Komfortzonen und natürliches Reifen

Gestern wurde ich mal wieder von einem meiner Lehrer inspiriert und möchte hier meine eigenen Gedanken dazu gerne mit euch teilen:

Es geht um unser natürliches Bedürfnis im Gleichgewicht zu ruhen und darum, dass uns das Leben ebenso natürlich aus eben diesem Gleichgewicht immer wieder „heraus haut“.

Warum?

Das, was wir aktuell als unseren persönlichen „Wohlfühlraum“ bezeichnen, ist der Raum, in dem wir uns relativ gut auskennen. Selbst wenn er nicht immer dem „Himmel auf Erden“ entspricht und vielleicht sogar verschiedenste Kompromisse beinhaltet, so ist dieser Raum immerhin bekannt und deswegen allem vorzuziehen, das nicht eindeutig und erkennbar „besser“ ist, als dieser bekannte Raum. Das ist ein natürliches menschliches Bestreben.

Mein Ex-Mann hat neulich zu mir gesagt: „Verena, faul sein ist natürlich. Es ist ein natürliches Prinzip. Guck dir irgendein Tier an, jedes einzelne macht exakt das, was es benötigt. Kein einziges Tier rennt wie besessen durch die Gegend und kriegt schier einen Herzinfakt, nur um irgendwelchen, verrückten Konstrukten zu folgen.“

Er hat Recht.

Und dennoch machen wir (Menschen-Tiere) auch das und zwar genau dann, wenn dieses rastlose, klar definierte Abrackern das ist, was wir für uns ganz persönlich als „Komfortzone“ verstehen.

Jede Komfortzone sieht anders aus, ist sehr individuell.

Sie ist der Raum, der uns das Gefühl gibt, HIER haben wir die Kontrolle, denn die Regeln und Grenzen scheinen eindeutig zu sein.

Diese Eindeutigkeit ist im Grunde aber nichts anderes, als die ewige Wiederholung des Gleichen in einer etwas anderen Variante.

Das ist nun überhaupt nicht schlimm oder schlecht oder sonst irgendwas. Es ist einfach das, was natürlich passiert!!!

Das, was natürlich passiert ist so, als würden wir die selbe Sache von einem etwas anderen Blickwinkel anschauen. Dabei sind die Schritte zart. Wir drehen ein klein wenig den Kopf oder tapsen ein wenig nach rechts oder links und sehen dann ein weiteres Mosaikstück dessen, was wir vor uns haben.

Evolution ist nun das natürlich Bestreben sich zu entwickeln, weitere Möglichkeiten auszutesten, den Raum auszudehen, die aktuelle Grenze zu sprengen.

Deswegen ist alles in Bewegung. Selbst wenn wir uns bemühen, den Kopf nur ein bisschen zu heben und keinen Schritt weiter zu gehen, weil gerade alles so perfekt ist, bewegt sich das Leben dennoch weiter.

Manchmal ist das minimale Heben des Kopfes unser ständiges Rennen, das nur so aussieht, als würden wir uns von der Stelle bewegen. Im Grunde leben wir Tag ein, Tag aus, das selbe Muster von „so ist es richtig, das weiß ich genau“.

Wenn wir die aktuelle Grenze sprengen, dann übertreten wir immer die Grenze dessen, was wir bisher für wahr gehalten haben, denn wir betreten einen unbekannten Raum.

Alles, was wir kennen, ist das Gestern (bzw. das, was uns zu diesem Zeitpunkt möglich war, zu erkennen).

In Wirklichkeit beinhaltet dieser (immer neue) Augenblick tatsächlich die Möglichkeit völlig neu zu schauen!!!

Dann jedoch müssten wir zumindest für Augenblicke die Idee loslassen, dass wir bereits wüssten.

Die Idee vom Wissen gibt uns Sicherheit. Sie erzählt uns, dass sie uns schützt: Vor weiteren Verletzungen, Fehltritten und dergleichen.

Hier gilt es nun ganz genau zu unterscheiden: Welche Stimme spricht gerade in uns?

Ist es die Stimme der Angst, die uns in der bekannten Kompfortzone Sicherheit verspricht?

Oder ist es die Stimme, die unser authentisches Gefühl in Bezug auf diese bestimmte Sache ausdrückt?

Sind wir überhaupt in der Lage, diese beiden Stimmen voneinander zu unterscheiden?

Das sind wir eigentlich nur dann, wenn wir schon ein bisschen Übung darin haben im „genau Hinsehen“ und dann, wenn wir dieses ganze „Thema“ (Selbsterforschung) überhaupt irgendwie interessant finden. Ansonsten laufen wir unentwegt in unseren Automatismen – einfach weil es das Einfachste und Effizienteste ist.

Aber selbst dann, wenn wir uns ungern bewegen – vielleicht schon ein bisschen, aber bitte nur so viel, wie ich das Gefühl habe, mein „Ich“ behält in alldem den Überblick -, fließt die Lebendigkeit natürlich weiter.

Es gibt definitiv, absolut nichts innerhalb dieser Lebendigkeit, was auch nur einen einzigen Augenblick still bleibt. Nicht mal so massive Dinge wie Berge, Tische oder Stühle. Die Dinge nutzen sich ab, sie werden dreckig, hier oder dort wackelt ein Stein, wächst eine Blume oder wird eine Blume geplückt.

Jede Beziehung, die wir eingehen, verändert sich mit jedem Wort, das wir sprechen oder nicht sprechen. Plötzlich fühlt es sich hier miteinander anders an – warum? Weil die Person, die hier involviert ist, nicht mehr die selbe ist, die sie gestern noch war, denn mittlerweile hast du dieses oder jenes Buch gelesen, diesen oder jenen Gedanken gehabt, in diese oder jene Augen geschaut,…

Wir können all das nicht festhalten. Dazu ist es überhaupt nicht gemacht. So wie das Wasser dazu da ist zu fließen und das Feuer dazu da zu brennen, so bewegt sich alles – jede einzelne Zelle in uns vibriert! In jedem Moment!

Egal, ob du krank auf dem Sofa liegst, ob du mit dieser Situation niemals gerechnet hast, ob du dir wahnsinnige Vorwürfe machst oder dich befreit fühlst, hungrig bist oder sonst irgendetwas.

Wenn wir uns daran erinnern, könnte es sein, dass wir Lust bekommen, mit dieser Situation zu wachsen, anstatt an ihr zu leiden (oder sie kontrollieren zu müssen).

In jedem Leiden steckt immer der (versteckte) Glaube, dass es etwas geben könnte, das besser wäre, als das, was ist.

Tatsache aber ist, dass JETZT DAS HIER IST.

Tatsache ist, dass das Leben einfach weiter geflossen ist, um dir noch mehr Farben zu zeigen. Eigentlich um nun diese andere Farbnuance zu SEIN!

Aber dein kleines „Ich“ glaubt es besser zu wissen, möchte die alte Haut nicht abstreifen, klebt an der Erinnerung, fühlt sich damit sicher, alles ist wunderbar eingeordnet in dieses oder jenes Konzept von Leben. Hier scheint es planbar und damit das Glück.

Wir suchen Glück in der Regel innerhalb unserer Komfortzone.

Das ist bekanntes Glück.

Wir geben diesem Glück Namen: „sicherer Arbeitsplatz“, „unterstützender Umgebung“, „Harmonische Beziehung“, „bedingungslose Liebe“, „Erleuchtung“, …

…ohne eine echte Ahung davon zu haben, was jeder dieser Bergiffe wirklich ist.

…ohne eine echte Ahnung davon zu haben, dass jeder dieser Begriffe, mit einem Inhalt gefüllt ist, der nicht fest ist, der sich nämlich wandelt mit jedem Atemzug und mit jedem natürlichen Überschreiten unserer aktuellen Bewusstseinsgrenze.

Das, was Leben IST, befindet sich immer außerhalb dessen, was wir mit unseren Meinungen und unserem Wissen versuchen zu begreifen und zu halten.

Denn Leben tanzt..

Glück im Bereich der Komfortzone kann kein Dauerhaftes sein, denn das Leben kickt uns irgendwann wieder raus, aus diesem aktuell bekannten Bereich. Irgendetwas ändert sich immer: Unser Körper, unser Gegenüber, die Umstände, unser Bewusstsein,…

Glück ist ein SEINS-Zustand.

Er ist unsere Natur.

Glück liegt nicht in den Dingen, die sich verändern und die wir so gerne so organisieren würden, dass sie sich zum „Guten“ (Glücklichen) entwickeln.

Glück liegt in dem, was Veränderung IST.

Glück liegt in der „Mitte“ von jedem Atemzug, in der Mitte von jeder schmerzlichen Erkenntnis, in der Mitte von jeder neuen Erfahrung, für die wir noch keinen Namen gefunden haben, die wir noch nicht eingeordent haben in „sinnvoll“, „hilfreich“, „falsch“ oder was auch immer.

Du BIST Glück!

Verspürst du nicht direkt Lust, mit diesem natürlichen Fluss direkt mitzufließen? Da einzutauchen in diese Bewegung, in dieses Unbekannte hinein?

Tiefer zu schauen, mehr zu fühlen, als das, was du bereits kennst? Selbst wenn das aktuell vielleicht bedeutet, sich diesem Schmerz oder dieser Unsicherheit auszusetzen?

Was fühlt sich lebendiger an?

Wofür schlägt dein Herz?

<3

Verena


Mit sich SELBST streng oder weich SEIN – das ist hier die Frage

„Am Montag warst du aber richtig streng“ war das Feedback einer Teilnehmerin, die ich gestern Mittag in der Stadt getroffen hatte.

Ich musste lachen, denn ich wusste genau was sie meinte. Irgendetwas hatte mich in der Yogastunde am Montag Abend „geritten“ und mein Fokus war voll und ganz darauf ausgerichtet, eine Atmosphäre zu schaffen, die alle Anwesenden anhielt WACH zu sein.

Kennst du das Gefühl, immer so ein bisschen im Trott des Bekannten zu schlafen?

Oft ist das Bedürfnis nach Entspannung gar nicht das natürliche Schwenken in das Gegenteil von Aktivität, sondern die natürliche Reaktion auf einen Alltag in dem wir halb-lebig Automatismen tun, von denen wir das Gefühl haben, ihnen hilflos ausgeliefert zu sein.

Was ist es wirklich, wirklich, wirklich, was uns das Gefühl von „Hilflosigkeit“ vermittelt?

Woran halten wir fest, wenn wir meinen, wir seien nicht frei genug JETZT diesen Moment hier lebendiger zu gestalten?

Zurück zum Thema „Strenge“:

Oft bin ich in meinen Stunden sehr zart und weich. Denn ich fühle regelrecht wie es einen Gegenpol braucht zur der Struktur, die von Außen organisiert wird und sich in unserem Inneren wiederspiegelt in der Idee, wir müssten es irgendwie „anders“ machen, besser, klarer, fokussierter, entspannter, lockerer, mutiger,…

Das Problem: Anstatt es WIRKLICH anders zu machen (in einem neuen Augenblick), verschwenden wir alle Energie, die uns JETZT zur Verfügung steht, damit, uns selbst zu verurteilen.

Und manchmal auch noch ein zweites Mal: Wir verurteilen uns auch noch dafür, dass wir uns schon wieder verurteilt haben.

Wo sollten wir wirklich streng mit uns sein?

Oft setzen wir mit unserer Weichheit und unserer Strenge genau an den verkehrten Enden an. Wir sind da streng, wo es Sanftheit bedarf und da nachgiebig, wo wie Klarheit und eine gewisse Strenge brauchen.

Oft hacken wir da, wo wir (oder jemand anderes) vermeintlich einen Fehler gemacht hat, ordentlich auf uns, dem anderen oder der gesamten Situation herum, anstatt ehrlich anzuerkennen, dass das, was passiert ist, aus vielen verschiedenen, vielschichtigen Gründen passiert ist:

  • Ich und mein Gegenüber hatten zu genau diesem Zeitpunkt genau die Energie zur Verfügung, die zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand
  • Ich und mein Gegenüber hatten zu genau diesem Zeitpunkt genau die Persepktive, die wir in diesem Augenblick hatten
  • Ich und mein Gegenüber hatten in diesem Moment genau den Handlungsspielraum, den wir damals wirklich hatten – und nicht den, den wir uns heute ausmalen können

Wir können uns im Nachhinein zwar ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn wir damals dieses oder jenes nicht im Kopf gehabt hätten und stattdessen den Blick mehr auf was weiß ich was gelenkt hätten…

Aber die Wahrheit ist: Wir haben so gehandelt, weil zu diesem Zeitpunkt genau dieses Muster, genau diese Unsicherheit oder was auch immer aktiv war und wir haben in diesem Moment das gegeben, was wir geben konnten.

Alles andere ist Illusion!

Sei hier streng! Denk nicht weiter und weiter und weiter und erzähl es deiner Freundin und reg dich nochmal darüber auf und noch einmal und vertiefe jene destruktive Sicht mehr und mehr.

Sei streng!

Werde still.

Sei ehrlich.

Es war wie es war. Und es ist jetzt vorbei.

Und das gilt direkt – Sekunden nach – jeder Auseinandersetzung mit dir selbst und mit all denen, denen du nahe stehst.

Fühle das Gefühl, was jetzt auftaucht.

Fühle den Schmerz oder was immer es ist und erlaube dem Kopf nicht die Geschichte irgendeine Geschichte darüber zu erzählen. Der Kopf wird niemals in der Lage sein, wirklich alle Zusammenhänge zu durchschauen, denn letztlich bleibt er bei der Logik stehen, während menschliches Sein so so viel mehr ist als das.

Sei streng!

Atme!

Sei mutig genug, dir selbst in diesem Sturm zu begegnen!

Denn all dein Rennen im Kopf ist am Ende nichts anderes als der Versuch, dieses wilde Leben zu kontrollieren und dich wieder auf Spur zu bringen.

Was aber ist diese „Spur“ wirklich?

Sie ist der alte Pfad. Sie ist die Autobahn der alten Glaubenssätze.

Diese „Normalität“ ist bei jedem und jeder von uns individuell verschieden. Die eine kritisiert sich ständig, die andere glaubt immer, dass sie nicht gesehen wird, die nächste versucht mit allen Mitteln das schöne Bild von sich aufrecht zu erhalten… …und am Ende haben wir alle mehr oder weniger diese oder jene Tendenz.

Wenn wir lebendig sein wollen, müssen wir diese alten Autobahnen (=Automatismen) verlassen.

Dazu müssen wir wach sein! Und ehrlich!

Lebendig zu sein bedeutet, dass wir nicht wissen!

Wir wissen nicht, was das hier gerade bedeutet, aber wir sind wild und mutig genug es voll zu leben, es ganz zu fühlen, körperlich, emotional und energetisch.

Nicht lebendig zu sein heißt, dass wir nur halb anwesend sind. Wir sind im „Überlebensmodus“, versuchen nicht unter zu gehen, versuchen den Anforderungen (unseren, eigenen Anforderungen, die irgendwann vor langer Zeit mal an uns gestellt wurden und nun zu unseren eigenen geworden sind) zu genügen. Wir haben total vergessen, die Fragen des Lebens SELSBT zu beantworten.

Als Kinder, als wir noch in unserer Kraft standen, da wussten wir um die Lebendigkeit. Wir wussten, dass die Antworten der Erwachsenen natürlich veraltet sind und für uns nur noch bedingt gelten. Wir ehrten das Wissen der „Alten“ auf so selbstverständliche Weise, dass es keiner Rituale bedurfte. Es war ja ganz natürlich unsere Basis, auf der nun unser Leben aufbaute und auf der sich ganz natürlich, durch unsere lebendigen Erfahrungen, alles bereits Gewusste (durch unser Sein) weiterentwickelte…

Je älter wir wurden, desto mehr begannen wir an dieser inneren Klarheit zu zweifeln. Bis diese Stimme kaum mehr zu hören war…

Den Preis den wir zahlen, wenn wir wilde Lebendigkeit versuchen in starre Gerüste zu packen, ist das Stocken der Lebensenergie. Dies fühlt sich frustriert an, müde, genervt, unlebendig.

Wenn wir diese Energie jedoch wieder in Fließen bringen, können wir auch im „Alter“ noch frisch sein, ganz einfach, weil dieser Moment hier frisch ist!!!

Wir können JETZT eine lebendige Erfahrung machen! Ganz unabhängig von dem, was eben passiert ist!!!

Um die Lebendigkeit in dir wieder ins Fließen zu bringen, fange an dich (deinen Körper) zu bewegen. Am besten unkontrolliert. Verlasse alle Formen des bekannten und tanze wild! Schneide Grimassen! Zapple rum!

Um ein autentisches Körpererleben von Wachheit zu bekommen, kann dich natürlich auch Yoga unterstützen. Du lernst dich innerlich aufzurichten und in deine eigene Aufrichtigkeit hineinzuwachsen. Und du lernst wirklich abzugeben, loszulassen, dich hinzugeben – nicht nur theoretisch im Kopf.

Anstatt dich oder andere zu verurteilen, beginne anzuerkennen was IST!

Anerkennen ist wertfrei!

Es ist einfach der Versuch klar zu schauen.

Im klaren Schauen, darf alles sein!!!

(P.S.: Auch das, was wir nicht so gerne sehen wollten)

Wenn wir damit entspannen, passiert Weichheit.

Hier ist Weichheit sehr heilsam.

Wenn wir nun aber einen Augenblick haben, in dem die Bewusstheit so Hälfte-Hälfte ist, zwischen dem altbekannten Muster und der Möglichkeit WACH zu bleiben,…

DANN sollten wir streng mit uns sein!

Es bedarf Wachheit und einer klaren Ausrichtung, um JETZT nicht in das alte Muster hineinzufallen, dass ich mir selbst nur dann genügen kann, wenn ich zuerst all den scheinbaren Anforderungen genüge.

Was heißt „wach bleiben“?

Wach bleiben ist keine Starre, es ist kein Programm auf das ich zurückgreifen kann. Es ist vielmehr die Bereitschaft, in diesem Augenblick mit diesen stürmischen Wellen hier „still“ zu sein und klar zu unterscheiden, welche Welle ich wirklich, wirklich reiten will!

Ist das hier gerade „meins“ oder folge ich nur der Tradition?

Was macht mich glücklich?

Wofür schlägt mein Herz?

Dieser neue Kontakt mit mir darf wachsen!!! Er muss nicht schon ausgereift sein. Wie sollte er auch?

Wir stehen evolutionär betrachtet (als Menschheit) gerade an einem Wendepunkt in dem theoretisch alle Lebenskonzepte geduldet sind und ständig neue erfunden werden.

Theoretisch ist es kein Problem „schwul“ zu sein, keine Kinder zu bekommen, sich scheiden zu lassen, keine Konfession zu haben oder was auch immer. Überall – d.h. in jeder verkörperten Seele – wird lebendig „erforscht“ wie sich Beziehung gestalten kann, wie Erziehung aussehen kann, wie Arbeit aussehen kann,… …wenn sie WAHRhaftig ist. Wir alle sind mitten drin in diesem „Forschungsprojekt“ und lernen in jedem Augenblick unserer scheinbare Fehler.

Während jedoch gleichzeitig all die alten, konditionierten Glaubenssätze und Traumen in unserem gesamten Nervensystem, Körpergedächtnis und Unterbewusstsein voll aktiv laufen.

Das ist eine ziemlich explosive Mischung.

Hier dürfen wir also definitiv weich mit uns sein

…und müssen defintitiv streng sein, wenn wir wirklich etwas neues, lebendiges erleben wollen!

Die Frage ist nun: Wann passt was?

Am Ende findest du in deiner eigenen Innenschau, in deinem gelebten Alltag, selbst die Augenblicke, in denen Sanftheit gut tut und in denen Sanftheit nur dazu dient weiter zu schlafen!

Wenn du ganz, ganz ehrlich mit dir bist, dann kannst du es glasklar sehen!

Vergiß die Geschichte dazu!

Bleibe still!

Das ist der Fokus <3

Von Herzen,

Verena

P.S.: Wer Lust auf eine Einzelarbeit mit mir hat findet mich (Verena Kamphausen) persönlich in Kirchheim unter Teck und ansonsten per Telefon oder Skype.



Rückzug

Oder: Die Bereitschaft vollkommen ehrlich mit mir zu sein!

Der 11. Januar 2019

Das neue Jahr ist also schon ganze 11 Tage alt.

Wie geht es euch damit?

Schon wieder richtig „angekommen“ im Alltagsleben?

Oder vielleicht sogar gar nicht richtig rausgekommen, weil die Zeit zwischen den Jahren auch ganz schön turbulent war?

Wißt ihr was? Es ist immer noch Winter!!! Auch wenn die längste Nacht schon vorbei ist, dauert es dennoch eine ganze Weile bis die ersten Blumen aus der Erde sprießen werden. Unsere Kraft darf sich immernoch nach Innen zurückgezogen haben. So wie die Bäume immernoch im tiefsten Winterschlaf stecken. Wir dürfen immernoch verarbeiten und vorbereiten…

Das ist das kostbare auf der Erde. Es gibt so etwas wie „Zeit“. Innerhalb der Zeit findet Ent-wicklung statt, d.h. Form annehmen und Trans-FORM-ation (also Veränderung).

Und wir alle haben unseren UREIGENEN Rhythmus, der nicht an bestimmte Daten gebunden ist, sondern sich ganz allein durch unser „Innerstes“ im Zusammenspiel mit den äußeren Erscheinungen ergibt.

Wo stehst du gerade?

Was ist DRAN?

Was ist WIRKLICH gerade DRAN für DICH?

Ich für meinen Teil hatte ein sehr turbulentes Jahr 2018 und es gab wirklich einiges anzuschauen! Ich habe mich daher sehr auf die Weihnachtszeit und die Zeit zwischen den Jahren gefreut und sie diesmal auch wirklich ganz bewusst genutzt, um in meine eigene „Tiefe“ zu tauchen. Dabei geht es gar nicht in erster Linie darum, mit irgendetwas abzuschließen, etwas loszulassen oder neu zu visualisieren oder zu manifestieren. Für mich ist das nährenste und befreienste eigentlich die Erfahrung, dass ich es quasi „aushalte“ mit „mir“ zu sein – in all den unkontrollierten Tiefen meiner Selbst.

…was im turbulenten Alltag ja oft durch allerhand Geschäftiges nur bedingt Raum findet.

Es sei denn, wir halten Ausschau uns diesen Raum immer wieder und wieder neu zu nehmen!

Es ist ein bisschen schwierig das in Worte zu fassen, was da in unserer „Tiefe“ auf uns wartet. Denn die Begrifflichkeiten, die wir ansonsten benutzen, um verschiedene Befindlichkeiten und Qualitäten mit dem Verstand greifbar zu machen, existieren dort irgendwie auf andere Weise.

Es ist so NAH dran an mir, an pulsierender Lebendigkeit, an „Liebe“ (und ich meine damit eben genau nicht das, was wir gemeinhin recht schnell als „Liebe“ bezeichnen), dass Worte und Begrifflichkeiten absolut unnötig werden. Anstatt dieser taucht eine Art Offensichtlichkeit, Fraglosigkeit und Klarheit auf. In dieser Qualität fällt alles natürlich an seinen Platz, während es absolut frei und lebendig bleibt. Da ist Vollkommenheit – jedoch ohne eine Einteilung wie „richtig“, „gut“ oder deren scheinbare Gegenteile.

Wenn ich mich auf diese Weise auf „MICH“ einlasse, dann stelle ich mir kein Ziel VOR mich hin. In der Art, dass ich irgendwo ankommen muss, was ich meine „Mitte“ nennen könnte. Das einzige, was mich gewissermaßen leitet, ist die Bereitschaft ehrlich mit mir zu sein.

Da ist also niemand, dem ich Rechenschaft ablegen müsste, der mich bewerten könnte, der mich ablehnen könnte, loben oder anhimmeln – außer ich selbst. Also erlaube ich mir durchaus auch diesen Perspektiven Raum zu geben, während ich mich quasi durch all diese Persepktiven „hindurcharbeite“ bis ich fühle, dass es WAHR ist.

Wahrheit in diesem Sinne, ist nichts, was ich auf einen Zettel schreiben könnte oder was für alle Zeiten so und so bleiben muss. Es ist einfach ein PURER Moment. Ein Moment ohne Maske.

Und alleine WEIL er ohne Maske ist, ist er WUNDER-, wunderschön!

Die abgrundtiefste Traurigkeit, der größte Schmerz, die unglaublichste Weitsicht, Gefühle, welcher Art auch immer, werden in diesem Augenblick zu einer Feier des Lebens.

Das alles ist ziemlich „still“. Kein Feuerwerk. Und doch ist es auch ein Feuerwerk. Aber da ist kein „Jemand“ der Angst haben müsste oder sich stolz auf die Schulter klopft. Da ist eine Art nüchterndes Anerkennen und eine zarte Liebe, die all das in einen Zauber taucht. Es ist der Zauber der Echtheit.

Aber wie ich schon sagte, er taucht auf, wenn er auftaucht. Wenn alle Erwartungen über Bord geworfen wurden, wenn du bereit bist, die nackte Wahrheit zu ertragen.

Manchmal ist der Weg bis dahin ganz schön steinig, kalt, öde, langweilig, dunkel, heiß, wild, beängstigend,…

…und natürlich gibt es unzählige Möglichkeiten, sich auf dem Weg zu verirren. Der spielerische, kreative Verstand hat so, sooo viele Deutungsmöglichkeiten parat, um NICHT still zu werden. Er liefert zuerst hunderte von Gründen in diese Richtung hier zu schauen und danach ebensoviele Gründe, um in die genau gegenteilige Richtung zu blicken – und danach sucht er nach einer weiteren Perspektive.

Vielleicht fängt er mit dem Schuld-Thema an. Dann ist – je nach Programmierung – entweder zuerst der andere, die anderen oder eben du selbst SCHULD an was auch immer. Wenn du das durch hast (selbst wenn du nirgendwo so richtig ankommen konntest, weil alles irgendwie stimmt und irgendwie auch nicht stimmt), bietet er dir etwas neues an. Vielleicht eine Strategie, mit der du deine Gedanken oder Gefühle in eine bestimmte Richtung hin kontrollieren könntest. Ob das wirklich funktioniert, überlasse ich an dieser Stelle deiner eigenen Erforschung.

Wie weit es uns überhaupt möglich ist, den Verstand nicht ganz so ernst zu nehmen – oder ihn tatsächlich kreativ zu nutzen – ist meiner Meinung nach ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die wir sicher nicht alle beeinflussen können. Die Grenze ist letzendlich immer die Bewusstheit, die dir zur Verfügung steht.

Innerhalb unserer Bewusstheit gibt es durchaus so etwas wie einen Fokusspielraum. Gewissermaßen können wir uns also tatsächlich „entscheiden“, denn wir spüren Anziehung und Abstoßung (auch wenn wir diese Empfindungen nicht selbst wählen).

Wir bewegen uns in der Dualität. Also eigentlich nehmen wir (als körperlich-geistige Wesen) durch die (scheinbare) Dualität Form an und erfahren so „Trennung“. Trennung zwischen „ich“ und „du“, „außen“ und „innen“, „Tag“ und „Nacht“, „Nähe“ und „Distanz“,…

Diese „Trennung“ wiederum ermöglicht uns einen sehr besonderen Erfahrungsraum, der seine ganz eigene Schönheit hat. Und JA, das hat gerade auch mit unserem Wesenskern zu tun, der wiederum niemals wirklich „getrennt“ ist.

Als Menschen sind wir immer beides…

Wir können den Körper nicht leugnen. Egal was da als Ich-Bewusstsein gerade auftaucht oder nicht auftaucht. Als Mensch besteht unser Dasein daraus, „Energetisches“ in die Form zu bringen. Ganz einfach ausgedrückt: Menschlich zu SEIN. Zu sprechen, nicht zu sprechen, zu handeln, zu gestalten, zu berühren, nicht zu berühren,…

Dies alles macht besonders viel „Freude“, wenn wir uns unseres Wesens bewusst sind. Für mich ist unser „Wesen“ der Punk, wo sich das Vertikale mit dem Waagerechten trifft.

Das Vertikale ist das „göttliche Prinzip“, das sich durch das „Energetische“ in uns verkörpert. Vom Feinen ins Grobe. Von der Unendlichkeit in die Endlichkeit. Von der Verbindung in die (scheinbare) Trennung. Von der Weite in die scheinbare Enge der Form, als DIESE Empfindung hier, als dieses Körpergefühl, als dieser Gedanke, als dieses Wort, dieser Satz, diese Handlung…

…und schon bewegen wir uns (scheinbar) in der Zeit (hier beginnt die Wirkung der Waagerechten). Es wird möglich eine Geschichte zu erzählen. Jede Geschichte hat unzählige Perspektiven. Du bist eine dieser möglichen Perspektiven. Und diese ändert sich von Moment zu Monent.

Das Waagerechte sind die Erscheinungen der Erde: Form und Zeit. Entwicklung. Etwas nimmt Form an, verändert sich, löst sich (scheinbar) auf, nimmt eine andere Form an,… Angesichts des Zeitbewusstseins machen wir eine Geschichte daraus, versuchen Ursache und Wirkung auszumachen. Kein Stillstand.

Ist das nicht wunderbar?

Sobald wir uns also innerlich bewusst aufrichten, fangen wir an, uns für diesen vertikalen Kanal zu öffnen. Wir sind dann nicht mehr allein festgelegt auf die konditionierten Muster unseres Verstandes (die Vergangenheit, die wir auf die Zukunft projizieren), sondern haben Zugang zu der „Weitsicht“ des SELBST und der „Liebe“ des reinen Herzens.

Kannst du dich noch an „dein“ Problem erinnern? Das, was dich gerade aufwühlt und irgendwie „suchen“ lässt? Suchen nach einer Antwort, einer Lösung, einer befriedigenden Interpretation?

Versuch auf dieses „Problem“ mal aus der Perspektive deines „höheren Selbst“ zu schauen!

Ich weiß, dass du das kannst!!!

Du hast deinen ganz UREIGENEN Weg mit dem in Kontakt zu kommen. Nimm dir einen Moment Zeit. Schließe die Augen deines Körpers. Werde still. Richte dich aus.

Mach das wirklich mal! Ja, JETZT!

Oder gibt es wirklich etwas, was gerade anziehender ist?

Ja?

Genau das ist es, was wir in der Meditation machen: Wir verbinden uns mit der Vertikalität in uns. Diese ist bereits Teil von uns.

Die Yogapraxis bereitet diese Hinwendung gewissermaßen vor: Sie hilft dir, dich für diese Dimensionen in dir zu öffnen. Wenn du dich davon angezogen fühlst… Wenn es dich interessiert. Ansonsten ist es dir natürlich freigestellt, auch alles mögliche andere zu verkörpern! Beziehungsweise kreiert deine „innere Dynamik“ aktuell dann eben einfach irgendeinen anderen Erfahrungsraum.

Guck dir die Bäume an, die du siehst, wenn du jetzt gerade aus dem Fenster schaust: Sie tragen aktuell keine Früchte. Nicht mal ein Blätterkleid. Deswegen sind sie keinesfalls falsch oder schlecht. Sie „bewegen“ sich sogar in absoluter Harmonie mit ihrer Umgebung. Und ein anderer Baum, der gerade auf einem anderen Teil dieser Erde zu erblühen beginnt, ist keinesfalls wertvoller, reifer oder richtiger als die Bäume, die du siehst, wenn du heute aus dem Fenster schaust. Verstehst du?

Es gibt keine „richtige“ oder „falsch“ Hinwendung. Es gib kein falsches Form annehmen.

Alles dieselbe Lebendigkeit!

…in unterschiedlicher Form.

Aber wenn du das hier liest, dann kitzelt dich vermutlich die Frage nach deinem Wesenskern. Und dieser ist niemals wirklich im Verstand zu finden. Ganz einfach, weil der Verstand nur eine Möglichkeit des Formannehmes darstellt. Und dein Wesen viel mehr ist als das.

Alles, was im konditionierten Verstand möglich ist, ist ein sehr, sehr billiger Abklatsch im Vergleich zu dem, was der Verstand an Klarheit bereithält, wenn wir gleichzeitig mit unserem „Wesen“ in Verbindung stehen. Um diese Verbindung sozusagen zu aktivieren, braucht es jedoch so etwas wie den Wunsch danach.

Was willst du wirklich, wirklich, wirklich?

Was steht hinter deinen oberflächlichen Gedanken, Wünschen, Ablenkungen,…?

Bist du bereit immer mal wieder TIEFER zu FALLEN?

Der konditionierte Verstand ist wie ein Haltegriff, um nicht zu fallen. Und manchmal sind seine Theorien (insbesondere die „spirituellen“) auch die Fallstricke in denen dein „Ich“ sich verhäddert.

Bist du bereit ins Nicht-Wissen „aufzusteigen“? Und dort pure Offensichtlichkeit DIREKT (das heißt JETZT!) zu erleben – ohne zu „wissen“? Also ohne das, was du als „Wissen“ mitnehmen kannst?

Das, worüber wir diskutieren können, was wir glauben, verteidigen zu müssen, was wir meinen zu „wissen“, istabsolut leer. Deswegen haben wir das Gefühl, es verteidigen zu müssen.

Das „Ich“ hat sich an dieses „Wissen“ gehaftet, bzw. DU glaubst an diesen oder jenen Gedanken, jene Erfahrung, an die du mit Hilfe dieses „Wissens“ festhältst und deshalb existiert dieses DU in Abhängigkeit von all diesen Ideen über dich, diese Situation, diese Welt, usw.

Dein Wesen jedoch ist so viel größer, weiter und freier, als all dieses Wissen (egal wie schön oder schrecklich es auch erscheinen mag).

Weil wir uns damit identifizieren, mögen wir nicht so gerne dahin schauen. Deshalb halten wir uns an der Oberfläche fest.

Wir mögen auch nicht so gerne dahinschauen wo es wehtut. Wir meinen dann, dass „Wir“ uns auflösen, angegriffen werden, usw. wenn wir das Ganze in vollkommener Wahrhaftigkeit schauen.

Was sich aber auflöst, ist nur dieses konditionierte, verletzte, trotzige, ängstliche „ICH“. Nicht unser Wesen. Nicht die Lebendigkeit. Nicht die Kreativität. Nicht die Liebe.

Von Herzen

Verena

Was passiert, wenn wir den Kopf ablegen?

Jede Asana (jede Körperhaltung), die wir einnehmen, entspricht einer bestimmten Qualität. Das passiert ganz automatisch, ohne dass wir irgendetwas dafür tun müssten, denn unser Körper ist ganz natürlich Ausdruck von Lebendigkeit. Wir spüren das zum Beispiel wenn aufgeregt sind und ein mulmiges Gefühl im Bauch haben oder wenn unsere Augen müde sind und wir nicht mehr konzentriert nach außen schauen wollen…

Das heißt: Unser Körper zeigt uns gewissermaßen, was „innerlich“ gerade so abgeht. Er zeigt uns wieviel Kraft gerade zur Verfügung steht, er zeigt uns unsere wunden oder weichen Stellen…

Das heißt aber auch, dass – wenn wir anfangen unseren Körper zu bewegen – auch unsere inneren Strukturen mitbewegt werden. Wir stärken also beispielsweise unsere Basis (unseren Beckenboden) und damit berühren wir u.a. auch das Thema unseres Urvertrauens. Oder wir dehnen und öffnen vorsichtig (körperliche) Bereiche, die vielleicht seit langer Zeit hart und zusammengezogen waren und damit rühren wir ganz automatisch auch unsere eigene Berührbarkeit an.

Unser Körper ist Ausdruck unserer Schutz-, Flucht-, und Kampfreflexe – und all diese werden angesprochen, sobald wir mit einem körperlichen „Schmerz“ konfrontiert werden (damit arbeiten wir zum Beispiel in den passiven Yin-Haltungen ganz bewusst).

Was passiert nun, wenn wir unseren Kopf ablegen?

In den letzten Jahrzehnten hat sich das menschliche Denken zu einem immer schärferen Werkzeug herausgebildet. Und das ist wunderbar! Wir haben gelernt, uns unseres eigenen Verstandes mehr und mehr zu bedienen. Wobei man jedoch ehrlicherweise sagen muss, dass wir sehr, sehr oft eher die Gedanken (und Traditionen (auch spirituelle Traditionen)) von anderen denken, anstatt wirklich unseren eigenen Verstand zu benutzen. Ein Grund dafür ist sicherlich der, dass wir uns wenig Raum und Zeit nehmen, genauer Hinzuschauen! Oftmals scheinen wir so sehr beschäftigt, dass es notwendig ist, in Automatismen zu verfallen, anstatt Energie aufzuwenden, wirklich neu zu schauen – und dann vielleicht eben auch mal zuzugeben, dass man falsch lag oder es mittlerweile anders sieht oder dass man noch gar nicht so genau weiß, was man eigentlich darüber denkt!

Da ich menschliches Sein als ein sehr „komplexes Gebilde“ verstehe, sehe ich das Denken als einen wertvollen Teil dieses Seins – aber eben nicht als den einzigen.

Wenn ein Bereich lange Zeit intensive Aufmerksamkeit bekommt und dadurch wächst und sich ausbildet, kommt es vor, dass andere Bereiche zu kurz kommen und irgendwann ein enormes Ungleichgewicht entsteht. In der Regel gleicht das Leben das irgendwann ganz automatisch aus. Denn unser menschliches Leben formt sich gerade durch die Spannung (mindestens) zweier Pole.

Die Ganzheit wird erst sichtbar und erfahrbar durch das Gegenteil. Wir lernen über die Liebe u.a. dadurch, dass wir erfahren, wie sich die Abwesenheit von Liebe anfühlt…

Zum menschlichen Sein gehört neben dem notwendigen gedanklichen Erfassen von Lebendigkeit auch das körperliche Erleben von Kraft, Kraftlosigkeit, Anspannung, Entspannung, Weichheit, Verletzlichkeit, Sinnlichkeit, Genuss, Schmerz,…

…ebenso wie das emotionale Erleben von Lebendigkeit. Und auch „feinere“ Ebenen von Energie sind durchaus individuell und real erlebbar.

Wenn wir unseren Fokus lange Zeit im Kopf haben, kommt es vor, dass wir uns dort verhaspeln. Dann brauchen wir ein bisschen Aus-Zeit um wieder neu und weit denken zu können. Dabei kann uns u.a. der Körper und Körperarbeit dienlich sein.

Manchmal ist es hilfreich, ganz neue gedankliche Inspirationen einzuholen, um einen neuen Blick zu bekommen.

Manchmal ist es heilsam, die komplette Geschichte mal für einen Moment loszulassen und gar nichts wissen zu müssen und stattdessen mit der Erleichterung des nicht-Wissen-müssens zu sein (die u.U. vielleicht auch zunächst erst einmal als furchterregend erlebt wird – denn oftmals identifizieren wir uns wirklich komplett mit unseren Gedanken über uns und eine bestimmte Situation. Deswegen haben wir auch oft das Gefühl, genau diese Sichtweise verteidigen zu müssen).

Was passiert aber, wenn wir unsere Sicht komplett anerkennen und gleichzeitig offen dafür sind, dass diese Sicht nicht alles ist?

Sondern nur eine Sichtweise.

Was passiert?

Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, mal ganz authentisch und selbstständig nachzuforschen, werden wir herausfinden, dass Gedanken zunächst ungefragt erscheinen. Auch wenn sich Gedanken also quasi durch uns ausdrücken, so erscheinen sie doch zunächst ungefragt (in uns). Wir sind also nicht diese (tollen oder schrecklichen) Gedanken. Wir könnten auch ganz anders darüber denken…

Tun wir aber nicht.

Egal warum, wir gerade genau dieses hier für bedeutsam halten, – HIER entfaltet sich gerade diese Form.

Und wir sind Ausdruck dieser Form und gleichzeitig Beobachter dieses Ausdrucks.

Im Anschluss an das Auftauchen eines Gedankens, legt sich das Bewusstsein mehr oder weniger darauf (d.h. der Gedanke wird uns mehr oder weniger bewusst oder eben nicht bewusst) und zusätzlich wird dieser Gedanken mehr oder weniger für wahr gehalten – oder für weiter erforschungsbedürftig erachtet. Gleichzeitig mit dem Gedanken (bzw. kurz darauf) zeigt sich dann auch ein entsprechendes Gefühl zu jenem Gedanken. Dieses veranlasst uns direkt zu einer Reaktion, der – je nach innerer Struktur – blind gefolgt wird oder die mit mehr oder weniger Spielraum erforscht wird.

Wenn wir unseren Kopf jetzt ablegen, passiert etwas in unserem Körper- und Nervensystem. Denn wir legen den Teil ab, mit dem wir uns zumeist indentifizieren. Ohne, dass wir irgendetwas dafür tun müssten, entspannt etwas in unserem System. Und das kannst du ganz einfach selbst überprüfen:

Leg deinen Kopf einmal vor dir auf den Boden ab.

Was passiert?

Was passiert, wenn du gar nicht „nach draußen in die Welt“ schauen kannst und damit auch nicht so wie sonst in das ganze Spiel von „ich“ und „du“ eintreten kannst. Du siehst – selbst wenn du die Augen jetzt öffnest – nicht weit, sondern gerade auf den Boden, auf den Platz, an dem du stehst (bzw. gerade sitzt/liegst).

Du bist weniger mit dem konfrontiert wie irgendetwas aussieht, was die anderen machen, wie es bei den anderen aussieht,…

Du bist mehr bei dir.

Stell dir jetzt vor, jemand würde dich ansprechen und mit dir über irgendeine Sache diskutieren wollen. Was würdest du tun? Du würdest deinen Kopf heben und deinen Standpunkt deutlich machen wollen, indem du dem anderen auf Augenhöhe gegenüber trittst (inklusive all deiner anderen energetischen, psychischen und körperlichen Muster von Vertrauen, Schutz, Angst und Kontrolle).

Hier kannst du einen Eindruck davon bekommen, wie die Körperhaltungen (immer schon) wirken – in die eine und in die andere Richtung.

Wenn du mehr darüber herausfinden magst, dann komme doch mal in eine meiner Yogastunden (in Kirchheim/Teck) oder besuche micht auf youtube:

Yin-Yoga:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=rY1O4kpdpNQ

 

Yoga für die Schultern/Rücken:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=LSGox63HTgs

 

Gespräch über „Raus aus dem Kopf – Rein in den Moment“:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=TkKhbRsrCCg

 

Ich freu mich auf dich!

Von Herzen, Verena

Die dunkle Nacht… (Oder: Sterne sieht man nur im Dunkeln)

Wenn die Tage am kürzesten sind und es manchmal gar nicht richtig hell werden will…

…und  wenn Schnee und Regen im Gesicht uns manchmal den Impuls geben, uns in unserer ganzen Körperhaltung zusammenzuziehen…

An diesen grauen Tagen sind wir manchmal seltsam melancholisch, müde oder gereizt.

Das sind die Tage, die uns einladen, still zu werden.

Oft jedoch lehnen wir diese Einladung ab. Denn im ersten Moment erscheint diese trübe Suppe nicht sehr attraktiv. Aber ist dir schon mal aufgefallen, dass die Sterne nur im Dunkeln sichtbar sind?

Erst die Dämmerung lässt den Kerzenschein sichtbar und gemütlich, warm und heilsam werden.

Das Licht leuchtet erst im Dunkeln.

Ja! Die Sonne ist auch ein Licht. Und ihre Kraft ist wunderbar. Aber auch sie kann zu heiß und schmerzhaft sein.

Manchmal lohnt es sich, sich auf das Dunkle der Nacht einzulassen. Auf die Ungewissheit, auf Nicht-Wissen und Nicht-Sehen. Auf den Schmerz oder die Müdigkeit und auf die Kraftlosigkeit. Erst wenn wir aufhören, DAGEGEN zu sein und MIT diesen Qualitäten gehen, können wir IN ihnen einen Schatz entdecken. Dieser Schatz ist keiner, den man irgendwo erlesen könnte. Es ist ein intimer Schatz, ein subtiler, der allein in der Erahrung selbst liegt. Er liegt in der Innigkeit mit uns selbst. Er liegt dort, wo wir immernoch lebendig SIND – IM Grau und IN all den Formen und Gefühlen, die im ersten Moment so unattraktiv erscheinen.

Wenn wir uns DA finden, ist da eine Süße, die uns nährt…

Gerade dann wenn es scheint als gäbe es keine Alternative. Wenn es nur DAS gibt und die Dunkelheit kein Ende zu haben scheint. Manchmal begegnen uns hier eine Menge unerwarteter Schreckgespenster. Im ersten Augenblick wollen wir nur wegschauen, die Augen zu machen und verschwinden…

Wenn wir aber da bleiben – denn WO sollten wir hingehen?

Wenn wir da bleiben und uns von der Dunkelheit umarmen lassen, kann es sein, dass diese uns in unserer Tiefe berührt. Und das ist wirklich wunderschön.

Es ist die eine Richtung der Vertikalität des Kreuzes. Es ist eine Dimension des Lebens selbst und es ist in sich VOLL. Vollkommen.

Ich finde, es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

Und ich finde auch, dass der Winter ganz wunderbar dazu einläd – immer wieder.

Gut manchmal scheint das unmöglich: Wichtige Termine, Deadlines, to-do-Listen, die nicht warten können, alltägliche Erledigungen, Extra-Einladungen und der ganz normale Alltag…

Und wenn das so ist, dann ist das so. Dann passiert TUN und MACHEN. Vielleicht macht es Spaß oder wir bemerken, dass es etwas zu viel ist. Wunderbar!

Und manchmal ruft dieser innere Ruf und wir können mit ihm gehen… (sogar im Sommer ;- )

Und dabei muss es gar nicht immer die ganze Packung sein: Ein freies Wochenende oder 2h Stunden frei für Yoga. Manchmal genügt es schon im Gewusel des Alltags, in dem uns immer wieder tausende von Tips entgegenfliegen, genervtes Nörgeln über andere oder stolze Selbstdarstellungen – einfach selbst den Mund zu halten. Mal nicht zu antworten. Die Situation früher verlassen als gewöhnlich. Direkt nach Hause zu gehen, in der S-Bahn die Augen zu schließen und ein bisschen Musik zu hören oder in einer „lauten“ Situation nicht NUR auf die gewohnten Muster des Verstandes, des Vermeidens und Kontrollierens zu hören, sondern für einen Moment den Atem zu spüren und einfach ZUZUHÖREN und still zu werden. Was immer der eigene Verstand auch sagt. Was immer mein Gegenüber mir da entgegenwirft. Ich werde still. Ich fühle und ich nehme mir die Zeit – jetzt oder wenn ich aus der Situation herausgegangen bin – still damit zu werden und Frieden damit zu schließen: Okay, so ist es. Okay, dieses Gefühl. Okay, ich habs verkackt. Und der Atem fließt weiter und vielleicht entspannt mit irgendeinem Ausatem meine übergespannte Schulter oder meine Gesichtshaut und vielleicht kann ich mir ganz plötzlich verzeihen oder der anderen Person und auf einmal ganz frisch und still von wo anders aus schauen.

Vielleicht 😉

Ich wünsche euch einen gesegneten Winter!

Von Herzen

Verena