Mit sich SELBST streng oder weich SEIN – das ist hier die Frage

„Am Montag warst du aber richtig streng“ war das Feedback einer Teilnehmerin, die ich gestern Mittag in der Stadt getroffen hatte.

Ich musste lachen, denn ich wusste genau was sie meinte. Irgendetwas hatte mich in der Yogastunde am Montag Abend „geritten“ und mein Fokus war voll und ganz darauf ausgerichtet, eine Atmosphäre zu schaffen, die alle Anwesenden anhielt WACH zu sein.

Kennst du das Gefühl, immer so ein bisschen im Trott des Bekannten zu schlafen?

Oft ist das Bedürfnis nach Entspannung gar nicht das natürliche Schwenken in das Gegenteil von Aktivität, sondern die natürliche Reaktion auf einen Alltag in dem wir halb-lebig Automatismen tun, von denen wir das Gefühl haben, ihnen hilflos ausgeliefert zu sein.

Was ist es wirklich, wirklich, wirklich, was uns das Gefühl von „Hilflosigkeit“ vermittelt?

Woran halten wir fest, wenn wir meinen, wir seien nicht frei genug JETZT diesen Moment hier lebendiger zu gestalten?

Zurück zum Thema „Strenge“:

Oft bin ich in meinen Stunden sehr zart und weich. Denn ich fühle regelrecht wie es einen Gegenpol braucht zur der Struktur, die von Außen organisiert wird und sich in unserem Inneren wiederspiegelt in der Idee, wir müssten es irgendwie „anders“ machen, besser, klarer, fokussierter, entspannter, lockerer, mutiger,…

Das Problem: Anstatt es WIRKLICH anders zu machen (in einem neuen Augenblick), verschwenden wir alle Energie, die uns JETZT zur Verfügung steht, damit, uns selbst zu verurteilen.

Und manchmal auch noch ein zweites Mal: Wir verurteilen uns auch noch dafür, dass wir uns schon wieder verurteilt haben.

Wo sollten wir wirklich streng mit uns sein?

Oft setzen wir mit unserer Weichheit und unserer Strenge genau an den verkehrten Enden an. Wir sind da streng, wo es Sanftheit bedarf und da nachgiebig, wo wie Klarheit und eine gewisse Strenge brauchen.

Oft hacken wir da, wo wir (oder jemand anderes) vermeintlich einen Fehler gemacht hat, ordentlich auf uns, dem anderen oder der gesamten Situation herum, anstatt ehrlich anzuerkennen, dass das, was passiert ist, aus vielen verschiedenen, vielschichtigen Gründen passiert ist:

  • Ich und mein Gegenüber hatten zu genau diesem Zeitpunkt genau die Energie zur Verfügung, die zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand
  • Ich und mein Gegenüber hatten zu genau diesem Zeitpunkt genau die Persepktive, die wir in diesem Augenblick hatten
  • Ich und mein Gegenüber hatten in diesem Moment genau den Handlungsspielraum, den wir damals wirklich hatten – und nicht den, den wir uns heute ausmalen können

Wir können uns im Nachhinein zwar ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn wir damals dieses oder jenes nicht im Kopf gehabt hätten und stattdessen den Blick mehr auf was weiß ich was gelenkt hätten…

Aber die Wahrheit ist: Wir haben so gehandelt, weil zu diesem Zeitpunkt genau dieses Muster, genau diese Unsicherheit oder was auch immer aktiv war und wir haben in diesem Moment das gegeben, was wir geben konnten.

Alles andere ist Illusion!

Sei hier streng! Denk nicht weiter und weiter und weiter und erzähl es deiner Freundin und reg dich nochmal darüber auf und noch einmal und vertiefe jene destruktive Sicht mehr und mehr.

Sei streng!

Werde still.

Sei ehrlich.

Es war wie es war. Und es ist jetzt vorbei.

Und das gilt direkt – Sekunden nach – jeder Auseinandersetzung mit dir selbst und mit all denen, denen du nahe stehst.

Fühle das Gefühl, was jetzt auftaucht.

Fühle den Schmerz oder was immer es ist und erlaube dem Kopf nicht die Geschichte irgendeine Geschichte darüber zu erzählen. Der Kopf wird niemals in der Lage sein, wirklich alle Zusammenhänge zu durchschauen, denn letztlich bleibt er bei der Logik stehen, während menschliches Sein so so viel mehr ist als das.

Sei streng!

Atme!

Sei mutig genug, dir selbst in diesem Sturm zu begegnen!

Denn all dein Rennen im Kopf ist am Ende nichts anderes als der Versuch, dieses wilde Leben zu kontrollieren und dich wieder auf Spur zu bringen.

Was aber ist diese „Spur“ wirklich?

Sie ist der alte Pfad. Sie ist die Autobahn der alten Glaubenssätze.

Diese „Normalität“ ist bei jedem und jeder von uns individuell verschieden. Die eine kritisiert sich ständig, die andere glaubt immer, dass sie nicht gesehen wird, die nächste versucht mit allen Mitteln das schöne Bild von sich aufrecht zu erhalten… …und am Ende haben wir alle mehr oder weniger diese oder jene Tendenz.

Wenn wir lebendig sein wollen, müssen wir diese alten Autobahnen (=Automatismen) verlassen.

Dazu müssen wir wach sein! Und ehrlich!

Lebendig zu sein bedeutet, dass wir nicht wissen!

Wir wissen nicht, was das hier gerade bedeutet, aber wir sind wild und mutig genug es voll zu leben, es ganz zu fühlen, körperlich, emotional und energetisch.

Nicht lebendig zu sein heißt, dass wir nur halb anwesend sind. Wir sind im „Überlebensmodus“, versuchen nicht unter zu gehen, versuchen den Anforderungen (unseren, eigenen Anforderungen, die irgendwann vor langer Zeit mal an uns gestellt wurden und nun zu unseren eigenen geworden sind) zu genügen. Wir haben total vergessen, die Fragen des Lebens SELSBT zu beantworten.

Als Kinder, als wir noch in unserer Kraft standen, da wussten wir um die Lebendigkeit. Wir wussten, dass die Antworten der Erwachsenen natürlich veraltet sind und für uns nur noch bedingt gelten. Wir ehrten das Wissen der „Alten“ auf so selbstverständliche Weise, dass es keiner Rituale bedurfte. Es war ja ganz natürlich unsere Basis, auf der nun unser Leben aufbaute und auf der sich ganz natürlich, durch unsere lebendigen Erfahrungen, alles bereits Gewusste (durch unser Sein) weiterentwickelte…

Je älter wir wurden, desto mehr begannen wir an dieser inneren Klarheit zu zweifeln. Bis diese Stimme kaum mehr zu hören war…

Den Preis den wir zahlen, wenn wir wilde Lebendigkeit versuchen in starre Gerüste zu packen, ist das Stocken der Lebensenergie. Dies fühlt sich frustriert an, müde, genervt, unlebendig.

Wenn wir diese Energie jedoch wieder in Fließen bringen, können wir auch im „Alter“ noch frisch sein, ganz einfach, weil dieser Moment hier frisch ist!!!

Wir können JETZT eine lebendige Erfahrung machen! Ganz unabhängig von dem, was eben passiert ist!!!

Um die Lebendigkeit in dir wieder ins Fließen zu bringen, fange an dich (deinen Körper) zu bewegen. Am besten unkontrolliert. Verlasse alle Formen des bekannten und tanze wild! Schneide Grimassen! Zapple rum!

Um ein autentisches Körpererleben von Wachheit zu bekommen, kann dich natürlich auch Yoga unterstützen. Du lernst dich innerlich aufzurichten und in deine eigene Aufrichtigkeit hineinzuwachsen. Und du lernst wirklich abzugeben, loszulassen, dich hinzugeben – nicht nur theoretisch im Kopf.

Anstatt dich oder andere zu verurteilen, beginne anzuerkennen was IST!

Anerkennen ist wertfrei!

Es ist einfach der Versuch klar zu schauen.

Im klaren Schauen, darf alles sein!!!

(P.S.: Auch das, was wir nicht so gerne sehen wollten)

Wenn wir damit entspannen, passiert Weichheit.

Hier ist Weichheit sehr heilsam.

Wenn wir nun aber einen Augenblick haben, in dem die Bewusstheit so Hälfte-Hälfte ist, zwischen dem altbekannten Muster und der Möglichkeit WACH zu bleiben,…

DANN sollten wir streng mit uns sein!

Es bedarf Wachheit und einer klaren Ausrichtung, um JETZT nicht in das alte Muster hineinzufallen, dass ich mir selbst nur dann genügen kann, wenn ich zuerst all den scheinbaren Anforderungen genüge.

Was heißt „wach bleiben“?

Wach bleiben ist keine Starre, es ist kein Programm auf das ich zurückgreifen kann. Es ist vielmehr die Bereitschaft, in diesem Augenblick mit diesen stürmischen Wellen hier „still“ zu sein und klar zu unterscheiden, welche Welle ich wirklich, wirklich reiten will!

Ist das hier gerade „meins“ oder folge ich nur der Tradition?

Was macht mich glücklich?

Wofür schlägt mein Herz?

Dieser neue Kontakt mit mir darf wachsen!!! Er muss nicht schon ausgereift sein. Wie sollte er auch?

Wir stehen evolutionär betrachtet (als Menschheit) gerade an einem Wendepunkt in dem theoretisch alle Lebenskonzepte geduldet sind und ständig neue erfunden werden.

Theoretisch ist es kein Problem „schwul“ zu sein, keine Kinder zu bekommen, sich scheiden zu lassen, keine Konfession zu haben oder was auch immer. Überall – d.h. in jeder verkörperten Seele – wird lebendig „erforscht“ wie sich Beziehung gestalten kann, wie Erziehung aussehen kann, wie Arbeit aussehen kann,… …wenn sie WAHRhaftig ist. Wir alle sind mitten drin in diesem „Forschungsprojekt“ und lernen in jedem Augenblick unserer scheinbare Fehler.

Während jedoch gleichzeitig all die alten, konditionierten Glaubenssätze und Traumen in unserem gesamten Nervensystem, Körpergedächtnis und Unterbewusstsein voll aktiv laufen.

Das ist eine ziemlich explosive Mischung.

Hier dürfen wir also definitiv weich mit uns sein

…und müssen defintitiv streng sein, wenn wir wirklich etwas neues, lebendiges erleben wollen!

Die Frage ist nun: Wann passt was?

Am Ende findest du in deiner eigenen Innenschau, in deinem gelebten Alltag, selbst die Augenblicke, in denen Sanftheit gut tut und in denen Sanftheit nur dazu dient weiter zu schlafen!

Wenn du ganz, ganz ehrlich mit dir bist, dann kannst du es glasklar sehen!

Vergiß die Geschichte dazu!

Bleibe still!

Das ist der Fokus <3

Von Herzen,

Verena

P.S.: Wer Lust auf eine Einzelarbeit mit mir hat findet mich (Verena Kamphausen) persönlich in Kirchheim unter Teck und ansonsten per Telefon oder Skype.



Wurzelarbeit die Zweite

Vor ein paar Wochen war ich nach ca. vierzehn Jahren zum ersten Mal wieder an dem Ort, an dem ich vor über 20 Jahren meine erste Yogalehrerausbildung besucht habe, zwei Jahre später meinen Ex-Mann kennenlernte und ein Jahr lang arbeitete.

Zwei Wochen später besuchte ich zusammen mit meinen Kindern ein Yoga-Retreat an der Nordsee (Haus am Watt) und wurde von einem indisch stämmigen Yogalehrer (Herzensdank an Ashwani Bhanot) in meiner Wurzeltradition (Sivananda Yoga) unterrichtet.

Es war so eine wunderschöne Erfahrung für eine ganze Woche, zwei Mal am Tag, für zwei Stunden ganz und gar Schülerin zu sein und die stille, authentische Präsenz eines Lehrers zu genießen, der ganz fein und subtil unterrichtet, „meine“ Mantren zu hören und mich er-Innern zu lassen.

Was für ein Geschenk.

Dies ist also der zweite Blog-Artikel zum Thema: Wurzeln.

Was sind unsere Wurzeln?

Die tiefste Wurzel ist unsere tiefe Verbindung mit unserem innersten Wesen. Darüber habe ich vor allem im ersten Artikel geschrieben. Wenn dieses Wesen beginnt Form anzunehmen, – was das Wesen des Mensch-Seins ist (Körperlichkeit, Aktivität, Sensitivität, Denken, Fühlen, Energie-Erleben,…) -, dann ergeben sich aus diesem endlosen Werden auch noch andere Wurzeln:

Unsere Ahnenlinie.

Nichts, was wir aktuell tun, denken oder spüren, ist unabhängig von alle dem, was vor uns war. Das Haus, in dem wir wohnen, die Straße, auf der wir fahren, das Buch, was wir lesen, die Vorstellungen, die wir haben, selbst die Verbindungen, die wir aktuell im WorldWideWeb knüpfen, hängen an unzähligen Handlungen und Forschungen derer, die vor uns waren.

Mein Körper wäre nicht, ohne dass meine Mutter sich eingelassen hätte, auf das unüberschaubare Wagnis, Mutter zu werden. Ebenso die Mutter vor meiner Mutter und die Mutter vor meiner Mutter und…

Sie alle waren mutig genug, dieses Leben zu leben. Sie alle wurden ent-täuscht, überrascht, herausgefordert, haben aufgegeben, haben gekämpft, sind gereift, haben erkannt, haben geliebt, sind geliebt worden, sind übersehen worden, sind unerkannt geblieben,…

Und du bist hier, um diesen Weg weiter zu gehen.

DEINEN Weg.

Du bist hier, um deine Erfahrungen zu machen. Deine Schleier zu lüften. Dich des-illusionieren zu lassen, weich zu werden, stark zu werden, dich zu zeigen.

Mit alle dem, was durch dich Form annimmt.

In allem, was jetzt durch dich Form annimmt, schwingt das Erbe von unzähligen – und dennoch ist dieser Augenblick, diese Verkörperung hier, neu. Das jetzt ist einmalig, lebendig und unbeschreiblich. Es ist seinem Wesen nach VOLL. Egal wie eckig es sich zeigt.

Es gibt kein Ankommen in dieser unendlichen Lebendigkeit. Aber es gibt ein lustvolles Genießen. Selbst von Müdigkeit.

Ich bin unendlich dankbar über all die Nahrung, die ich durch meine Familie erfahren durfte. Diese ist an Wert nicht zu messen. Es ist so viel mehr, als unser Verstand jemals begreifen könnte. Selbst in den Augenblicken, in denen wir schlicht „vorbereitet“ werden, über uns selbst hinauszuwachsen.

Ich bin unendlich dankbar über all das, was sich immer spontan und ungeplant zeigt.

Als ich vor ein paar Wochen im Westerwald in diesem wunderschönen Wald spazieren ging – meine dort geplante Fortbildung fand leider zu einem anderen Zeitpunkt statt, als ich mich angemeldet hatte und damit änderte sich in null Komma nichts meine gesamte Vorstellung, Planung und die Organisation meiner Kindern – da wurde mir wie aus dem NICHTS plötzlich lebendig bewusst, dass ich TEIL dieses Waldes bin, dass der Wind nicht nur mein Haar durchweht, sondern auch meinen Geist und meine Seele. Der Waldboden gab nicht nur den Bäumen halt, sondern tatsächlich auch mir. Das unterschiedliche Grün der unterschiedlichsten Bäume und Pflanzen nährte mich und pulsierte mit meinem Herzschlag, so dass alles in mir zu vibrieren begann. Was für ein Segen.

Ich traf eine andere Yogalehrerin, die schon einige Jahre lang das weiter gab, weswegen ich zur Fortbildung gekommen war und sie nahm sich Zeit, sich mit mir auszutauschen. In den Tagen, in den ich nun „zu früh“ dort war, unterrichtete ich schließlich selbst, anstatt mich fortzubilden. Ich unterrichtete in meiner Wurzeltradition, in dem Haus, in dem ich selbst einst ausgebildet wurde.

Obwohl der Sivananda-Yoga im Herzen und als ganzheitliches Gerüst definitiv MEINE Tradition ist, so hat sich mein Hatha Yoga Unterricht mit der Zeit doch individualisiert – durch meine eigenen Erforschungen und Erfahrungen.

Es gab eine Zeit, da musste ich mich wie ein reifender Teenager distanzieren von der Form und Umsetzung dessen, was ich einst gelernt hatte. Ich musste das finden, was „ich“ zu geben hatte.

Aber jetzt kann ich mich dehmütig einreihen in eine lange, lange Tradition so vieler wunderbarer Lehrer, die oft auch „nur“ wie ganz „normale“ Menschen aussehen.

Ich bin froh, Teil dieses lebendig schwingenden Ganzen zu sein, in dem jedes Tier, jede Pflanze, jede Seele, jede Verkörperung, mit all ihren Ängsten, ihren Hemmungen, ihrer ganzen Kraft und ihrem Mut, ihren ganz eigenen Platz in dieser unendlichen Bewegung einnimmt.

P.S.: Am Freitag, den 20.09. gibt es im Yogaloft (Kirchheim/Teck) einen 2-stündigen Yoga-Workshop zum Thema Wurzelarbeit mit mir.

Anmeldung unter: verena@yogalini.de


Wurzelarbeit

Was ist dein Boden?

Worauf stehst du?

Was hält dich stabil?

Was wackelt?

Wo wackelt es?

Traust du dich hinzuspüren?

Wie viel Zeit und Raum bist du wirklich, wirklich, wirklich bereit, dir für deine eigene Tiefe zu nehmen?

Kein Buch, keine Inspiration, kein Workshop der Welt kann dir das geben, was du in deiner Tiefe ganz natürlich findest.

Bist du bereit dort hinzuschauen?

Immer und immer wieder?

Denn das ist der eigentliche Job – DEIN Job!

Es ist nicht damit getan, einmal dein Wesenskern zu „erkennen“ und dann zu glauben, du könntest das, was du bist irgendwie WISSEN oder gar in Besitz nehmen und so nach Belieben „einsetzen“, so als seist du nun für alles „gewappnet“.

Das Leben ist WILD!

Und es ist TIEF.

Auf dem Grund ist es still.

Und an der Oberfläche wild und sehr bewegt.

Beides zugleich.

Und du BIST diese unglaubliche Lebendigkeit.

DAS ist nichts, was man wissen kann. Und jedes Wissen darüber ist so viel Wert wie jede andere Erkenntnis, die sich im Laufe des Lebens ganz natürlich wandelt, sich oftmals als Illusion wieder verabschieden muss, vergessen wird, gar nicht zur Verfügung steht oder zwar gewusst wird, aber eben nicht auf Knopfdruck gefühlt.

Es geht also darum, immer wieder und wieder und wieder NEU „still“ zu werden und zu lauschen:

Was ist wirklich, wirklich, wirklich wahr?

Dieses Lauschen ist KEIN Suchen im Verstand. Es ist ein Lauschen!

Es ist ein Lauschen mit einem offenen Geist und einem offenen Herz, bereit ALLES zu hören – was immer es auch sein mag. Unendlicher Raum.

DAS ist dein Boden.

Bodenlos.

Und dennoch das einzige was wirklich, wirklich, wirklich trägt!

Es lohnt sich absolut diesesn Boden zu erforschen!!!

„Innerlich“.

IN diesem Moment.

Jetzt.

Hier.

Dieser Boden, – diese reine Lebendigkeit -, verkörpert sich in jedem Augenblick. Er nimmt Form an. Form an in Form von Bewegung: „Energie“. In Form einer gewissen Atmosphäre, einer Stimmung, fein oder eher grob, hitzig, kalt oder eher gemäßigt.

Diese Formen sind alles, was wir sind, sehen, hören, fühlen.

Es sind unsere Gedanken, unser Gespür für diesen Augenblick:

Fühlst du dich ruhig? Geerdet? Berührt? Abgeschnitten? Suchend? Bewegt? Aufgewühlt? Angespannt? Zusammengezogen? Zart? Verletzlich? Kraftvoll? Steif?

Alles, die selbe Lebendigkeit.

In allem derselbe Boden.

 

Körperlich gesehen haben wir auch einen Boden: Unseren Beckenboden. Er trägt förmlich unseren gesamten Oberkörper. Und tatsächlich können wir spüren wie er nachlässt, wenn wir uns zum Beispiel wie ein kleines Kind „ertappt“ fühlen und uns für (lassen wir es Mini-Sekunden sein) buchtsäblich in die Hosen machen. Die Beine werden zittrig, wir stehen für einige Augenblicke nicht stabil: Hab ich etwas falsch gemacht?

Um diese Frage, die tief in uns sitzt, überhaupt auszuhalten, müssen wir schon eine gewisse Portion an Vertrauen, Mut und Wurzelkraft ent-deckt haben. Ansonten würden wir uns diese Frage gar nicht stellen. Nicht mal für einen flüchtigen Augenblick. Wir bekommen das Zittern gar nicht mit. Der Fokus liegt einzig auf dem Festhalten an unserer Rüstung: Unsere Glaubenssätze. Es fühlt sich nämlich sehr viel sicherer an, wenn wir zu jedem Zeitpunkt GANZ GENAU WISSEN, was richtig und was falsch ist. Und genau diese Sicherheit gaukeln uns unsere gelernten Konditionierungen vor. Wir haben gelernt, wie man sich zu verhalten hat und auch wie man sich zu fühlen hat. Wir haben gelernt, unsere eigenen Impulse zu vernachlässigen und stattdessen dem zu folgen, was uns unsere Eltern, unsere Lehrer und vor allem unsere Angst (wir nennen es auch gerne den gesunden Menschenverstand) beigebracht haben, um möglichst „erfolgreich“ (gerne auch im gemäßigten Sinne) zu sein und so ein möglichst sicheres und glückliches Leben führen zu können.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte mit dem Fischer und dem Geschäftsmann, der dem Fischer vorschlägt, wie er ein gutes Geschäft machen könnte, um dann später gemütlich in der Sonne liegen zu können…

Wir kennen die Geschichte.

Aber es ist ja nur eine Geschichte. Wir bejahen sie und sie erinnert uns tatsächlich. Vielleicht lassen wir für einen Augenblick los. Den kleinen Finger unserer Faust. Denn wir müssen schließlich unsere Miete trotzdem zahlen und wir haben Kinder zu versorgen und außerdem kaum Raum für solche Fragen. Jedenfalls nicht jetzt. Und schließlich gehe ich ja schon zum Yoga und versuche jeden Tag ein bisschen zu meditieren…

Es geht natürlich nicht darum, in der Sonne zu liegen. Arbeit kann wunderschön und sehr erfüllend sein – insbesondere dann, wenn es die Arbeit ist, die deinem Talent entspricht. Und Yoga machen ist in der Tat eine wundervolle und sehr nährende Sache, ebenso wie sich Zeit zu nehmen, einfach mal nichts zu tun und sich den Wind durch die Haare streichen zu lassen. Und natürlich hat jeder, jeder, jeder und jede von uns Momente der Verzweiflung, der Verwirrung und tausend Fragen ohne Antworten.

Auch das: Alles – jeder dieser Ausdrücke – dieselbe Lebendigkeit.

Und unterdrunter: Immer, immer, immer derselbe Boden.

 

Diesen Boden immer mal wieder zu ent-decken ist ein Glück!

 

Wie können wir ihn entdecken?

Da gibt es so viele Möglichkeiten wie Momente in einem Menschenleben und so viele Arten und Weisen wie Menschen auf dieser Welt.

Eine davon ist das Lauschen.

Das Lauschen und Hineinsinken in diesen Moment.

Immer wieder und wieder und wieder.

Eine andere ist das körperliche Erforschen. Wie fühlt sich mein Körper an? Wie spricht er zu mir?

Nimm dir Zeit die Sprache des Körpers zu erforschen. Hab keine Eile und keine Hektik. Am Ende ist jede Erfahrung dasselbe SELBST. Jede ist gleich wertig. Gleich volle Lebendigkeit.

So viel für heute.

Bald gibt es einen weiteren BLOG-Artikel mit dem Titel: „Wurzelarbeit die Zweite“, da geht es dann um vergangene Erfahrungen (Wunden, Traumen und Schätze) und um die Wurzel der alten Traditionen (Yoga, Meditation,…), die wir ja immer im JETZT neu lernen.

Freu mich schon drauf!

Bis bald,

Verena <3

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Umgang mit physischen und emotionalen Schmerzen

Wenn wir (körperliche oder emotionale) Schmerzen fühlen, gehen wir in der Regel davon aus, dass wir irgendetwas „falsch“ gemacht haben – denn sonst würden wir uns ja „gut“ fühlen.

Was wäre, wenn der Schmerz tatsächlich eine „Tür“ für uns ist?

Eine „Tür“, die uns in eine „Dimension“ von uns selbst hineinführt: Raus aus der Ebene des Verstandes, hinein in die Ebene des Spürens.

Im Fühlen des Schmerzes gibt es keinen „Fehler“, auf den uns der Schmerz hinweist, so dass wir es in Zukunft „besser“ machen können oder sollen. Im Fühlen des Schmerzes ist einfach nur DAS, was gerade ist. Und dafür ist nicht einmal ein Wort nötig. Keine Geschichte von „ich habe dies und jenes gemacht (oder nicht gemacht) und deswegen habe ich jetzt diesen Schmerz“, sondern einfach nur DAS HIER – sogar die Idee von „Schmerz“ löst sich auf gewisse Weise auf, wenn wir uns einlassen auf DAS HIER.

Kannst du hören, dass das eine ganz andere Qualität ist?

Eine Qualität, die immer schon auch IN uns wohnt?

Hast du Lust, diese Qualität in dir zu ent-decken?

Dann höre auf, den (emotionalen und physischen) Schmerz als deinen Feind zu betrachten. Höre auf, dir selbst eine Geschichte über den Schmerz zu erzählen und lass dich statt dessen von ihm führen – hinein in die Lebendigkeit DIESES Augenblicks, die natürlich AUCH im Schmerz liegt. Und da der Schmerz ganz natürlich all deine Aufmerksamkeit anzieht, ist er ein perfekter „Wegweiser“ hinein ins JETZT.

Hast du schon Erfahrungen gemacht mit den kleinen „Knubbeln“, die sich manchmal im Bereich des Schultergürtels bilden? In der Regel fühlen wir sie gar nicht. Wir haben gelernt mit ihnen zu leben. Aber wenn wir jetzt auf einmal eine wohltuende Massage bekommen oder aber ein paar ungewohnte Körperübungen machen, dann spüren wir unseren Körper plötzlich am nächsten Tag auf eine ganz neue – und manchmal schmerzhafte – Weise.

Warum?

Haben wir uns nicht eigentlich etwas „Gutes“ getan?

Sollten wir also lieber in den alten Mustern bleiben? So viel Sport, Yoga, gesunde Ernährung, Massagen und Sauna können wir ja gar nicht machen, dass sich alles einfach nur kraftvoll und entspannt im Gleichgewicht anfühlt – oder?

Stimmt! Und zusätzlich besteht gerade das menschliche Dasein aus dem Spiel der Dualität (wie uns schon der Atem anzeigt). Das heißt, es gibt dieses überirdische Ziel überhaupt gar nicht!!! Wir SOLLEN menschlich sein. Und zum menschlich-Sein gehört Bewegung! Die Bewegung zwischen angenehm und unangenehm… In der Regel ist es sogar so, dass wir einen „gesunden“ Körper erst dann bewusst wahrnehmen und zu schätzen wissen, wenn wir kurz zuvor mit seiner Zerbrechlichkeit konfrontiert wurden!

Wir dürfen also durchaus die Zerbrechlichkeit des Körpers spüren. Ebenso emotionale Schmerzen. Im Spüren dessen kommen wir nämlich erst zu unserer GANZHEIT!

Weiterhin ist es ganz normal, dass wenn wir anfangen, alte Muster zu verändern (seien das nun Gewohnheiten der Ernährung, Gewohnheiten des Denkens, Gewohnheiten der Bewegung oder nicht-Bewegung), sich alles neu ordnen muss. In diesem Prozess der Neuordnung gibt es eine natürliche Phase des „Durcheinanders“. So als würdest du einen vollgestopften Dachboden oder Keller ausräumen. Wenn du damit anfängst, vergrößert sich das Chaos in der Regel zuerst scheinbar und es dauert eine ganze Weile bis alles, was du behalten möchtest einen neuen Platz gefunden hat und alles, was du loswerden willst, dort angekommen ist, wo du es auch wirklich abgeben kannst (an Freunde und Verwandte, in die Kleiderkiste, Geschenkeläden, Flohmarkt, Sondermüll,…)

Verstehst du?

Erlaubst du dir die Phase des Neu-Sortierens?

Oder muss deiner Meinung nach alles viel schneller gehen?

Wohin willst du denn ankommen?

Musst du dahin wirklich rennen? Oder ist das nicht vielleicht das alte Muster?

Ist diese neue Richtung insgesamt zwar gut, aber dieses eine Mal war es nun wirklich „falsch“ und viel zu viel – deshalb auch diesmal dieser Schmerz!

Stimmt das wirklich?

Ist dieser Schmerz hier also wirklich, wirklich FALSCH???

Welcher Schmerz schadet, dir wirklich?

Welche Stimmer sagt dir ganz klar, was wahr ist?

Ist das nicht eine lohnenswerte Reise, die du da gerade beschreitest?

Von Herzen

Verena

Was ist eigentlich Sivananda-Yoga?


Seit 2001 unterrichte ich Yoga – und die Sivananda-Tradition ist sozusagen meine Wurzel!

Es ist die Basis von der aus ich mich körperlich sozusagen ent-deckt habe: Ich habe wirklich innerlich erspürt, wie alles im Körper miteinander in Verbindung steht.

Aber nicht nur das, sondern auch wie sich meine Anspannung, meine Angst oder meine Vertrauen körperlich ausdrückt.

Ich habe gelernt (innerlich erfahren, in meinem ganz gewöhnlichen Alltag, wieder und wieder und immer wieder neu) wie der Geist funktioniert und wie all das Ausrücke von Energie sind…

Sivananda Yoga ist in erster Linie also sicher keine bestimmte Art, Asanas auszuführen, sondern steht für Ganzheitlichkeit. Aus all den Aspekten, die menschliches Dasein ausmachen besteht letztlich auch der Yoga. Bevor ich das jedoch weiter ausführe, möchte ich noch einen kurzen Exkurs in die Welt der Asanas machen, denn das ist ja das, was wir am häufigsten mit Yoga verbinden:

Und um das einmal klarzustellen: Asanas – die Körperhaltungen im Yoga – sind keine ausgedachten Haltungen, die auf irgendeine „besondere“ Person oder gar Tradition zurückgeführt werden könnten. Sie sind quasi menschliches „Allgemeingut“, so wie all die Pflanzen uns da draußen frei zur Verfügung stehen und wir ihre Wirkung ganz frei und lebendig selbst erforschen können – wenn wir wollen.

Wenn ihr euch Babys anschaut (völlig egal in welcher Kultur), dann werdet ihr beobachten können, wie sie alle – von ganz alleine, ohne jegliche Unterstützung – die gleichen Bewegungen machen, um von der „hilflosen“, liegenden Position aus in die Bewegung, ins Rollen, in den Vier-Füßler-Stand und schließlich in die aufrechte Position zu gelangen, um sich (aufrichtig) selbstständig fortzubewegen. Diese körperliche Entwicklung ist gleichzeitig eine Entwicklung in das „Ich“ hinein. Mit der wachsenden Fähigkeit, die eigene Körperhaltung zu verändern, wächst auch die Perspektive, aus der das kleine Kind die Welt betrachten kann. Während es am Anfang nur daliegt und alles lediglich von oben auf es zukommt, kann es irgendwann seinen Kopf heben und die Dinge aus der Bauchlage betrachten. Später fängt es an sich so zu „drehen“, dass es sich um sich selbst drehen kann. Irgendwann kann es sich selbstständig auf Dinge zu bewegen oder von ihnen weg. Dies geschieht langsam. Gemeinsam mit dem Körper wächst die Fähigkeit, die Einflüsse der Umgebung zu verarbeiten.

Im Yoga machen wir im Grunde nichts anderes 😉

Die „Kobra“ (Bhujangasana) und die „Heuschrecke“ (Shalabhasana), sind zentrale Yogapsoitionen der Rishikesh-Reihe (Sivananda-Tradition) – aber auch einiger anderer Yoga-Traditionen. Beide Haltungen sind klassische Bewegungen, die jedes Kind macht, um genug Kraft zu entwickeln, um in den 4-Füßler-Stand zu kommen, und sich so langsam aufzurichten.

Die Aufrichtung des Menschen – im Gegensatz zum völlig anders bewegten SEIN in der Pflanzen- und Tierwelt – steht auch für eine ganz bestimmte Qualität des Bewusstseins. Dies weist nämlich im Menschen völlig andere Qualitäten auf, als eben im Bereich der Tiere, Pflanzen, Mineralien,…

Diese Qualität des Bewusstseins ist natürlich nichts statisches! Es ist (seit Beginn der Menschheit) eine sich immer weiter und weiter entwickelnde Qualität – mit jedem Augenblick des Formannehmens!

Jede Haltung, die wir im Yoga einnehmen, verändert etwas in unserem Energiesystem und in unserem Bewusstsein.

Das gleiche passiert in jeder menschlichen Begegnung: Durch alles, was wir sehen und nicht sehen, durch alles, was wir hören und nicht hören. Es ist ein ganz natürliches Wachsen und Reifen. Und ein ganz natürliches weiteres Form annehmen.

Yoga ist also EINE Form. Es ist eine mögliche Form. Und damit eine „Tür“, durch die wir gehen können.

Sivananda Yoga ist ein Integraler Yoga, bei dem die Körperhaltungen nicht an erster Stelle stehen. So wie menschliches Sein – auch wenn wir das oft vergessen – nicht nur aus Gedanken, Ideen und Interpretationen besteht, sondern AUCH aus einem Körper, Emotionen und einer „Seele“, so berührt der Integrale Yoga all diese Facetten menschlichen Seins:

Raja Yoga (Teil des integralen Yogas) bezieht sich auf die Qualität des Verstandes: Was ist der Verstand? Wie beinflusst er menschliches Sein? Bhakti Yoga (ein weiterer Teil des integralen Yogas) bezieht sich auf die Gefühlsebene und die Möglichkeit von Hingabe. Karma Yoga (ja, gehört auch zum integralen Yoga) greift die Tatsache auf, dass wir handeln. Wir können als Menschen nicht nicht handeln. Selbst wenn wir den ganzen Tag im Bett liegen würden, wäre das ein Art Handlung, die eine Wirkung nach sich zieht. Natürlich ist auch jeder Gedanke eine Handlung (völlig egal ob du daran glaubst, dass es „dein“ Gedanke ist und auch völlig egal ob du daran glaubst oder selbst erforscht hast, dass die Gedanken lediglich „durch“ dich Form annehmen und gleichzeitig dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegen).

Karma steht für das Gesetz von Ursache und Wirkung.

Achtung: Beim KARMA geht es nicht um Wertung! Es geht einfach nur darum, Zusammenhänge zu erkennen. Wertfrei!

Der Teil in uns, der wertet, ist lediglich der – eigentlich austauschbare Teil – der konditionierten Gedanken. Andere Prägung = andere Vorstellung von „richtig“ und „falsch“.

Selbst wenn wir behaupten, dass wir wissen, dass es EIGENTLICH kein „richtig“ und „falsch“ gibt, – was ist mit unserem realen (unbewussten) Erleben von „richtig“ und „falsch“?

Wenn ich „zu viel“ esse, muss dieses Essen verdaut werden. Wenn ich etwas sage oder nicht sage, gibt es diese oder jene Reaktion von außen und daraufhin wieder eine Reaktion von mir. Vielleicht habe ich die Idee, diese Reaktion steuern zu können, vielleicht meine ich, dass ich das nicht kann (je nachdem woran das Ich gerade glaubt oder was es kürzlich herausgefunden hat). Das alles ist das System von Ursache und Wirkung, das wir Karma nennen und das völlig unabhängig von unserem Glauben, Verstehen und nicht Verstehen ganz natürlich funktioniert.

Jnana Yoga (ein weiterer Teil des integralen Yogas) befasst sich nun mit dem menschlichen Aspekt, der unberührt ist von der Ich-Struktur. Der Teil, der jedoch selbst die Ich-Struktur belebt.

Man könnte es auch so ausdrücken: Der Teil, der selbst in der Ich-Struktur Form annimmt:

Unser „Wesen“, unser „Selbst“, der „göttliche Funken“, unsere „Seele“,…

…und schwupps sind schon wieder alle Vorstellungen (Raja-Yoga) aktiviert 😉

Wo sind denn nun endlich die Yoga-Haltungen versteckt?

Klassisch gesehen gehören diese in den Bereich von Tantra (NEIN! Hier geht es nicht um Sex, sondern um eine „philosophische Richtung“, die sich jedoch nicht im Geistigen verlieren will, sondern ihren Fokus im Bereich des Erfoschens von Menschlichkeit – IM menschlichen Dasein selbst – hat). Im Druchdringen des Mystischen bejaht Tantra Menschlichkeit und wendet sich nicht von ihr ab, so wie viele andere Richtungen, in denen man alles typisch Menschliche leicht als „illusorisch“ oder „niedrig“ im Gegensatz zum „All-Ganzen“ verstehen könnte.

Ist Menschlichkeit nicht gerade ein Teil dieses „All-Ganzen“?

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich von all dem, was ich bis dahin lediglich mit dem Verstand begriffen hatte, zurückziehen musste, um ich SELBST zu werden.

…um selbst zu erforschen!

Wie eine „Pubertierende“ musste ich mir demnach auch meine Yoga-Wurzeln aus der Distanz anschauen. Vieles in mir war in Bewegung geraten. Sicher auch durch die Yogapraxis. Aber mehr noch durch das Leben selbst. Fragen, die ich schon seit meiner Kindheit kannte, wurden auf andere Weise präsent: Wer oder was bin ICH wirklich? Was ist diese verrückte Lebendigkeit? Gibt es tatsächlich irgendwelche „Regeln“?

Ich hatte Philosophie studiert, war schon eine zeitlang Yogalehrerin und bereits Mutter. Ich hatte schon viele Antworten auf meine Fragen gefunden und dennoch war da wie so ein Drängen hinein in eine noch tiefere Authentizität. Ein Drängen nach einem „inneren“, absoluten Wissen, das keine Zweifel mehr zuließ.

Es durchdrang wirklich ALLE Lebensbereiche, nicht nur meine Tätigkeit als (Yoga-)Lehrerin, die ich immer wieder komplett in Frage stellte. Es durchdrang ebenso meine Ideen von Beziehung, Glück, Familie, Geld, Sicherheit, Spiritualität, Wissen im Allgmeinen.

Am Ende – wobei man hier nicht wirklich von einem „Ende“ sprechen kann – stand dann tatsächlich so etwas wie ein Berühren meiner eigenen Innerlichkeit. Jedoch auf eine Weise, die so ganz anders war/ist, als das „Ich“ es sich vorgestellt hatte.

Denn DAS ist nichts, was die Ich-Energie haben könnte!

Und dennoch ist ES stabiler als alles, woran sich diese „Ich-Struktur“ klammert

– insbesondere wenn sie meint, sich selbst zu durchschauen ;- )

Auf diesem weglosen Weg, auf dem ich wirklich alles mögliche immer und immer wieder in Frage gestellt hatte – und genauso oft (meist unbemerkt) versucht habe, mir ein neues, anderes Konzept zurechtzulegen – stellte ich also auch meine Yoga-Wurzeln in Frage, begann nach und nach in meine eigene, authentische Weise des Unterrichtens hineinzuwachsen… …und kehrte irgendwann zu einem Weiterbildungsseminar zu meinen Wurzeln zurück: neugierig, interessiert, aber durchaus auch skeptisch.

Als ich damals also zu meinen Wurzeln zurückfand (ähnlich als würdest du nach sehr, sehr langer Zeit das Haus oder das Dorf deiner Kindheit besuchen), war es natürlich NICHT irgendein theoretisches Wissen, was mich berührte. Ich war durchaus so klar, dass ich all die vermeintlichen „Fehler“, die ich damals kritisiert hatte, immer noch sehen konnte. Aber sie störten den Schatz nicht, der eben auch sichtbar wurde!!!

Das Gleiche passiert wohl auch, wenn du deine eigene Kindheit mit all ihren Höhen und Tiefen, mit all den Geschenken und Verletzungen – die im gewissen Sinne selbst Geschenke waren – mit den Augen der Klarheit siehst.

All die „Fehler“ sind auf einmal „menschlich“ und akzeptiert. So wie ich selbst jeden Tag mit meiner eigenen „Fehlbarkeit“ konfrontiert bin und gerade DURCH sie, tiefer und tiefer blicke, lerne, vergebe (mir und den anderen), immer weiter aufwache – und natürlich Ganzheit BIN!

Vollkommenheit ist etwas völlig anderes, als Perfektion. Perfektion hat ein Gegenteil. Ganzheit enthält alles.

Menschliches Dasein nimmt Form an durch Dualität. Wir begreifen und erleben gerade durch (die scheinbare Trennung von) Körperlichkeit und auch durch das Wechselspiel zweier Pole: Tun und Geschehen lassen, verstehen und nicht verstehen, Liebe und nicht Liebe,…

In meinem Fall war ich – als ich nach einigen Jahren zum „Schnuppern“ zu meinen Yoga-Wurzeln zurückkehrte – so unendlich dankbar für die Fülle, die ich insbesonders bei Yoga Vidya geschenkt bekommen hatte. Es war wirklich so, als würde eine gereifte Frau, die als Teenager das Elternhaus verlassen hatte, um ihren eigenen Weg zu finden, mit neuen Augen nach vielen Jahren nach Hause kommt. Während sie als Teenager einige Dinge an ihren Eltern auszusetzen hatte, war sie inzwischen selbst Mutter geworden. Neben all den „Fehlern“, die ihre Eltern gemacht hatten, war sie nun in der Lage auch die Liebe zu sehen, die die ganze Zeit über dagewesen war. Sie hatte erfahren, dass sie nicht umhin kam, dieselben (und andere) Fehler mit ihren eigenen Kindern zu machen – und dass einige davon gar keine „Fehler“ waren, auch wenn sie von außen vielleicht so aussahen. Sie hatte gelernt, die größeren Zusammenhänge zu sehen. Gleichzeitig was sie dehmütig geworden angesicht dieses unfassbaren Paradoxes von Komplexität und EInfachheit, Form und Leere.

Als ich also zu meinen Wurzeln zurückkehrte, erkannte ich die Fülle, mit der ich all die Jahre (unbewusst) gearbeitet hatte. Und auch wenn sich mein eigener Unterrichtsstil (augenscheinlich) zumindest von der Rishikesh-Reihe etwas entfernt hatte, so ist der integrale Geist noch immer derselbe.

Unterrichten passiert nun aus dem Sehen heraus, was für die Teilnehmer körperlich möglich ist und was energetisch gebraucht wird. Es passiert aus dem heraus, was ich BIN. Ich kann nur DIES hier sein, das genau auf diese Weise Form annimmt (und sich natürlich weiterhin verändert). Das was ich BIN, ist weder gut noch schlecht, weder richtig noch falsch. Und doch lerne ich und lerne ich und lerne ich… während ich gleichzeitig vollständig bin.

Auch ich lege mit meinem Unterricht lediglich eine Basis, mit der jede Seele, jeder Körper, jedes Leben, in jedem Moment „weiterarbeitet“.

Ein besonders kostbares Geschenk der Sivananda-Tradition bei Yoga Vidya – für mich persönlich – war die Einführung und Begleitung der (fortgeschrittenen) Energiearbeit in Verbindung mit intensivem Pranayama (Kundalini Yoga, als Teil von Tantra-Yoga). Zuerst als Technik genutzt, wurde es mit der Zeit eine ganz natürliche Bewegung, die völlig unbahängig von irgendeiner körperlichen Praxis immer offensichtlicher wurde!

Es gab und gibt so viele Lehrer in meinem Leben: tolle Yogalehrer, Satsang-Lehrer, Menschen, die mich geliebt haben und Menschen, die mich nicht geliebt haben – und natürlich jeder Augenblick dieses unglaublichen Lebens, jedes Form-Annehmen meiner eigenen Innerlichkeit, jede Frage, jede Antwort, jedes Verwerfen irgendeiner Antwort…

Was für eine Reise!

Wer Lust hat, zusammen mit mir Yoga zu machen, findet mich in Kirchheim unter Teck oder auf youtube!

Von Herzen

Verena

Was passiert, wenn wir den Kopf ablegen?

Jede Asana (jede Körperhaltung), die wir einnehmen, entspricht einer bestimmten Qualität. Das passiert ganz automatisch, ohne dass wir irgendetwas dafür tun müssten, denn unser Körper ist ganz natürlich Ausdruck von Lebendigkeit. Wir spüren das zum Beispiel wenn aufgeregt sind und ein mulmiges Gefühl im Bauch haben oder wenn unsere Augen müde sind und wir nicht mehr konzentriert nach außen schauen wollen…

Das heißt: Unser Körper zeigt uns gewissermaßen, was „innerlich“ gerade so abgeht. Er zeigt uns wieviel Kraft gerade zur Verfügung steht, er zeigt uns unsere wunden oder weichen Stellen…

Das heißt aber auch, dass – wenn wir anfangen unseren Körper zu bewegen – auch unsere inneren Strukturen mitbewegt werden. Wir stärken also beispielsweise unsere Basis (unseren Beckenboden) und damit berühren wir u.a. auch das Thema unseres Urvertrauens. Oder wir dehnen und öffnen vorsichtig (körperliche) Bereiche, die vielleicht seit langer Zeit hart und zusammengezogen waren und damit rühren wir ganz automatisch auch unsere eigene Berührbarkeit an.

Unser Körper ist Ausdruck unserer Schutz-, Flucht-, und Kampfreflexe – und all diese werden angesprochen, sobald wir mit einem körperlichen „Schmerz“ konfrontiert werden (damit arbeiten wir zum Beispiel in den passiven Yin-Haltungen ganz bewusst).

Was passiert nun, wenn wir unseren Kopf ablegen?

In den letzten Jahrzehnten hat sich das menschliche Denken zu einem immer schärferen Werkzeug herausgebildet. Und das ist wunderbar! Wir haben gelernt, uns unseres eigenen Verstandes mehr und mehr zu bedienen. Wobei man jedoch ehrlicherweise sagen muss, dass wir sehr, sehr oft eher die Gedanken (und Traditionen (auch spirituelle Traditionen)) von anderen denken, anstatt wirklich unseren eigenen Verstand zu benutzen. Ein Grund dafür ist sicherlich der, dass wir uns wenig Raum und Zeit nehmen, genauer Hinzuschauen! Oftmals scheinen wir so sehr beschäftigt, dass es notwendig ist, in Automatismen zu verfallen, anstatt Energie aufzuwenden, wirklich neu zu schauen – und dann vielleicht eben auch mal zuzugeben, dass man falsch lag oder es mittlerweile anders sieht oder dass man noch gar nicht so genau weiß, was man eigentlich darüber denkt!

Da ich menschliches Sein als ein sehr „komplexes Gebilde“ verstehe, sehe ich das Denken als einen wertvollen Teil dieses Seins – aber eben nicht als den einzigen.

Wenn ein Bereich lange Zeit intensive Aufmerksamkeit bekommt und dadurch wächst und sich ausbildet, kommt es vor, dass andere Bereiche zu kurz kommen und irgendwann ein enormes Ungleichgewicht entsteht. In der Regel gleicht das Leben das irgendwann ganz automatisch aus. Denn unser menschliches Leben formt sich gerade durch die Spannung (mindestens) zweier Pole.

Die Ganzheit wird erst sichtbar und erfahrbar durch das Gegenteil. Wir lernen über die Liebe u.a. dadurch, dass wir erfahren, wie sich die Abwesenheit von Liebe anfühlt…

Zum menschlichen Sein gehört neben dem notwendigen gedanklichen Erfassen von Lebendigkeit auch das körperliche Erleben von Kraft, Kraftlosigkeit, Anspannung, Entspannung, Weichheit, Verletzlichkeit, Sinnlichkeit, Genuss, Schmerz,…

…ebenso wie das emotionale Erleben von Lebendigkeit. Und auch „feinere“ Ebenen von Energie sind durchaus individuell und real erlebbar.

Wenn wir unseren Fokus lange Zeit im Kopf haben, kommt es vor, dass wir uns dort verhaspeln. Dann brauchen wir ein bisschen Aus-Zeit um wieder neu und weit denken zu können. Dabei kann uns u.a. der Körper und Körperarbeit dienlich sein.

Manchmal ist es hilfreich, ganz neue gedankliche Inspirationen einzuholen, um einen neuen Blick zu bekommen.

Manchmal ist es heilsam, die komplette Geschichte mal für einen Moment loszulassen und gar nichts wissen zu müssen und stattdessen mit der Erleichterung des nicht-Wissen-müssens zu sein (die u.U. vielleicht auch zunächst erst einmal als furchterregend erlebt wird – denn oftmals identifizieren wir uns wirklich komplett mit unseren Gedanken über uns und eine bestimmte Situation. Deswegen haben wir auch oft das Gefühl, genau diese Sichtweise verteidigen zu müssen).

Was passiert aber, wenn wir unsere Sicht komplett anerkennen und gleichzeitig offen dafür sind, dass diese Sicht nicht alles ist?

Sondern nur eine Sichtweise.

Was passiert?

Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, mal ganz authentisch und selbstständig nachzuforschen, werden wir herausfinden, dass Gedanken zunächst ungefragt erscheinen. Auch wenn sich Gedanken also quasi durch uns ausdrücken, so erscheinen sie doch zunächst ungefragt (in uns). Wir sind also nicht diese (tollen oder schrecklichen) Gedanken. Wir könnten auch ganz anders darüber denken…

Tun wir aber nicht.

Egal warum, wir gerade genau dieses hier für bedeutsam halten, – HIER entfaltet sich gerade diese Form.

Und wir sind Ausdruck dieser Form und gleichzeitig Beobachter dieses Ausdrucks.

Im Anschluss an das Auftauchen eines Gedankens, legt sich das Bewusstsein mehr oder weniger darauf (d.h. der Gedanke wird uns mehr oder weniger bewusst oder eben nicht bewusst) und zusätzlich wird dieser Gedanken mehr oder weniger für wahr gehalten – oder für weiter erforschungsbedürftig erachtet. Gleichzeitig mit dem Gedanken (bzw. kurz darauf) zeigt sich dann auch ein entsprechendes Gefühl zu jenem Gedanken. Dieses veranlasst uns direkt zu einer Reaktion, der – je nach innerer Struktur – blind gefolgt wird oder die mit mehr oder weniger Spielraum erforscht wird.

Wenn wir unseren Kopf jetzt ablegen, passiert etwas in unserem Körper- und Nervensystem. Denn wir legen den Teil ab, mit dem wir uns zumeist indentifizieren. Ohne, dass wir irgendetwas dafür tun müssten, entspannt etwas in unserem System. Und das kannst du ganz einfach selbst überprüfen:

Leg deinen Kopf einmal vor dir auf den Boden ab.

Was passiert?

Was passiert, wenn du gar nicht „nach draußen in die Welt“ schauen kannst und damit auch nicht so wie sonst in das ganze Spiel von „ich“ und „du“ eintreten kannst. Du siehst – selbst wenn du die Augen jetzt öffnest – nicht weit, sondern gerade auf den Boden, auf den Platz, an dem du stehst (bzw. gerade sitzt/liegst).

Du bist weniger mit dem konfrontiert wie irgendetwas aussieht, was die anderen machen, wie es bei den anderen aussieht,…

Du bist mehr bei dir.

Stell dir jetzt vor, jemand würde dich ansprechen und mit dir über irgendeine Sache diskutieren wollen. Was würdest du tun? Du würdest deinen Kopf heben und deinen Standpunkt deutlich machen wollen, indem du dem anderen auf Augenhöhe gegenüber trittst (inklusive all deiner anderen energetischen, psychischen und körperlichen Muster von Vertrauen, Schutz, Angst und Kontrolle).

Hier kannst du einen Eindruck davon bekommen, wie die Körperhaltungen (immer schon) wirken – in die eine und in die andere Richtung.

Wenn du mehr darüber herausfinden magst, dann komme doch mal in eine meiner Yogastunden (in Kirchheim/Teck) oder besuche micht auf youtube:

Yin-Yoga:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=rY1O4kpdpNQ

 

Yoga für die Schultern/Rücken:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=LSGox63HTgs

 

Gespräch über „Raus aus dem Kopf – Rein in den Moment“:

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=TkKhbRsrCCg

 

Ich freu mich auf dich!

Von Herzen, Verena

Yoga im Alltag – Alltag mit Kinder…

Warum machen wir Yoga?

Ich meine: Warum nehmen wir Körperhaltungen ein, arbeiten mit dem Atem und genießen in der Schlussentspannung das wohlige Gefühl?

Geht es im Grunde vielleicht genau um dieses wohlige Gefühl NACH der Yogastunde?

Und was genau lässt uns so wohlig fühlen?

Wenn wir eine Stunde lang unseren gesamten Körper gedehnt, geöffnet und gestärkt haben, befindet sich unser Bewusstsein nicht aussschließlich im Kopf, sondern verteilt sich gleichmäßig auch in unseren Körperempfindungen und Emotionen. In diesem Gleichgewicht ist unser Denken weniger aufgestachelt von all dem „sollte“ und „müsste“ und „könnte“ und stattdessen mehr präsent in dem, was sich ganz natürlich und lebendig eben gerade zeigt. Dann ist da in aller Bewegung auch ein Ruhen.

DAS macht Yoga so attraktiv für uns.

Und JA! Dafür sind Körperübungen nicht unbedingt notwendig. Manchmal katapultiert uns zum Beispiel die frische Morgenluft mit einem schönen Lichtspiel und zwitschernden Vögeln geradewegs aus unserem eben noch müden, nörgelnden und kämpfenden Selbst mitten in einen Moment des berührt-Seins hinein. Und plötzlich erscheinen all die Widerstände und Probleme in einem anderen Licht.

Manchmal hören oder lesen wir einen Satz, der uns genau da berührt, wo wir berührt werden möchten und manchmal fühlt es sich so an, als bräuchten wir eine Menge Bewegung, um all die Spannungen irgendwie ausagieren zu können…

Es gibt keine Regel!

Nicht mal für uns selbst – denn auch wir stecken immer wieder in neuen Lebenssituationen, die mit denen von gestern eben nicht mehr wirklich vergleichbar sind. Im Grunde ist tatsächlich jeder Augenblick neu!

Und wir lernen mit jedem dieser neuen Momente. Wir lernen INDEM wir leben. Unser Lernen ist nicht etwas, das allein geistig begriffen werden könnte. Denn es ist ganzheitlich: Körperlich, emotional, geistig, seelisch,… Es ist so viel mehr, als jedes Wort. Es ist LEBENDIG!

Jeder – wirklich jeder – Augenblick des Lebens ist VOLL von diesem Ruf DU zu sein! Jedes Gespräch, jede Tätigkeit am Computer, Wäsche waschen, Hausis mit den Kindern machen,…  Jeder Moment, in dem wir GEGEN diesen Moment sind (auch wenn es nur minimal und sehr subtil ist), sowie jeder Moment, in dem wir uns leicht und berührt fühlen. Jeder Moment der Freude und jeder Moment der Wut. Jeder Moment des Nicht-Verstehens, sowie jeder Moment des Begreifens. Und dabei ist jeder Augenblick genauso vollkommen wie jeder andere. Jeder birgt einen Schatz in sich: Das Leben selbst!

Ja! Wütend sein IST Leben. Es ist kein halbes Leben, es ist volles Leben.

Auch jeder Moment, in dem wir hadern und unser Verstand Pirouetten dreht ist dieselbe Fülle (auch wenn es sich nicht voll anfühlt). Es ist genau DAS, was gerade gelebt, erfahren und damit „gelernt“ wird. Wir lernen wie es sich anfühlt. Wir lernen die unterschiedlichen Qualitäten des Lebens kennen. Lebendig kennen.

Wir lernen „Hilflosigkeit“ und die Idee „Kontrolle haben zu können“. Wir lernen Angst, Vertrauen und alle Dimensionen dazwischen.

Ein Tag, an dem also alles schief zu laufen scheint, ist kein verlorener Tag. Es ist ein wertvoller Tag. Er gibt uns ein Gefühl von Leiden und zeigt uns gleichzeitig, wie die „Idee von Ich“ der Grund von allem Leiden ist. Wenn wir im Widerstand sind, ist es immer das: „ICH will das so nicht. So ist es falsch (finde ICH!). So hatte ICH mir das nicht vorgestellt.“

Oder: ICH verliere die Kontrolle. Keiner sieht MICH. Keiner versteht MICH.

Wer zum Teufel ist eigentlich dieses „Ich“???

Mal findet es dies, mal das,…

Wenn wir jedoch das, was IST, einfach in seiner ganzen Fülle passieren lassen, mit all der Enttäuschung oder Überraschung, mit all dem Unbekannten, Zauberhaften und Erschreckenden, das darin liegt, dann verändert sich etwas. Schmerz löst sich nicht einfach auf. Was sich aber auflöst (oder zumindest lockert), ist der Widerstand und die Angst vor dem Schmerz. Und manchmal bemerken wir dann, dass zum Beispiel auch im Schmerz eine „Tür“ zu dem selben Frieden und der selben Ruhe liegt, die wir oft am Ende der Yogastunde empfinden.

Der Schlüssel liegt in der Erlaubnis, sich ganz mit dem Leben zu bewegen – trotz all seiner Unsicherheit, trotz all seiner Tiefen, Grausamkeiten und trotz all seiner unbeschreiblichen Höhen.

Und das geht während wir Gute-Nacht-Lieder singen (und uns damit selbst berühren) oder während wir vor unseren Kindern zugeben, dass wir gerade voll den Mist gebaut haben, so dass wir JETZT nochmal NEU anfangen können (zum Beispiel mit den Hausaufgaben oder irgendeiner anderen Diskussion).

Das geht auch indem wir während eines Streitgespräches mit dem Partner bemerken, dass wir gerade nicht von unserer Sichtweise ablassen können, dass wir kämpfen. Unabhängig davon, ob wir dann weiter kämpfen und den Schmerz davon, aber auch die Anziehungskraft dieses „Recht-haben-wollens“ spüren oder ob wir tatsächlich plötzlich umschwenken und dem anderen Standpunkt Raum geben.

Was in beiden (in allen) Fällen gleich bleibt, ist dieses SEIN mit uns. BewusstSEIN. Und die Schönheit dieser Weite, die all das zulässt. Die uns zulässt – mit all unseren „verqueeren“ Eigenheiten. Und die den anderen zulässt, mit all seiner undurchschaubaren Ganzheit, die sich in jedem Augenblick neu zeigt. Ebenso wie die meine.

Am Ende verschwimmt möglicherweise diese Trennung in „dein“ und „mein“, die im Grunde sowieso nur auf der Sprach- und Denkebene existiert.

Was bleibt ist pure Lebendigkeit.

Lebendigkeit, die immer VOLL ist. Egal, ob wir uns gerade bewusst entspannen (in der Sauna oder der Badewanne zum Beispiel) oder ob wir gerade mitten in einem Wäscheberg sitzen oder drei Kinder gleichzeitig anziehen müssen, Büroarbeit machen, müde ins Bett fallen oder uns nach den Asanas zur Meditation hinsetzten 🙂

 

Yoga mit Verena     yogalini.de

Pädagogik, Elternschaft und „Nicht-Dualität“


Aus gegebenem Anlass (ich habe meine Diplom-Arbeit (Pädagogik) über Nicht-Dualität online gestellt), möchte ich ein bisschen was dazu schreiben:

1. Was könnte das bedeuten: Nicht-Dualität?

Das Wahrnehmen von Welt gestaltet sich in Form von Dualität: „Hier“ ist scheinbar jemand, der „dort“ etwas bestimmtes wahrnimmt – das können auch „innerliche“ Prozesse sein, wie Gedanken, Gefühle oder Körperempfindungen.

Nicht-Dualität weist nun auf eine „Qualität“ hin, die gewissermaßen jenseits oder aber auch gleichzeitig, während dieser dualen Wahrnehmung existiert.
Das Wort „Nicht-Dualität“ weist darauf hin, dass Trennung, die in jeder Wahrnehmung (und scheinbar stabiler in jedem Wort, noch stabiler in jeder Idee und Theorie) Gestalt annimmt, gewissermaßen eine SCHEINBARE ist: Für diesen Augenblick SCHEINT etwas so oder so zu sein. Wir scheinen dies oder das zu sein,…
Bei genauem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass nichts jemals seine Form behält.

Auch der Wahrnehmende (also die Idee von „Ich“) taucht gewissermaßen aus dem Nichts auf. Schwupps und schon wird dies oder jenes gedacht (…und mehr oder weniger ernst genommen. Natürlich! Denn DAS HIER ist für den Moment alles, was IST).

Die Qualität von NICHT-DUALITÄT kann in diesem Sinne keine „Etwas“ sein. Sie ist nichts, was „Jemand“ erfahren würde. Auch nichts, was „Jemand“ irgendwie entwickeln müsste… Sie ist vielmehr das, was bereits IST – auch wenn es nicht als solche erscheint 😉

Hört sich kompliziert an? Als neues THEORIE-Gebäude ist es das mit Sicherheit auch!!! Aber auch jeder Geübte Advaita-Leser hat letztendlich nicht wirklich etwas vom Verstehen eines Konzeptes.

Tröstlich? Ja UND NEIN 🙂 Denn ich kann sehen, dass ein Verstehen (welches auch immer ;- ) durchaus hier und da hilfreich sein kann. Es kann letztlich aber ALLE MÖGLICHEN Gefühle auslösen. Also wie immer: Alles kann, nichts muss.
Und weiter: Auch die Erkenntnis, dass Verstehen nicht notwendig ist, kann Erleichterung oder Angst erzeugen.

2. Was bedeutet das für die Pädagogik? Oder im ganz gewöhnlichen Alltag einer Mama oder eines Papas?

Gewissermaßen bedeutet es gar nichts 😉 Denn was immer wir sehen, denken, wahrnehmen, taucht letztlich ungefragt auf. Es hat natürlich eine Geschichte. Wir sind irgendwie geworden und aus diesem Geworden-SEIN schauen wir. Und entfalten uns und die Welt weiter und weiter…
Andererseits kann es einen großen Unterschied machen, wenn wir uns auf irgendeine Weise der „Bewegtheit“ und gleichzeitigen „Leerheit“ der Wahrnehmungen, Bilder, Situationen und Handlungen „bewusst“ werden. Was dann passiert, ist eine andere Form von Authentizität. Nicht dass wir urplötzlich aufhören würden, in unseren irgendwie gearteteten Mustern zu sehen und zu handeln. Aber auf eine gewisse Weise werden sie weniger „stabil“. Sie werden leichter. Fast durchscheinend (manchmal).

In dieser Qualität, in der Nicht-Wissen(-Können) Platz hat, verlieren Kategorien und Gegensätze wie „richtig“ und „falsch“ ihre SCHEINBARE Stabilität. Auch hier wird eine Art „Gleichzeitigkeit“ offensichtlich… Ich weiß nicht in wie weit Worte hier tatsächlich transportieren können, wovon ich rede. Denn es geht um nichts magisches. Es bleibt das ganz gewöhnliche Leben mit all seinen verschiedenen Facetten und Formen.

Und dennoch:
Wenn diese scheinbare Grenze zwischen „dir“ und „mir“, „richtig“ und „falsch“ auf gewisse Weise anfängt sich zu verflüchtigen, können wir uns viel leichter begegnen, denn wir müssen nicht mehr so für unsere Ideen kämpfen. Sie werden als IDEEN offensichtlich.
Auf der anderen Seite, fällt es gleichzietig viel leichter, sich selbst zu zeigen, wie man gerade ist. Das krampfhafte Aufbauen dieser Maske, die uns Anerkennung, Sicherheit und vielleicht Liebe versprechen soll, wird weniger notwendig. Denn die Angst, die uns dazu bringt, das scheinbar tun zu müssen, verliert nach und nach ihre Macht. Wir erkennen: Das, wovor wir uns fürchten, passiert gar nicht. Selbst in dieser scheinbar abstrusen Situation, die wir immer verhindern wollten, passiert gar nichts. Es scheint vielleicht absurd zu sein oder schmerzhaft oder unglaublich oder pervers, aber im Grunde? Wir sind berührt und doch unversehrt.

Das ist jetzt NICHT exakt das, was in meiner Diplom-Arbeit steht 😉 Denn es ist eine Theorie-Arbeit und keine Wiedergabe meiner eigenen Erfahrung. In der Arbeit stelle ich Zusammenhänge her, die Nicht-Dualität (und Verbindungen zu Yoga) VIELLEICHT offensichtlicher werden lassen. Es gibt einige nette Zitate und einige Stellen, die das HERZ berüren. Und natürlich gibt es auch Teile, die für den ein oder anderen ganz furchtbar langweilig oder höchst kompliziert erscheinen 😉

Und was macht das schon?

Nichts!

Da ist diese unendlich, unglaubliche Lebendigkeit, für die wir weder ein Wort, noch eine Theorie finden müssten (oder könnten).

Und EINE From dieser wahnsinnigen Unbegrenztheit ist natürlich auch, dass manche (wunderbaren) Verstände (aus Angst oder Freude) immer mal wieder hier und da ganz beschäftigt damit sind, zu verstehen.

Verstehen ist wunderbar! Jedoch bleibt jedes Verständnis letztlich EIN Augenblick. Eine Momentaufnahme…

Und schwupps ist da eine neue…

Und DAS ist es!

Jeder dieser Augenblicke… unendlich VOLL!

In sich komplett!

(und das schreibt eine Schnupfen-Nase mit Gliederschmerzen,… …die ab und an sehr gerne denkt,… …und es manchmal als „zu viel“ empfindet,… …und es manchmal genießt,… …die, ab und zu von der Stille berührt wird und darin verschwindet,… …die, täglich irgendwie mit ihren Kindern umgeht und keine Ahnung hat, ob das gut oder richtig so ist… …die manchmal ganz beflügelt ist und manchmal betrübt oder müde…)

Yoga und ATEM

Autobahn-Meditation

Zu atmen ist offensichtlich eines der grundlegendsten Elemente des menschlichen Lebens – und es hört zumindest physisch in dem Moment auf, wenn der Körper seine Lebenskraft verliert. Atmen symbolisiert die beständige Veränderung in jedem Augenblick und es symbolisiert die scheinbare Dualität von Fülle und Leere, dessen Zusammenhang und Abhängigkeit voneinander.

Im Hatha Yoga gibt es verschiedene Atemtechniken, die unterschiedliches bewirken. Dabei geht es zum Beispiel um die Reinigung der Lungen (u.a. Kapalabhati), Harmonisierung und Ausgleich der Emotionen (u.a.Wechselatmung (Anuloma Viloma)), um Sammlung und Konzentration (u.a. das einfach Beobachten des Atems) und Energieerweckung (u.a. Bhastrika). Aber natürlich fließt der Atem immer. Er fließt wenn wir schlafen und wenn wir wach sind. Er fließt wenn wir wütend sind und wenn wir fröhlich sind. Er fließt wenn Gedanken da sind und wenn keine Gedanken da sind. Er fließt wenn wir auf der Toilette sitzen, wenn wir Sex haben, wenn wir lesen,… Egal ob wir positiv oder negativ über das denken, was gerade passiert – insofern ist der Atem das perfekte Sinnbild für „Tantra“

(Tantra ist in erster Linie tatsächlich keine Sexpraktik, sondern ein Philosophiesystem, das ebenso wie Vedanta, mit Yoga in enger Vebindung steht. Tantra nutzt im Kern den Alltag, um Spiritualität zu leben. Aber dazu ein anderes Mal mehr…)

Der Atem begleitet uns auch in den Asanas (Yoga-Haltungen). Und während wir Asanas üben, passiert alles mögliche:
Wir fühlen unsere Körperlichkeit, unsere Kraft, unsere Energie,…
wir werden vielleicht aber auch mit (körperlichen) Grenzen konfrontiert und natürlich damit, wie unser Geist darauf reagiert. Wir nehmen wahr, wie Entspannung geschieht und wie Entspannung nicht geschieht…

…Yoga – im Grunde jedoch Lebendigkeit selbst – läd uns immer wieder ein, HIER zu sein!

Yoga ist eine Möglichkeit, dass so etwas wie „Intimität“ mit uns selbst entsteht. Eine Nähe, die näher ist als Gedanken über etwas oder über uns.

… und der Atem begleitet uns dabei.

Das Einatmen schafft immer Raum. Die Lunge dehnt sich aus, der Brustkorb öffnet sich.
Einatmen ist immer eine Einladung sich (körperlich) aufzurichten, innerlich in seine Aufrichtugkeit zu kommen, sich zu öffnen und präsent zu sein.

In der Öffnung des Einatems ist zunächst einmal alles willkommen: Jede Empfindung, jeder Gedanke, jedes Geräusch,…

Das Ausatmen ist immer ein Loslassen. Ein Loslassen von dem, was gerade noch da war. Ein Loslassen von jetzt verbrauchter Luft, ein Loslassen dieser Erkenntnis, dieser Erfahrung, dieses Gefühls,… und das geschieht natürlich automatisch. Niemand muss sich daran erinnern zu atmen.

Gerade nach körperlich sehr herausfordernden Asanas ist es wunderbar, wie der Körper automatisch entspannt. Und das kann man „genießen“, denn Entspannung ist nichts, was man tut. Es ist etwas, das passiert. Und mit dem automatischen Loslassen der Muskelspannung, entspannt auch dieses Greifen im Kopf. Nicht dass keine Gedanken mehr auftauchen würden. Sie stören einfach nicht…

Hatha-Yoga ist einfach eine Gelegenheit über „Körperlichkeit“ in den Fluss des Augenblicks zu kommen!

Ich selbst beginne den Tag meistens mit ein paar YIN Yoga Haltungen (passives Yoga). Ich genieße dieses erste „MICH spüren“, wenn der Körper von der Nacht noch „steif“ ist und der Geist noch still. Es kommt vor, dass die ersten Augenblicke in der Haltung dann ganz schön intensiv sind – insbesondere, wenn die Kinder alle in meinem Bett waren 😉 Dann ist es der Atem, der mich begleitet, diesem Gefühl Raum zu geben. Und es ist der Atem, der mich begleitet, in dieses Erleben hinein zu entspannen. Das ist wundervoll und „funktioniert“ auch bei Emotionen, die uns im Alltag ganz unerwartet und manchmal wie ein Sturm besuchen. Da ist dann zum Beispiel ein unangenehmesGefühl im Bauch…    anstatt nun in irgendeine Handlung zu verfallen, um diesen Gefühl zu entkommen, es zu verändern und im besten Falle loszuwerden, kann ich (vielleicht ;- ) einfach einen Moment mit diesem Körpergefühl sein… und bemerke, dass es gar nicht so „schlimm“ ist. Ich kann also fühlend BEI mir sein (auch wenn es sich gerade nicht so gut anfühlt). Ich tue einfach, was die Situation gerade erfordert. Aber ich bin DA! Ich spüre die Lebendigkeit in meinem Körper, die sich gerade als unangenehmes Bauchgefühl, Enge, Hitze, Hibbeligkeit oder was auch immer zeigt – und sich eventuell auch wieder verändert… Und plötzlich ist da nicht mehr „richtig“ oder „falsch“. Da ist dann einfach das, was passiert. Lebendig. Voll.

Und es ist im Fluss.

Es gibt nicht einfach Ein- und Ausatmen. Das sind nicht zwei Dinge! Das Ausatmen geschieht langsam und kontinuierlich. Es bewegt sich unentwegt. Der Moment der Leere ist tatsächlich nur ein sehr, sehr kurzer Augenblick, der nicht wirklich aus dem Fluss des Atems herausgenommen werden kann. Und er geht direkt ins Einatmen über…

Es sind also sicher nicht zwei Dinge, sondern vielmehr ein Kreis.

Ebenso ist es mit „richtig“ und „falsch“.

Sie berühren sich. Sie bedingen einander. Das eine gibt es nur durch das andere.

 

Der Atem fließt.

Du kannst ihn kurz anhalten. Aber für wie lange?

Es ist ein Fluss. So wie das Leben.

Er verdeutlicht das Leben.

Jeder Gedanke, der etwas aus diesem Fluss herauspickt, um es zu benennen, ist nur ein Augenblick des selben Flusses. Und das, was er benennt, ist bereits weiter geflossen…

Es ist nicht nötig, das intellektuell zu begreifen. Der Genuss des Atems ist genug 🙂

Mein Yoga BLOG

Ich heiße Verena und ich liebe Yoga!

Was ich noch liebe, ist das frische Erforschen der Lebendigkeit dieses Augenblicks…  und damit meine ich nicht das Erkennen einer WAS-heit in dem Sinne: „Ah, so ist das also!“, sondern vielmehr eine Art „Eintauchen“ in die Bewegung dieses Augenblicks mit all seinen unbekannten Wellen…

Aber ich weiß natürlich: Im Austausch, im Reden, Schreiben und Lesen von Worten scheint es so, als würden wir genau wissen, wovon wir sprechen.

Dennoch: Neben all den Worten, die wir täglich denken und benutzen, vertieft sich ganz natürlich auch noch ein anderes Begreifen dieser unfassbaren Lebendigkeit. Und dies passiert unter anderem dadurch, dass wir neben unserem Verstand auch noch einen Körper bewohnen, der Lebendigkeit wortwörtlich verkörpert. In unserem Körper erspüren wir – wenn wir uns darauf einlassen – zum Beispiel die gerade vorhandenen Kraft. Wir spüren aber ebenso einen körperlichen Ausdruck von Unsicherheit, Aufregung, Hitze, Wut, Energie, Freude, Starrheit, Angst, Weichheit, Offenheit, Berührbarkeit, usw.

In unserem Körper sind verschiedenste Emotionen und auch Verhaltensmuster gespeichert, in Form von muskulären Reaktionen oder tauben, unbewussten, nicht spürbaren Stellen, aber auch in Form von harten Stellen, kraftvollen Bereichen oder zum Beispiel der mehr oder weniger vorhandenen Möglichkeit loszuassen. Das heißt, sobald wir mit unserem Körper „arbeiten“, berühren wir auch immer diese Muster. Das ist ein Teil meiner Arbeit: Ich unterstütze Menschen darin, sich selbst zu begegnen – über den Körper. Denn er ist zusammen mit dem Atem wie ein Brücke vom Materiellen zum Geistigen und Seelischen.

Mein ganzes Leben habe ich im Grunde damit verbracht dieses unfassbare Leben lebendig zu erforschen. Was passiert, wenn ich das mache… Wie fühlt sich dies hier an… Was bedeutet das da…

Dabei war mir das „Forschen“ durchaus nicht in jedem Augenblick völlig bewusst. Oft genug war ich selbst verzweifelt, unsicher und auch tief verletzt. Und dennoch gab es immer eine gewisse Süße der Lebendigkeit selbst. Dieser „Kontakt“ mit dem, was ich jetzt einfach mal als meinen „Wesenskern“ betitele, hat mich immer angezogen, genährt und mit tiefer Erfüllung gesegnet.

Das war so, als ich das erste Mal mit dreizehn unglücklich verliebt war und all diesen wahnsinngen, inneren Gefühlen völlig ausgeliefert war. Es war so, als ich mich und meine Position in der Klassengemeinschaft in den Jahren der Pubertät immer wieder neu finden musste. Es war so, als meine Oma verstarb und ich so gerne wissen wollte, wo und was sie jetzt ist. Es war so, als ich mich dazu entschloss mein Studium zugunsten einer eigenen Yogaschule erstmal aufs Eis zu legen, obwohl meine Familie, die mich finanziell bei meinem Vorhaben unterstütze, dagegen war und ich all die Angst spüren konnte. Das war auch so, als ich zum ersten Mal Mama wurde und die Liebe zu diesem kleinen Wesen, all meine Vorstellungen immer wieder neu auf den Kopf stellte. Es war auch so, als sich die Beziehung zu meinem damaligen Mann veränderte und als wir unsere gemeinsame Yogaschule verkauften und auch unser Eigenheim. Es war so, als ich mich alleinerziehend, mit zwei Kindern, finanziell auf das absolut nötigste begrenzt, wiederfand und mich ganz auf das – zu jener Zeit – „Grundsätzlichste“ konzentrierte: Mein Mama-Sein und meine „inneren Wunden“ und „Prozesse“. Es war auch so, als ich schließlich wieder anfing zu unterrichten. Es war so, als mein Vater ganz plötzlich verstarb und sich dadurch unsere ganze Beziehung in einem völlig anderen Licht offenbarte – und mit ihr auch alle anderen Beziehungen um mich herum…

Es gib keinen Augenblick, der es nicht Wert wäre, gelebt, geschmeckt, gedacht, gefühlt und erspürt zu werden.

Auf diesem BLOG berichte ich von meinen Erforschungen, rege zum eigenen Erforschen an und gebe Impulse aus meinem Yogaunterricht.

Ich freue mich über alle, die sich dadurch inspiriert fühlen!

Von Herzen

Verena