammen mit mir Yoga zu machen, findet mich in Kirchheim unter Teck oder auf youtube!

Von Herzen

Verena

Yoga im Alltag – Alltag mit Kinder…

Warum machen wir Yoga?

Ich meine: Warum nehmen wir Körperhaltungen ein, arbeiten mit dem Atem und genießen in der Schlussentspannung das wohlige Gefühl?

Geht es im Grunde vielleicht genau um dieses wohlige Gefühl NACH der Yogastunde?

Und was genau lässt uns so wohlig fühlen?

Wenn wir eine Stunde lang unseren gesamten Körper gedehnt, geöffnet und gestärkt haben, befindet sich unser Bewusstsein nicht aussschließlich im Kopf, sondern verteilt sich gleichmäßig auch in unseren Körperempfindungen und Emotionen. In diesem Gleichgewicht ist unser Denken weniger aufgestachelt von all dem „sollte“ und „müsste“ und „könnte“ und stattdessen mehr präsent in dem, was sich ganz natürlich und lebendig eben gerade zeigt. Dann ist da in aller Bewegung auch ein Ruhen.

DAS macht Yoga so attraktiv für uns.

Und JA! Dafür sind Körperübungen nicht unbedingt notwendig. Manchmal katapultiert uns zum Beispiel die frische Morgenluft mit einem schönen Lichtspiel und zwitschernden Vögeln geradewegs aus unserem eben noch müden, nörgelnden und kämpfenden Selbst mitten in einen Moment des berührt-Seins hinein. Und plötzlich erscheinen all die Widerstände und Probleme in einem anderen Licht.

Manchmal hören oder lesen wir einen Satz, der uns genau da berührt, wo wir berührt werden möchten und manchmal fühlt es sich so an, als bräuchten wir eine Menge Bewegung, um all die Spannungen irgendwie ausagieren zu können…

Es gibt keine Regel!

Nicht mal für uns selbst – denn auch wir stecken immer wieder in neuen Lebenssituationen, die mit denen von gestern eben nicht mehr wirklich vergleichbar sind. Im Grunde ist tatsächlich jeder Augenblick neu!

Und wir lernen mit jedem dieser neuen Momente. Wir lernen INDEM wir leben. Unser Lernen ist nicht etwas, das allein geistig begriffen werden könnte. Denn es ist ganzheitlich: Körperlich, emotional, geistig, seelisch,… Es ist so viel mehr, als jedes Wort. Es ist LEBENDIG!

Jeder – wirklich jeder – Augenblick des Lebens ist VOLL von diesem Ruf DU zu sein! Jedes Gespräch, jede Tätigkeit am Computer, Wäsche waschen, Hausis mit den Kindern machen,…  Jeder Moment, in dem wir GEGEN diesen Moment sind (auch wenn es nur minimal und sehr subtil ist), sowie jeder Moment, in dem wir uns leicht und berührt fühlen. Jeder Moment der Freude und jeder Moment der Wut. Jeder Moment des Nicht-Verstehens, sowie jeder Moment des Begreifens. Und dabei ist jeder Augenblick genauso vollkommen wie jeder andere. Jeder birgt einen Schatz in sich: Das Leben selbst!

Ja! Wütend sein IST Leben. Es ist kein halbes Leben, es ist volles Leben.

Auch jeder Moment, in dem wir hadern und unser Verstand Pirouetten dreht ist dieselbe Fülle (auch wenn es sich nicht voll anfühlt). Es ist genau DAS, was gerade gelebt, erfahren und damit „gelernt“ wird. Wir lernen wie es sich anfühlt. Wir lernen die unterschiedlichen Qualitäten des Lebens kennen. Lebendig kennen.

Wir lernen „Hilflosigkeit“ und die Idee „Kontrolle haben zu können“. Wir lernen Angst, Vertrauen und alle Dimensionen dazwischen.

Ein Tag, an dem also alles schief zu laufen scheint, ist kein verlorener Tag. Es ist ein wertvoller Tag. Er gibt uns ein Gefühl von Leiden und zeigt uns gleichzeitig, wie die „Idee von Ich“ der Grund von allem Leiden ist. Wenn wir im Widerstand sind, ist es immer das: „ICH will das so nicht. So ist es falsch (finde ICH!). So hatte ICH mir das nicht vorgestellt.“

Oder: ICH verliere die Kontrolle. Keiner sieht MICH. Keiner versteht MICH.

Wer zum Teufel ist eigentlich dieses „Ich“???

Mal findet es dies, mal das,…

Wenn wir jedoch das, was IST, einfach in seiner ganzen Fülle passieren lassen, mit all der Enttäuschung oder Überraschung, mit all dem Unbekannten, Zauberhaften und Erschreckenden, das darin liegt, dann verändert sich etwas. Schmerz löst sich nicht einfach auf. Was sich aber auflöst (oder zumindest lockert), ist der Widerstand und die Angst vor dem Schmerz. Und manchmal bemerken wir dann, dass zum Beispiel auch im Schmerz eine „Tür“ zu dem selben Frieden und der selben Ruhe liegt, die wir oft am Ende der Yogastunde empfinden.

Der Schlüssel liegt in der Erlaubnis, sich ganz mit dem Leben zu bewegen – trotz all seiner Unsicherheit, trotz all seiner Tiefen, Grausamkeiten und trotz all seiner unbeschreiblichen Höhen.

Und das geht während wir Gute-Nacht-Lieder singen (und uns damit selbst berühren) oder während wir vor unseren Kindern zugeben, dass wir gerade voll den Mist gebaut haben, so dass wir JETZT nochmal NEU anfangen können (zum Beispiel mit den Hausaufgaben oder irgendeiner anderen Diskussion).

Das geht auch indem wir während eines Streitgespräches mit dem Partner bemerken, dass wir gerade nicht von unserer Sichtweise ablassen können, dass wir kämpfen. Unabhängig davon, ob wir dann weiter kämpfen und den Schmerz davon, aber auch die Anziehungskraft dieses „Recht-haben-wollens“ spüren oder ob wir tatsächlich plötzlich umschwenken und dem anderen Standpunkt Raum geben.

Was in beiden (in allen) Fällen gleich bleibt, ist dieses SEIN mit uns. BewusstSEIN. Und die Schönheit dieser Weite, die all das zulässt. Die uns zulässt – mit all unseren „verqueeren“ Eigenheiten. Und die den anderen zulässt, mit all seiner undurchschaubaren Ganzheit, die sich in jedem Augenblick neu zeigt. Ebenso wie die meine.

Am Ende verschwimmt möglicherweise diese Trennung in „dein“ und „mein“, die im Grunde sowieso nur auf der Sprach- und Denkebene existiert.

Was bleibt ist pure Lebendigkeit.

Lebendigkeit, die immer VOLL ist. Egal, ob wir uns gerade bewusst entspannen (in der Sauna oder der Badewanne zum Beispiel) oder ob wir gerade mitten in einem Wäscheberg sitzen oder drei Kinder gleichzeitig anziehen müssen, Büroarbeit machen, müde ins Bett fallen oder uns nach den Asanas zur Meditation hinsetzten 🙂

 

Yoga mit Verena     yogalini.de